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„Ich dachte, es wäre ein Scherz“

  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Traunstein – Mit einem Messer in der Hand forderte ein drogensüchtiger 30-jähriger Waldkraiburger in einer Firma in Mühldorf, die unter anderem mit Haar- und Urinanalysen befasst ist, von zwei Mitarbeiterinnen Geld.

Der Täter steckte eine Geldkassette mit rund 3765,57 Euro in eine Stofftasche, verlor einen Großteil der Beute jedoch auf der Flucht (wir berichteten). Die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs verhängte jetzt eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren zehn Monaten und ordnete die Unterbringung des Mannes in einer Entziehungsanstalt an. Über seinen Verteidiger, Dr. Kai Wagler aus München, gab der achtfach wegen Drogenbesitz Vorbestrafte die Vorwürfe zu. Demnach hatte er bei der ersten Tat am 27. Mai 2020 eine Freundin zur Entnahme einer Haarprobe in die Firma begleitet. Nach zwei Tagen ohne Betäubungsmittel hatte er leichte Entzugserscheinungen. Als er eine Geldkassette entdeckte, griff er zu und setzte 2450 Euro Beutegeld später in Drogen um. An der Box hinterließ er Fingerabdrücke.

Bei dem Raubüberfall am Nachmittag des 19. August 2020 ging er, bewaffnet mit einem Taschenmesser, mit OP-Maske und Kapuze getarnt, erneut in das Büro: „Geld her“. Eine der zwei Mitarbeiterinnen reagierte mit einem lauten „Nein“ – weil sie an einen Scherz glaubte.

Zwischen dem 30-Jährigen und der Zeugin entbrannte ein Gerangel, bei dem sie eine Verletzung am Finger, eine Schulterprellung und Schmerzen am Fuß davontrug. Die Zeugin unterstrich: „Ich denke, er wollte das Messer nicht einsetzen und hatte es nur zur Bedrohung dabei.“ Die Verletzungen seien folgenlos verheilt. Den Überfall zu verarbeiten, habe ein paar Wochen gedauert. Sie sei jedoch gleich am nächsten Tag wieder ins Büro gegangen, um keine Ängste aufzubauen: „Die Arbeitsstelle kann ja nichts dafür.“ Auch der Verteidiger sagte, sein Mandat habe niemandem etwas antun wollen: „Der Vorfall tut ihm leid.“

Auf der Flucht, bei der er auf der Straße gegen ein Auto prallte, entledigte sich der Räuber mehrerer Kleidungsstücke und warf Geld auf die Straße, um Verfolger auf Distanz zu halten. Mehrere Personen liefen ihm hinterher, unter anderem die Tochter der Verletzten. Der 30-Jährige warf die Kassette letztlich weg. Die Zeugen sammelten die Scheine ein. Von den ihm noch verbliebenen 200 Euro kaufte der Täter Drogen. Genspuren führten zu einem Treffer in der DNA-Kartei, über die Freundin, die an jenem Tag einen Termin in der Begutachtungsfirma hatte, kam die Polizei schließlich auf seine Spur.

Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Stefan Gerl aus Gabersee, attestierte dem schuldfähigen 30-Jährigen Suchtmittelabhängigkeit von Jugendjahren an. Die Voraussetzungen für Unterbringung zum Entzug seien erfüllt.

Staatsanwältin Anna Reis plädierte darüber hinaus auf eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren zehn Monaten wegen besonders schweren Raubs, wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung und wegen Diebstahls. Unter den strafmindernden Aspekten nannte sie den Suchtdruck und die dilettantische Tatausführung. Nur eine gefährliche, keine vorsätzliche Körperverletzung und minderschweren Fall des besonders schweren Raubs wollte Verteidiger Wagler mit vier Jahren Haft geahndet wissen. Das Geständnis habe großen Wert: „Keiner der Zeugen konnte den Angeklagten identifizieren.“ Im Urteil nahm auch das Gericht lediglich eine gefährliche Körperverletzung an – wegen des dynamischen Geschehens bei dem Gerangel.

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