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Pilgern für einen guten Zweck

Kaputte Füße, schweres Gepäck: Rattenkirchenerin beißt auf dem Jakobsweg die Zähne zusammen

Zeit für eine kurze Rast muss sein: Kirsten Meier ist seit 21. Juni auf dem Jakobsweg unterwegs. Nur noch in Sandalen geht es vorwärts, weil billige Turnschuhe ihre Füße aufgegriffen haben.
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Zeit für eine kurze Rast muss sein: Kirsten Meier ist seit 21. Juni auf dem Jakobsweg unterwegs. Nur noch in Sandalen geht es vorwärts, weil billige Turnschuhe ihre Füße aufgegriffen haben.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
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Seit knapp zwei Wochen ist Kirsten Meier aus Rattenkirchen auf dem Jakobsweg unterwegs. Ihre Pilgerreise soll dabei helfen, Spendengelder für ihr Hilfsprojekt „Super-Bonny und ihre Freunde“ zu sammeln. Ein kräftezehrendes Vorhaben.

Rattenkirchen – Offene Wunden und Blasen an den Füßen, ein schwerer Rucksack, Stille und Einsamkeit – Kirsten Meier beißt die Zähne zusammen. Am 21. Juni ist die Rattenkirchenerin in Porto in Portugal gestartet, um auf dem Jakobsweg bis nach Santiago di Compostela und dann weiter ans Kap Finisterre zu wandern. 400 Kilometer sind es bis zu ihrem Ziel und bereits die ersten Tage verlangen ihr viel ab.

Nach einer Woche passiert sie die spanische Grenze, die Stadt Oia ist ihre erste Anlaufstation.

„Meine Reise ist echt extrem kräftezehrend“, sagt Kirsten Meier mit matter Stimme. Doch wer genau hinhört, erkennt darin auch ihren starken Willen. Denn aufgeben will sie nicht, jeden Kilometer bis ans Ende der Welt, nach Finisterre, will sie zu Fuß gehen. „Ich bin hart im Nehmen“, sagt die ehemalige Polizistin.

Die Wunden heilen kaum

Ihre Wanderung am Jakobsweg nimmt keinen guten Start: Schon nach wenigen Kilometern löst sich an ihren Wanderschuhen die Sohle. Auf die Schnelle Ersatz für die „perfekt eingelaufenen Wanderschuhe“ zu finden, war nicht einfach. Ein Schuhgeschäft war nicht zu finden, stattdessen konnte sie sich nur mit billigen und zu großen Turnschuhen behelfen. Ein großer Fehler. Die Schuhe greifen sie völlig auf, Blasen und offene Wunden plagen ihre Füße.

„Meine Füße sehen schlimm aus. Jetzt laufe ich in Sandalen weiter, wohl bis ans Kap Finisterre“, sagt Kirsten. Durch die Belastung heilen die Wunden kaum, einen Tag hat sie pausiert, eine längere Pause will sie sich aber nicht gönnen. „Eine Apothekerin hat mir geraten, dass ich zum Arzt gehen soll, aber ich will erst nach Santiago kommen. Zeit zum Rasten habe ich nicht. Ich bin zäh.“

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Wären die Füße nicht kaputt, wären die anderen Strapazen wie der zu schwere Rucksack leichter zu ertragen. „Nach und nach befreie ich mich von meinem Gepäck und lerne mit weniger zurechtzukommen“, sagt Kirsten Meier. Mit kleinen Schritten kommt sie am Küstenweg vorwärts, der Weg ist einsam, nur wenigen Pilgern begegnet sie, mit denen sie Abschnitte ihres Wegs gemeinsam zurücklegt.

„Hier herrscht Stille und Einsamkeit.“ Auch in den Pilgerunterkünften ist sie oft der einzige Gast. „Corona ist hier deutlich zu spüren“, sagt Kirsten Meier. Bis Sonntag hat sie es bis nach Spanien geschafft, wo wie in Portugal der Mundschutz sehr streng gehandhabt wird.

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Die Rattenkirchenerin wählte in Portugal einen anstrengenden und einsamen Küstenweg, der kaum beschildert ist. „Belohnt wird sie mit einer atemberaubenden Landschaft. „Ich laufe den Weg, der mir guttut und erlebe schöne Momente, die mich mein Leben lang begleiten werden.“ Momente, die sie aber allein erlebt – was so ursprünglich gar nicht geplant war. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Jürgen wollte sie dieses Abenteuer bestreiten. Lange hatten sie alles gemeinsam geplant. Doch Jürgen ist unheilbar an Krebs erkrankt und kann die Strapazen nicht mehr auf sich nehmen.. Nun trägt sie ihn und ihren Mann Markus in Bildern und Gedanken mit sich mit.

Taxi oder Bus will sie nicht nehmen

„Ich hatte mir das vor meiner Abreise alles so locker vorgestellt. Aber das ist es nicht“, sagt sie, bleibt aber ehrgeizig. Zwischendurch ein Taxi oder einen Bus zu nehmen, wie es Pilger oft tun, um dem Körper eine Erholung zu gönnen, kommt für sie nicht in Frage. „Jeden Kilometer will ich zu Fuß gehen. Ich bin stolz auf mich, dass ich mich so durchkämpfe.“

Die Strapazen nimmt sie gerne auf sich, denn ihre Wanderung auf dem Jakobsweg macht sie für einen guten Zweck. Während ihrer Pilgerreise will sie Spendengelder für ihr Hilfsprojekt „Super-Bonny und ihre Freunde“ sammeln, um damit ein Kinder-Hilfsprojekt im Landkreis Mühldorf zu unterstützen.

Mittlerweile ist Kirsten Meier in Spanien angekommen, am Dienstag hatte sie es schon bis nach Vigo geschafft. Trotz ihrer kaputten Füße.

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