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Hilfe für die Flutgebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

„Totales Chaos“ im Hochwassergebiet - Helfer aus der Region berichten von erschütternden Vorfällen

Georg Kaiser aus Wurmsham barg mit seinem Radlader 25 Fahrzeuge. Grundsätzlich fehlt es in Neuenahr an schweremGerät, beklagt der Koordinator des Konvois, Sebastian Oberreitmeier.
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Georg Kaiser aus Wurmsham barg mit seinem Radlader 25 Fahrzeuge. Grundsätzlich fehlt es in Neuenahr an schweremGerät, beklagt der Koordinator des Konvois, Sebastian Oberreitmeier.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Heimische Helfer sind in den Katastrophengebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Einsatz. Sie berichten davon, dass manches nicht gut läuft.

Mühldorf – Sebastian Oberreitmeier ist von seinem Hilfseinsatz in Rheinland-Pfalz zurück. Der Ampfinger ist schockiert: „Das, was berichtet wird, ist nur die Spitze des Eisbergs. In Wirklichkeit ist alles viel schlimmer. Es herrscht totales Chaos“, schildert er seine Eindrücke. Er war zusammen mit Freunden am Freitag ins Krisengebiet gefahren, ausgerüstet mit schwerem Gerät – Dumper, Minibagger und Radlader.

Völlige Zerstörung: Das Hochwasser hat einen ganzen Landstrich verwüstet.

Mit Bagger und Tierfutter

Auch einen 26-Tonnen-Bagger hatten die Hilfekräfte dabei, dazu Wasser, Tierfutter und Hygieneartikel.

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Oberreitmeier und Co. waren nach Bad Neuenahr beordert worden. „Eine Geisterstadt, es war niemand vor Ort.“ Es habe ausgesehen wie im Krieg. Er habe Häuser gesehen, die von riesigen Schiffscontainer durchschlagen worden seien. „Man kann es sich nicht vorstellen!“

Es fehlte an schwerem Gerät

Mobile Auftaktstation: Der Hilfstrupp aus der Region um Mühldorf hatte glücklicherweise selbst Diesel mitgenommen.

Das größte Problem sei, dass es an Maschinen fehle. „Das THW kam auf uns zu und fragte, ob sie den Radlader haben könnten, weil nichts da ist“, sagt Oberreitmeier. Sprit? Fehlanzeige. Es seien zwar Tankzüge gefahren, „aber da musste man Glück haben, dass man etwas erwischt“. Die Mühldorfer Abordnung hatte genug Diesel, gespendet von Firmen aus dem Landkreis, dabei, um die eigenen Maschinen zu betanken.

Zwei Tage Akkordarbeit, 25 Autos geborgen

Zwei Tage leisteten die Helfer Akkordarbeit, bargen 25 Autos, die von der Sturmflut mitgerissen worden waren. Die Fassungslosigkeit über die Zerstörung vor Ort schlägt bei Oberreitmeier in Ärger um: „Die Leute dort haben nichts. Wir haben sogar unsere Essenration an die Einheimischen abgegeben, weil einfach nichts da ist.“

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Alles sei unkoordiniert. „Die Leute haben uns gebeten, da zu bleiben, wollten uns sogar das Hotel zahlen. Aber das ging ja nicht, weil wir am Montag ja alle selbst wieder arbeiten mussten.“ Was Oberreitmeier besonders ärgert: „In Ahrweiler läuft die Promotion – Politiker stellen sich ins Rampenlicht. Der Rest hingegen wird allein gelassen und scheint vergessen worden zu sein.“

Auch eine Geldspende hinterlassen

Neben den Hilfsgütern hat der Konvoi aus Mühldorf eine kleine Geldspende hinterlassen. 850 Euro – nicht viel, aber ein Anfang.

In zwei Wochen wollen die Lkw-Fahrer aus der Region erneut aufbrechen, um zu helfen. Gebraucht werde Baumaterial wie Ziegelsteine und Holz. Aber auch Geld sei angebracht. „Und das alles bringen wir dann persönlich hin“, sagt Oberreitmeier.

Private Helfer weiter willkommen

Denn private Helfer sind – entgegen anderslautenden Meldungen – ausdrücklich erwünscht. Nach einer Allgemeinverfügung durch die Landesregierung sei fälschlicherweise mitgeteilt worden, dass Helfer nicht mehr kommen sollen, sagt Franziska Zimmer vom Hochwasserzentrum der Landesregierung in Rheinland-Pfalz. „Helfer werden weiter benötigt“, sagt sie. Aber: Private Helfer sollen nicht mehr mit Autos anreisen. Es gebe Shuttlebusse, die Helfer ins Krisengebiet bringen. Das sei allein in Rheinland-Pfalz ein großes Areal. „Da kann es schon dauern, bis benötigte Geräte vor Ort sind“, sagt Zimmer. Zumal viele Zufahrtsstraßen noch blockiert seien. Grundsätzlich laufe die Hilfe aber gut, so seien am Sonntagabend 6631 Helfer im Einsatz gewesen.

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Seit Montagvormittag sind auch vier Ehrenamtliche des Malteser Hilfsdiensts aus dem Landkreis in Neuwied. Nach zwölf Stunden Fahrt treffen sie die letzten Vorbereitungen für den Einsatz, der bis Mittwoch dauert. „Ein bisschen Anspannung ist schon da“, schildert Wolfgang Rossau die Situation. „Aber ich bin jetzt seit 30 Jahren bei der Feuerwehr und habe sehr viele Katastrophen-Einsätze erlebt. Da stellt sich Routine ein.“

Mobile Arztpraxen mit Strom versorgen

Die wird der 52-Jährige brauchen, denn er und seine Leute müssen mobile Arztpraxen mit der notwendigen Technik versorgen und Stromanschlüsse legen. Viele bestehende Einrichtungen sind nicht mehr brauchbar, ganze Krankenhäuser hat das Hochwasser schwer beschädigt.

80 000 Liter Heizöl ausgelaufen

Wie es konkret vor Ort aussieht, weiß Rossau noch nicht. Er macht sich aber auf das Schlimmste gefasst. Er nennt ein Beispiel, das Thema bei der Lagebesprechung war: Umweltschäden. „Ein Hotel hat vor kurzen 80 000 Liter Heizöl gekauft. Jetzt sind die Tanks leer.“

Die massiven Zerstörungen fordern nicht nur Techniker und Menschen mit schweren Gerät. Auch zwei Einsatzkräfte der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNE) des Roten Kreuzes waren im Krisengebiet. In einer Mitteilung des Kreisverbands heißt es: „Aufgrund dieser herausfordernden Situation besteht ein großer Betreuungsbedarf, sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Einsatzkräften um das erlebte und die schrecklichen Bilder zu verarbeiten.“

THW steht Einsatz noch bevor

In Wartestellung ist das Technische Hilfswerk. Laut Sprecher Robert Bark gibt es eine Voranfrage. „13 THW‘ler sind angefragt, die können relativ schnell unterwegs sein“, sagte Bark. Der Vorlauf betrage einen halben, bevor es in die Region geht, die die Hilfe wohl noch sehr lange braucht. Katastrophenzentrums-Sprecherin Zimmer spricht von einem Marathon.

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