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SERIE „SUMMA DAHOAM“

Indianerspiele am Inn in Mühldorf

Das Revolverkino in Mühldorf zug die Kinder und Jugendlichen magisch an.
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Das Revolverkino in Mühldorf zug die Kinder und Jugendlichen magisch an.

Das Revolverkino in Mühldorf zog die Jugendlichen und Erwachsenen an. in den Innauen wurden die Indianerspiele fortgesetzt. Hans Binsl führt die Leserinnen und Leser in seiner Sommergeschichte zurück in diese Zeit.

Mühldorf – In diesem Kino, das im Volksmund auch Revolverkino genannt wurde, liefen fast ausschließlich Western. Diese Filme sind das Ziel meiner Wünsche. Die Eintrittskarte für eine Jugendvorstellung kostet 55 Pfennig. Der Preis ist zu hoch für mich, doch an der Kasse sitzt die Frau Bichlmeier. Sie kennt mich. Meine Mutter hat kürzlich einen Pullover für sie gestrickt. Ich stehe da und betrachte die Kinobilder im Schaufenster, während die Kinobesucher an der Kasse anstehen.

Schon erklingt die Fox-Tönende-Wochenschau mit ihren Berichten aus aller Welt. Sie läuft als Vorspann vor jedem Film. Dann beginnt der Hauptfilm. Mit gespitzten Ohren höre ich, was auf der

Leinwand geschieht, während die letzten Nachzügler im dunklen Kinoraum verschwinden. Die gute Frau Bichlmeier kann meinen traurigen Augen nicht mehr widerstehen. Sie verlässt den Kassenraum mit einer Taschenlampe in der Hand. Dann führt sie mich hinein, mitten ins Paradies. In der ersten Reihe klappt sie den Notsitz heraus. Sie flüstert dem Kontrolleur ein paar Worte ins Ohr und verschwindet.

Buben schwammen im einkalten Inn

Aufgeregt sitze ich auf dem schmalen Brett, den Kopf steil nach oben zur Leinwand gerichtet. Ich bemerke weder das Flimmern vor den Augen, noch den Schmerz im Nacken, selig vor Glück. Nach solchen Filmen sind wir Buben in die Haut der Rothäute geschlüpft. Die eingewachsenen Innauen waren ein Eldorado für Indianerspiele. Als federgeschmückte Krieger haben wir mit dem Brennglas Lagerfeuer entfacht. Als Waffen bastelten wir uns Pfeil und Bogen. Mit Schilfblasrohren schossen wir Hollerbeerl. Schilfhalme in der hohlen Hand dienten als Pfeifinstrumente.

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Die Halme sind rasiermesserscharf, man hat sich sakrisch schneiden können. Wir haben Grillen aus ihren Löchern gelockt, Eidechsen und Blindschleichen gefangen. Wenn die Maikäfer schwärmten, hab ich ganze Zigarrenkistl voll heimgebracht und an die Hühner vom Nachbarn Steinleitner verfüttert. Ich erinnere mich an die Erlebnisse am Inn, der Mühldorf wie eine Schlagader durchströmt. Ich hab den eigenartigen Geruch von Sand in der Nase, der bei Hochwasser besonders ausgeprägt ist.

Wir Buben sind im eiskalten Inn geschwommen. Es hat uns abgetrieben und einen Kilometer unterhalb haben wir uns völlig erschöpft ans rettende Ufer geschleppt. Leichtsinn ist die markante Eigenschaft der Jugend.

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Einige Jugendliche haben einen solchen Kraftakt mit dem Leben bezahlt. Wenn die Schneeschmelze vorbei ist, hat der Gebirgsfluss relativ wenig Wasser. Da haben wir Buben des Öfteren eine „Zuin“, ein kleines Schiff beim Innfährmann Eder gemietet. 20 Pfennig hat das ungelenke Holzboot in der Stunde gekostet. Mit großer Anstrengung zogen wir den Kahn mit einer Kette Inn aufwärts.

Steinbeisser wurden gefangen

Oberhalb der Buhnen war das Wasser ruhig und wir ruderten in Richtung Ecksberger Insel. Einer musste ununterbrochen Wasser aus der undichten Zuin schöpfen.

An den seichten Stellen stiegen wir aus und fingen Koppen und Steinbeisser. Die waren leicht zu erwischen. In der Nähe der Innbrücke hatte der Mareis seine hölzernen Fischkästen im Wasser. Er war der einzige Berufsfischer in Mühldorf.

Der kleine, grimmige Mann hat uns Buben weggescheucht, wenn wir in die Kästen gelurt haben. Einmal hat der Mareis einen Hecht gefangen, der war fast so groß wie er selbst.

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