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TAG DES HANDWERKS

Der für die Heiligen schnitzt

Und das Jesukind schaut ihm auf die Finger:Arnold Hein in seiner Werkstatt im Altmühldorfer Tal. ha

Heute ist „Tag des Handwerks“. Ein guter Grund, Holzbildhauer Arnold Hein in seiner Werkstatt in Altmühldorf zu besuchen.

Mühldorf – Nach und nach schält sich die Lilie aus dem Lindenholz, mit jedem Schnitt blüht sie etwas mehr auf. In der Hand hat Holzbildhauer Arnold Hein ein Schnitzeisen, das schon sein Großvater benutzt hat. „Auch die Gehrungssäge ist noch von ihm. Das Werkzeug wird ja nicht schlecht, nur weil es ein paar Jahre auf dem Buckel hat.“

Ein paar Jahre ist gut. Vor über 100 Jahren übernahm Großvater Engelbert Hein den Betrieb seines Meisters, 1925 zog er dann mit der Holzbildhauerei nach Altmühldorf um. Seitdem ist der Name Hein im Tal ein fester Begriff. 1956 übernahm der ältere Sohn Theo die Leitung des Betriebs, nach dem Tod des Vaters führte er zusammen mit seinem Bruder Karl die Werkstätte gemeinsam weiter. 2005 übergab schließlich Karl Hein die Firma an seinen Sohn Arnold, den Holzbildhauer in der dritten Generation.

„Schon als Kind habe ich mich immer beim Papa in der Werkstatt rumgetrieben. Die ersten Schnitzereien landeten aber immer beim Brennholz.“ An seine erste „ernsthafte“ Arbeit kann sich der 52-Jährige trotzdem noch gut erinnern. „Das war ein Relief von der Kronwidlkapelle. Da war ich sieben oder acht Jahre alt.“ Von da an stand fest, dass Arnold Hein in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte – und neben dem Interesse auch handwerkliches Geschick mitbrachte.

Nach der Realschule absolvierte er seine Lehrzeit im heimischen Betrieb. „Mein Vater war ein guter Lehrmeister. Und wenn es einmal Ärger in der Werkstatt gab, haben wir ihn nie zu Hause am Küchentisch ausgetragen.“ Nächster Schritt war dann der Besuch der Meisterschule in München.

Seine Berufswahl hat Arnold Hein nie bereut. „Ich sehe mich immer wieder neuen Herausforderungen gegenüber, muss mich immer wieder auf neue Situationen und Objekte einstellen. Das macht meinen Beruf abwechselnd und spannend zugleich.“ Die Lilie zum Beispiel wird Teil einer Josef-Figur, die ein privater Sammler gekauft hat. Während der hölzerne Josef auf dem rechten Arm das Jesukind trägt, klafft in der linken Hand ein Loch. „Der Sammler hätte gerne die Lilie zurück.“

Der Schwerpunkt der Arbeit von Arnold Hein liegt seit vielen Jahren auf Restaurierungs- und Ergänzungsarbeiten für Kirchen. Das Spektrum reicht von Skulpturen über Reliefs und Intarsien bis zu profanen Arbeiten mit Holz.

Für die Zukunft seines Betriebs macht sich der Altmühldorfer keine Illusion: „Einen möglichen Nachfolger gibt es nicht. Wenn ich irgendwann in den Ruhestand gehe, werde ich auch die Werkstatt ein letztes Mal absperren.“ Die eigenen Kinder haben andere Pläne: Der älteste Sohn wird Bauingenieur, meine Tochter Lehrerin. „Und der Jüngste ist nicht so der handwerkliche Typ.“ Doch bis es so weit ist, wird noch so manche Lilie die Altmühldorfer Werkstatt verlassen. Hölzern blühend, in ganzer Pracht.

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