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„Ich bin einfach ausgeflippt“

Traunstein/Mühldorf. – Eine psychisch kranke 53-Jährige aus dem Landkreis Mühldorf muss sich wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Körperverletzungsdelikten vor der Siebten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Christina Braune verantworten.

Gemäß Antragsschrift von Staatsanwältin Helena Neumeier war die Beschuldigte bei den Taten schuldunfähig. Bei dem mehrtägigen Prozess geht es einzig um die Frage nach einer Unterbringung in der Psychiatrie.

Was war passiert? In einer Gaststätte soll sie eine Frau am 21. August 2020 im Streit an den Haaren zwei Meter über den Boden geschleift haben. Die Geschädigte verlor Haare und trug Blutergüsse davon. Als ein Mann schlichten wollte, wurden auch im Haare ausgerissen, auch über Blutergüsse beklagte er sich danach. Drei Tage später ereignete sich der nächste Vorfall in dem Mehrparteienhaus. In ihrer Wohnung im zweiten Stock steckte die 53-Jährige ihre Matratze in Brand. Jemand verständigte Polizei und Feuerwehr. Letztlich passierte nicht viel, niemand wurde verletzt.

Der dritte Vorwurf gilt einem Angriff am 12. Dezember auf eine Mitpatientin im Bezirksklinikum in Taufkirchen. Die Beschuldigte soll diese Frau mit Händen und Füßen malträtiert, sie an den Haaren gezogen und den Kopf zu Boden gedrückt haben. Zunächst sprach die 53-Jährige nur von „leichtem Dunst“ durch die in Brand gesetzte Matratze in ihrem Schlafzimmer. Für sie sei das „kein Qualm“ gewesen. Sie habe eine Schüssel Wasser drüber gegossen. Wie sie den Brand gelegt hatte, darüber machte sie unterschiedliche Angaben. Mal wollte sie mit brennender Zigarette eingeschlafen sein, mal wollte sie Zigaretten absichtlich auf der Matratze ausgedrückt haben. Zum Motiv lieferte sie im Lauf des Verfahrens verschiedene Versionen. Sie sprach von Suizidgedanken, von einem „Denkzettel“ für die Gäste im Lokal. Und: „Ich wollte, dass mein Freund nach mir schaut.“

„Wie ordnen Sie die Aktion heute ein?“. Auf diese Frage der Vorsitzenden Richterin Christina Braune erwiderte die Beschuldigte, der Verteidigerin Anna-Maria Ehrlicher aus Wasserburg zur Seite steht: „Total verantwortungslos, unbedacht, blödsinnig.“ Sie gab an, zu der Zeit medikamentös falsch eingestellt gewesen zu sein. Keinesfalls habe sie das Haus anzünden oder jemand verletzen wollen. Als damals Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte am Brandort eintrafen, hatte die 53-Jährige die Wohnungstür von innen verriegelt. Ein Feuerwehrmann öffnete die Tür mit zwei kräftigen Tritten. Man habe das qualmende Teil ins Bad geschafft und unter Wasser gesetzt.

Ein Notfallsanitäter und ein Notarzt bestätigten, die Beschuldigte habe sich nicht behandeln lassen, auch nicht in die Klinik mitfahren wollen. Letztlich sei die 53-Jährige zwangsweise in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen worden. Zu den weiteren Vorwürfen behauptete die 53-Jährige, in dem Lokal habe sie dem Mann „kein Haar gekrümmt“. Vielmehr habe er sie verletzt. Bei der Frau sei sie „einfach ausgeflippt“. Und den Vorfall in Taufkirchen spielte sie herunter: Sie habe ihr „ein paar Tätscherl am Arm, nichts Besonderes“ versetzt.Monika Kretzmer-Diepold

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