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Hoher Preisdruck und steigende Kosten

Landwirte aus der Region Mühldorf üben heftige Kritik an Ministerin Kaniber

Im Gespräch mit dem Mühldorfer Anzeiger von links. Gerhard Langreiter, Ulrich Niederschweiberer und Anna Senftl.
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Im Gespräch mit dem Mühldorfer Anzeiger von links. Gerhard Langreiter, Ulrich Niederschweiberer und Anna Senftl.
  • Josef Bauer
    VonJosef Bauer
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Unzufrieden mit der Arbeit der bayerischen Landwirtschaftsministerin sind die Spitzvertreter des Bayerischen Bauernverbandes aus dem Landkreis Mühldorf im Gespräch mit dem Mühldorfer Anzeiger. „Die Landwirte befinden sich in der Schere zwischen hohem Preisdruck und stark gestiegenen Kosten“, erklärt BBV-Kreisobmann Ulrich NIederschweiberer.

Mühldorf – Die Landwirte im Landkreis Mühldorf stehen vor einer ungewissen Zukunft. Die Preise fast sämtlicher landwirtschaftlicher Produkte sind im Keller. BBV-Kreisbäuerin Anna Senftl, BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer sowie sein Stellvertreter Gerhard Langreiter betonen im Gespräch mit dem Mühldorfer Anzeiger, dass neben der völlig katastrophalen Preissituation, auch die Stimmung in der Landwirtschaft deutschlandweit immer schlechter werde.

„Wirtschaftslage und Stimmung sind in der Landwirtschaft zum Jahreswechsel 2020/2021 enorm angespannte und mitunter auch von Frustration und Resignation geprägt. Die Landwirte befinden sich in der Schere zwischen hohem Preisdruck und stark gestiegenen Kosten“, erklärt BBV-Kreisobmann Ulrich NIederschweiberer.

Rückgang um 17 Prozent bei Wirtschaftsergebnissen

Die Wirtschaftsergebnisse von bayerischen Bauernhöfen sind nach dem herben Minus von 17 Prozent im Wirtschaftsjahr 2018/19 noch weiter zurückgegangen. Die Ergebnisse lagen im Wirtschaftsjahr 2019/20 noch mal um durchschnittlich 3,8 Prozent unter dem Vorjahr. Das zeigt der Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes, der in Berlin vorgestellt wird.

„Während sich die Ergebnisse bundesweit in der Zeit vor Corona leicht erholen konnten, waren die Zahlen in Bayern rückläufig. Doch diese vergleichsweise moderate Verschlechterung wird von den Auswirkungen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Marktproblemen und Preisverluste in den Schatten gestellt“, sagt Kreisbäuerin Anna Senftl.

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„Essen aus Bayern ist in der aktuellen Krise wichtiger denn je. Doch wir Bäuerinnen und Bauern als Erzeuger haben mit einem dramatischen Preisverfall zu kämpfen. Der Preis für Schweinefleisch zum Beispiel hat sich seit dem Frühjahr fast halbiert. Nötig ist jetzt schnelle und wirksame Unterstützung!“ Um Zukunftsperspektiven zu ermöglichen“, berichtet Ferkelerzeuger Gerhard Langreiter.

Landwirte mit deutlich höherer Arbeitszeit

Die Bauern im Landkreis Mühldorf fühlen sich auch von der Politik im Stich gelassen. „Von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber kommen nichts als schöne Bilder und Sprechblasen. Die tatkräftige Unterstützung der Bäuerinnen und Bauern sowie der bayerischen Familienbetriebe kommt nicht vor“, waren sich alle drei BBV-Vertreter einig.

Anna Senftl und Gerhard Langreiter weisen zudem darauf hin, dass die Arbeitszeit der Bauern deutlich höher liegt, als bei anderen Selbstständigen. Ein Selbstständiger in Deutschland arbeitete im Jahr 2019 nach Angaben des Statischtischen Bundesamtes im Durchschnitt bei 1906 Stunden. In der Landwirtschaft fallen 2290 Stunden an.

Das Statischtische Bundesamt hat festgestellt, dass das Einkommen der Landwirte in Deutschland derzeit bei rund 41.000 Euro liegt, im produzierende Gewerbe bei rund 90.000 Euro, im Baugewerbe bei rund 67.000 Euro und im Handel, Gastgewerbe und Verkehr bei rund 46.000 Euro.

Viele Höfe werden derzeit aufgegeben

„Die Einkommenssituation und die mangelnde Akzeptanz führen dazu, dass viele Höfe aufgeben, weil kein Nachfolger mehr bereit ist unter diesen Bedingungen zu arbeiten“, sagt Niederschweiberer.

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Der Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes basiert auf den Ergebnissen der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe im Wirtschaftsjahr 2019/20 (Juli 2019 bis Juni 2020). Eingeflossen sind die Buchführungsdaten von 10.921 deutschen Betrieben, darunter etwa ein Drittel bayerische Betriebe. Bei reinen Ackerbauern sind die Ergebnisse 2019/20 in Bayern erneut um 10,4 Prozent zurückgegangen, bei Futterbaubetrieben (Milchviehhalter) um 17,0 Prozent. Bei den Veredelungsbetrieben konnten die Verluste aus den Vorjahren trotz deutlichem Plus nicht wettgemacht werden. Die Ergebnisse sind repräsentativ; sie wurden gemäß der letzten Agrarstrukturerhebung hochgerechnet. Daten für einzelne Regierungsbezirke oder Landkreise in Bayern sind nicht verfügbar, da hierfür der Stichprobenumfang zu gering ist.

Investitionen sind nicht zu finanzieren

Jeder Betrieb, der Investitionen, wie eine neue Güllegrube, leisten muss, hat gewaltige Probleme, dafür das nötige Geld zu erwirtschaften. Mit den jetzigen Erlösen sind diese Investitionen nicht zu finanzieren“, betont AnnaSenftl.

„Wir fordern vernünftige Preise für die gesunden Lebensmittel, die wir produzieren, die Anerkennung für die geleistete Arbeit der Landwirte und eine Politik, die uns unterstütz und die heimischen Landwirte fordert und fördert“, sagten Senftl, Niederschweiberer und Langreiter.

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