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TAG DER OFFENEN TÜR

Infos über gewünschte „Zitterpartie“

Geophone fangen den Schall wieder auf, der zurück an die Oberfläche kommt.
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Geophone fangen den Schall wieder auf, der zurück an die Oberfläche kommt.

Die Platte in der Mitte des weißen Lastwagens senkt sich auf den Boden. Es vibriert an den Füßen – trotz dicker Winterstiefel. Anfangs stärker, dann immer schwächer. Nach fünf Sekunden ist das Zittern im Boden verebbt. So fühlen sich die rund zwölf Sekunden dauernden seismischen Messungen an. Das Unternehmen RDG wird sie in den kommenden Wochen in der Region durchführen lassen. Bevor es losgeht, gab es bei einem Tag der offenen Tür in Ampfing Infos zum Verfahren.

Ampfing – Die Erkundungsförderung und die Probeförderung hat die RDG in der Nähe von Ampfing abgeschlossen. Nun soll die sogenannte 3D-Seismik Aufschluss darüber bringen, wo im Untergrund einer etwa 180 Quadratkilometer großen Fläche Erdöllagerstätten liegen könnten. Bis März wird sie laufen. Ernst Burgschwaiger, RDG-Geschäftsführer und Leiter des Projektes in Ampfing, machte jedoch deutlich, dass es auch um Erkenntnisse zu einer möglichen weiteren Energieform gehe: „In zweiter Linie interessiert uns, ob es Potenzial für Geothermie gibt.“ Er sprach von einer „doppelten Zielsetzung“.

Ab dieser Woche beginnen die Vorbereitungen für die Messungen. Die RDG hat dafür eine Firma beauftragt. Sie wird mit Lastwagen unterwegs sein, sogenannten Vibrationsfahrzeugen. Eben diese konnten sich Interessierte beim Tag der offenen Tür ansehen. Auf einem Gelände im Ampfinger Industriegebiet demonstrierten Mitarbeiter, wie stark die Vibrationen rund um die Lastwagen zu spüren sind. Außerdem informierten RDG-Mitarbeiter in kurzen Vorträgen und Gesprächen über die technischen Hintergründe der 3D-Seismik sowie den Ablauf der Messungen.

Vibrationsfahrzeuge, weiße Lastwagen mit absenkbaren Platten in der Mitte, werden entlang eines Netzes zwischen Teising, Rattenkirchen, Ampfing und Kraiburg an bestimmten Punkten halten. Sie schicken dort Schall in verschiedenen Frequenzen in die Erde. Die Lastwagen sind in der Regel auf vorhandenen Straßen unterwegs. Besitzer von Grundstücken, auf denen gemessen werden soll, werden vorher informiert, sagt die RDG.

Der Schall dringt wieder zurück an die Oberfläche. Dort fangen ihn sogenannte Geophone auf. Sie werden vor der Messung von Teams ausgelegt. Sogar Regentropfen oder vorbeifahrende Traktoren werden registriert. Solche Störungen führen entweder zu Unterbrechungen bei der Messung oder sie werden später rausgerechnet.

Während die Vibrationsfahrzeuge Signale aussenden, misst dieses Gerät, ob Grenzwerte zum Schutz von Gebäuden eingehalten werden. Die kleine Sonde nimmt den Schall auf. Es wird am Haus gemessen, das am nächsten am Vibrationsfahrzeug steht. Für Schäden, die durch die Messungen entstehen, müsste die RDG aufkommen.

Gestein reflektiert den Schall. „Flüssigkeiten und Gase sind über Seismik kaum zu identifizieren“, sagt Martin Geissler, der für die RDG als Geologe arbeitet. Insbesondere Brüche in einer Gesteinsschicht können aber ausfindig gemacht werden. Genau dort können Erdölfelder auftreten. Denn poröse Gesteinsschichten (im Bildvordergrund), die Öl enthalten, treffen dann auf kompakte Gesteinsschichten (im Bildhintergrund), in denen das Erdöl nicht mehr weiterfließen kann. Sie wirken wie ein Damm.

Am Ende werden alle Daten zu einer Karte zusammengefasst. Auf ihr ist unter anderem abgebildet, wo es Gesteinsbrüche gibt. Auch die Länge, Höhe und Breite möglicher Erdölfelder sind darin zu sehen. Nach der etwa drei Monate dauernden Messung der 3D-Seismik wird die Auswertung weitere sechs Monate in Anspruch nehmen.

Die Messungen werden in den Gemeinden wohl jeweils drei Wochen dauern. Etwa 120 Mitarbeiter werden involviert sein. In rund zwei Kilometern Tiefe könnte weiteres Erdöl lagern. Mögliche Geothermie-Vorkommen lagern in etwa vier Kilometern Tiefe. Dass während der kalten Jahreszeit mit den Arbeiten begonnen wird, ist nach den Worten von Ernst Burgschwaiger positiv. Durch die Kälte seien die Geophone besser an den Boden gekoppelt. Außerdem falle dann auch für Bauern auf dem Feld weniger Arbeit an. Die Messungen störten also Landwirte weniger und umgekehrt. Bei der RDG geht man davon aus, dass Ende 2017 Ergebnisse vorliegen könnten. Auch sie werden der Öffentlichkeit präsentiert werden, heißt es vom Unternehmen.

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