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Massive Kritik am Bund: „Unterlassene Hilfeleistung“

„Brisante Entwicklung“: Kliniken in Kreisen Mühldorf und Altötting in tiefroten Zahlen

Alle vier Standorte des „InnKlinikums“ auf Dauer zu erhalten, ist für den Landkreis von größter Bedeutung. In Mühldorf wird derzeit ein Anbau für 118 Betten errichtet.
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Alle vier Standorte des „InnKlinikums“ auf Dauer zu erhalten, ist für den Landkreis von größter Bedeutung. In Mühldorf wird derzeit ein Anbau für 118 Betten errichtet.
  • Christa Latta
    VonChrista Latta
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Die Geburtshilfe Mühldorf ist schon weg. Geriatrie und Schlaflabor in Haag sind befristet geschlossen. Alle vier Kliniken zusammen produzieren heuer ein gewaltiges Defizit. Mühldorfs Landrat Max Heimerl und Klinik-Vorstand Thomas Ewald üben im Kreistag heftige Kritik an der Bundespolitik in Sachen Krankenhäusern.

Mühldorf/Haag in Oberbayern/Burghausen/Altötting – Mit einem Defizit von knapp 20 Millionen Euro rechnet das „InnKlinikum“ Altötting-Mühldorf für das Jahr 2022.

Dieses Ergebnis stellte Thomas Ewald, der Vorstandsvorsitzende der Kliniken, dem Kreistag vor. Die Hälfte des Defizits, also zehn Millionen Euro, hat der Landkreis Mühldorf zu tragen.

Erlöse gehen runter Kosten explodieren

Landrat Max Heimerl sprach von „brisanten und besorgniserregenden Entwicklungen“. Die Krankenhausgesellschaft habe die Alarmstufe Rot ausgerufen. „Auf der einen Seite sind die Einnahmen und Erträge aus planbaren Operationen wegen Corona weggefallen, auf der anderen Seite explodieren die Kosten“, sagte Heimerl.

Zwar habe der Bund einen Corona-Ausgleich gezahlt, aber nur bis Mitte 2022. „Der Ausgleich ist weg, Corona nicht. Die Schere geht immer weiter auseinander, in allen Kliniken überall in Deutschland.“

„Dieses hohe Defizit schränkt die Handlungsfähigkeit der Klinikträger, also der Landkreise, ein“, resümierte Heimerl. „Wir müssen die Kliniken stabilisieren und kennen die künftigen Rahmenbedingungen noch nicht.“

„Die Erlöse müssen hoch und die Kosten runter“, brachte es Kliniken-Geschäftsführer Thomas Ewald auf den Punkt und nahm das „böse Wort“ „doppelte Vorhaltekosten“ in den Mund. Wie etwa die Geburtshilfe in Mühldorf, deren Wiederaufleben letztendlich am leer gefegten Markt für Fachärzte und Hebammen gescheitert sei.

„Wir können uns den Goldstandard an allen Standorten nicht mehr leisten.“ Es gelte, zukunftsfähige Konzepte für alle vier Standorte zu erarbeiten, den Wandel zu akzeptieren, aber aktiv mitzugestalten.

Kommt Privatisierung? Das sagt Klinik-Geschäftsführer

Zumindest müsse sich keiner Sorgen machen, dass das „InnKlinikum“ Opfer einer Privatisierung werden könne, sagte Ewald: „Wir wären derzeit nur mit einer dreistelligen Mitgift an einen privaten Träger zu bringen.“ Momentan passiere ein „kalter Strukturwandel“, stellte er fest: „Die Kliniken sind mit Krisenmanagement beschäftigt.“ Statt zu unterstützen, setze die Bundesregierung den „Schraubstock von außen“ an.

„Es gibt keine finanzielle Unterstützung durch den Bund“, kritisierte Landrat Heimerl. „Das ist unterlassene Hilfeleistung, sie lassen uns vor die Wand fahren. Am Ende gehen die Falschen kaputt, die Kliniken auf dem Land.“

Die anschließende Diskussion wurde von der bis 31. Januar 2023 befristeten Schließung der Klinik Haag bestimmt.

„Gegen den Willen der Wähler“

Konrad Zeiler (Grüne) erinnerte an die Bertelsmann-Studie von 2019, nach der bundesweit 600 Kliniken reichen würden: „Das wird jetzt durchgezogen, gegen den Willen der Wähler.“

Grünen-Kreisrat Dr. Georg Gafus formulierte eine „für mich als Mühldorfer steile persönliche These“: „Ich hätte mich über eine Geburtshilfe in Mühldorf gefreut. Aber angesichts dieser Entwicklungen sollte das ‚InnKlinikum‘ seine Kräfte und Abteilungen bündeln.“

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Dem widersprach Landrat Heimerl prompt: „Eine wirklich steile These, die ich nicht unterschreibe.“ Er verwies auf die unterschiedlichen Versorgungsstufen der Kliniken: „Es ist klar, welcher Standort dann wegfällt“, befürchtet Heimerl, dass am Ende nur noch Altötting übrig bleiben wird. Die Nachbarklinik steht mit Versorgungsstufe II über den anderen drei Standorten.

„Wie viel Krankenhaus können wir uns personell und wirtschaftlich noch leisten?“

„InnKlinikum“-Geschäftsführer Ewald gab den Kreisräten einen Überblick über die finanzielle Entwicklung. Im Jahr 2016 habe man an allen vier Standorten noch mit einer schwarz-roten Null abgeschlossen. 2019 ging man mit einem Defizit von 15 Millionen in die Klinikfusion. Nach tatsächlichen Zahlen wurde für das Jahr 2022 ein Verlust von 18,3 Millionen errechnet. „In unserer Hochrechnung kommen wir auf ein Defizit von 19,8 Millionen“, so Ewald. Gründe für die Erhöhung der Prognose sind der Wegfall der Corona-Ausgleichszahlungen des Bundes zum 30. Juni 2022 trotz weiterlaufender Pandemie sowie die explodierenden Kosten bei Energie und Medizinprodukten, was alleine eine Steigerung von 3,5 Millionen Euro ausmacht.

„Es stellt sich die Frage, wie viel Krankenhaus können wir uns personell und wirtschaftlich noch leisten“, sagte Ewald. Die Bundespolitik liefere dazu absurde Ideen. So werde das Pflegebudget ab 2024 ohne „sonstiges Personal“ geplant: Das „InnKlinikum“ habe seine Pflegekräfte durch die Einstellung von Hilfskräften von Aufgaben wie Essensausgabe oder Bettenschieben entlastet, dies würde künftig nicht mehr vom Bund finanziert. Trotzdem will das Klinikum diese Kräfte behalten, betonten Ewald und der Landrat.

Die Idee des Bundes, einen Teil der Patienten nur noch als Tagespatienten in der Klinik zu behandeln sei nicht zu Ende gedacht. „Wir werden keinen frisch Operierten nach Hause schicken“, versicherte der Klinikchef. „Großzügig geschätzt könnten zehn Prozent unserer stationär betreuten Patienten über Nacht nach Hause gehen, damit würden wir aber nur eine Nachtschwester einsparen.“

cl

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