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Wasserwirtschaftsamt prüft Hochwasserszenarien

Fast keine Hochwasser-Vorwarnzeit: Wanklbach in Kraiburg könnte bei Extremregen zu Monster werden

Nach den langen Regenfällen ließ der Wanklbach am Montag Vormittag die Muskeln spielen. Mit den Hochwasserereignissen, die das Wasserwirtschaftsamt derzeit untersucht, hat das aber noch nicht viel zu tun.
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Nach den langen Regenfällen ließ der Wanklbach am Montag Vormittag die Muskeln spielen. Mit den Hochwasserereignissen, die das Wasserwirtschaftsamt derzeit untersucht, hat das aber noch nicht viel zu tun.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Bei Extremregen könnte der Wanklbach, der durch Kraiburg fließt, zum reißendem Monster werden. Von dem Wildbach gehen in solchen Fällen erhebliche Risiken aus, bestätigt das Wasserwirtschaftsamt, das derzeit verschiedene Szenarien untersucht.

Kraiburg – Die aktuellen Regengüsse haben den beschaulichen Wanklbach, der sonst mitten durch die Marktgemeinde Kraiburg plätschert, als könnte er kein Wässerchen trüben, zum reißenden Fluss anschwellen lassen. Doch „dramatisch ist das noch nicht“, sagt Petra Jackl (CSU). Sorgen machen der Bürgermeisterin andere Szenarien: Starkregenereignisse, bei denen 100 Liter an einem Tag auf den Quadratmeter fallen. Da kommen Erinnerungen an die verheerenden Überschwemmungen in Simbach auf und an die Katastrophe, die sich an Ahr und Erft ereignet hat.

So präsentiert sich der Wanklbach in der Regel: Beschaulich plätschert er durch Kraiburg, im oberen Bereich ist er sogar trocken gefallen. Doch der Wildbach kann bei extremen Niederschlägen eine zerstörerische Kraft entwickeln. Bürgermeisterin Petra Jackl möchte gemeinsam mit dem WWA und den Bürgern diese Wirkung abschwächen.

Nach Simbach um Stellungnahme gebeten

Dass vom Wanklbach ein Gefährdungspotenzial ausgeht, das ist den Kraiburgern schon lange bewusst. Nach den schrecklichen Ereignissen von Simbach war Jackls Vorgänger Dr. Herbert Heiml deshalb auch beim Wasserwirtschaftsamt vorstellig geworden und hatte um eine Stellungnahme und um die Untersuchung eines hundertjährlichen Hochwasserereignisses gebeten.

Bürgermeisterin von Vorentwurf geschockt

Die Simulationsmodelle, in denen die Abflussszenarien berechnet und die Überschwemmungen und Überflutungsgefahren untersucht werden, sind noch in Arbeit, doch die Bürgermeisterin hat einen Vorentwurf des Gutachtens gesehen. „Diese Karte erschreckt mich“, sagte Jackl im Gemeinderat.

Riesiger Einzugsbereich ist ein Problem

„Die klimatischen Veränderungen sind Fakt“, ist die Bürgermeisterin überzeugt. Beim Wanklbach könnten sich Starkregenereignisse besonders drastisch auswirken. „Ab Bäckerlehen wird’s gefährlich“, fürchtet Jackl, die selbst in der Nähe des Baches lebt. Ein Problem sei dessen riesiger Einzugsbereich bis Grünthal und in die Gemeinde Taufkirchen.

WWA: Bei Wildbächen bleibt im Ereignisfall kaum Zeit für Maßnahmen

Tobias Hafner, der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes listet auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen eine Reihe von zusätzlichen Überschwemmungsrisiken auf. Der Wanklbach sei ein Wildbach, weshalb er auch in die Zuständigkeit der Behörde fällt. In Wildbächen sei mit Geschiebe und Schwemmholz zu rechnen. Die bachnahe Bebauung verschärfe die Problematik.

Neuralgische Stellen durch Bebauung

„Wie in anderen Orten auch, wurden Gebäude in Bereichen errichtet, welche der Bach bei Hochwasser in Anspruch nimmt. Zusätzlich wurden neuralgische Stellen im Bach geschaffen“, zum Beispiel Querbauwerke, die eine Verklausung begünstigen sowie die Reduzierung des Gewässerquerschnitts und damit einher gehend aufgrund der Bebauung der Verlust von Ausweichflächen. Hafner wörtlich: „Wildbäche wie der Wanklbach haben nahezu keine Vorwarnzeit. Somit bleibt auch kaum Zeit, um im Ereignisfall Maßnahmen zu treffen.“

Kita und Schule wären betroffen

Noch sind die Simulationen und der sogenannte Wildbachgefährdungsbereich, das ist das Überschwemmungsgebiet, in Bearbeitung. Doch so weit legt sich die Behörde fest: Die Ersteinschätzung habe sich bestätigt. Von einem hundertjährigen Ereignis wären „einige Gebäude, auch die Grundschule und der Kindergarten betroffen“.

Jackl hofft auf Gutachten im Herbst

Das WWA nennt noch keinen Termin für die Fertigstellung des Gutachtens. Die Bürgermeisterin hofft, dass es im Herbst vorliegt. Denn nach den jüngsten Hochwasserkatastrophen hätten sich viele besorgte Anwohner aus tiefer liegenden Wohnbereichen, wie etwa der Griesstraße, bei ihr gemeldet. Jackl will die Erkenntnisse so bald wie möglich in einer Bürgerversammlung öffentlich machen.

Dem Bach wieder mehr Raum geben?

„Wir können uns nicht auf ein tausendjähriges Hochwasser vorbereiten“, sagt sie. „Dazu müssten wir ja absiedeln.“ Doch um die Folgen von Extremniederschlägen ab zu schwächen, müssten mit dem Wasserwirtschaftsamt mögliche Maßnahmen diskutiert werden.

Lesen Sie auch: Sturzflut über Aschau am Inn simuliert: Bei Starkregen hat das Dorf am Hügelrand ein Problem

Jackl sieht Handlungsbedarf. So sollten die Ablagerungen entlang des Bachufers so bald wie möglich verschwinden. „Das Totholz muss weg.“ Auch bauliche Änderungen werde man in den Blick nehmen müssen. Eventuell werde man dem Bach auch wieder mehr Raum geben müssen.

Simulierte Szenarien

Numerische Simulationsmodelle, wie sie das Wasserwirtschaftsamt derzeit beim Wanklbach erarbeitet, berechnen, wie sich verschiedene Abflussszenarien verhalten und welche Überschwemmungen und Überflutungsgefahren entstehen. Auch Geschiebepotenzial und Schwemmholzaufkommen werden untersucht und in das Modell eingebunden. Das Abflussszenario für ein hundertjähriges Hochwasserereignis wird als Wildbachgefährdungsbereich, das ist das Überschwemmungsgebiet, rechtlich durch die Kreisverwaltungsbehörde festgesetzt. Untersucht werden aber auch größere Hochwasserereignisse, sogenannte Extremereignisse. Grundlage der Simulationen ist der Ist-Zustand des Gewässers.hg

Gefährliche Bäche

Neben dem Wanklbach bergen zwei weitere kleinere Kraiburger Bäche bei Starkregen Risiken: der Schlößlbach und der Maximiliansbach. „Auch sie können viel Wasser führen und über die Ufer treten. Dann wird‘s kritisch“, so Bürgermeisterin Jackl.Der Maxlohner Bach werde jedes Jahr von den Anwohnern geräumt, lobt sie. Doch künftig müsse man noch genauer hinschauen. Geräumt werden muss wegen der Sedimente auch der Schlößl-bach, der durch die Siedlung am Bleicher bis zum Schwimmbad und parallel dazu in Richtung Inn läuft. Der habe zwar am Westerberg kein allzu großes Einzugsgebiet, sei aber heuer schon auf Höhe des Naturbades über die Ufer getreten. „Das müssen wir verhindern.“hg

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