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Serie: Ehrenbürger der Stadt

Handelsminister als Vater des Eisenbahn-Knotens: So gelang Mühldorf der Anschluss nach München

Die Bedeutung der Bahn spiegelte sich in Mühldorfs Bahnhofsgebäude wider.
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Die Bedeutung der Bahn spiegelte sich in Mühldorfs Bahnhofsgebäude wider.
  • Josef Bauer
    VonJosef Bauer
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Mit dem Ausbau der Eisenbahn kam es in der Stadt zu großen Umwälzungen bei der Wirtschaft und den Einwohnerzahlen. Wie Mühldorf der Anschluss nach München gelang und wem dieser Anschluss zu verdanken ist.

Mühldorf – Die Stadt Mühldorf hatte bis zum Jahre 1860 nur rund 2000 Einwohner, die sich auf die Altstadt an der Innschleife verteilten.

Die Stadt Mühldorf war aber damals schon Ämter- und Einkaufsstadt. Mit dem Ausbau der Eisenbahn kam es zu großen Umwälzungen bei der Wirtschaft und den Einwohnerzahlen.

Der Bau der Eisenbahn und der Ausbau der Post in Mühldorf sorgten für einen regelrechten Strukturwandel entlang der Bahnlinie. Neue Arbeitskräfte wurden gebraucht, und die Mechanisierung der Landwirtschaft schritt voran. In Mühldorf entstand ein neuer Stadtteil, die „Obere Stadt“ mit Wohnungen für die Arbeiter der Bahn und der Post. Die Zahl der Einwohner kletterte auf 10.000.

Mühldorf profitierte vom Bahnausbau

Unter den 19 neuen Bahnlinien, die der bayerische Staatsminister für Handel und Öffentliche Arbeiten, Gustav von Schlör, dem Bayerischen Landtag vorschlug, finden sich die Linien Rosenheim-Mühldorf und Mühldorf-Vilshofen.

In Bayern bestand damals bereits die Ostbahn. Auch sie war unter Gustav von Schlörs Einfluss bereit, im Einvernehmen mit dem Staat ihr Netz zu erweitern, und schlug als ihre dritte Linie eine Verbindung zwischen Straubing und Mühldorf vor. Es war klar, dass diese großen Pläne nur allmählich verwirklicht werden konnten. Aber eines zeigte sie deutlich: Die Stadt Mühldorf wurde ein Knotenpunkt und gewann damit eine erhebliche Verkehrsbedeutung.

Die für Mühldorf wichtigste Linie, die von München, fehlte in dem neuen Entwurf. Der Grund: Die Linie hatte der Landtag bereits am 5. Oktober 1863 genehmigt, allerdings unter der Voraussetzung, dass sie in Simbach Anschluss an die nach Osten führende Bahn erhalte.

Sonst sollte die bayerische Linie über Erding-Vilsbiburg nach Neuhaus bei Passau gebaut werden. Da Österreich sich mit der Erbauung der Braunauer Linie einverstanden erklärte, war die Entscheidung zugunsten Mühldorfs ausgefallen.

Gustav von Schlör machte Mühldorf zu einem Bahn-Knotenpunkt.

Gustav von Schlör wurde am 4. April 1830 in Vilseck/Oberpfalz geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums und der Universität, wo er Rechtswissenschaft studierte ging von Schlör als Praktikant an das Münchener Stadtgericht. 1948 wählte man von nördlichen Oberpfalz in das erste deutsche Parlament und von 1852 bis 1855 in den Bayerischen Landtag, wo er in Eisenbahnfragen eine Autorität war. Am 30. Juni 1866 erfolgte Schlörs Ernennung zum Handelsminister. Das Handelsministerium hatte sich da mit Eisenbahnfragen zu befassen.

Schon im Alter von 17 Jahren studierte er Rechtswissenschaften und Nationalökonomie in München. Vom 18. Mai 1848 bis zum 5. März 1849 vertrat er Tirschenreuth im ersten deutschen Parlament, der Frankfurter Nationalversammlung. Schlör wurde 1850 Landgerichtsassessor in Weiden und später Advokat in Vohenstrauß und Weiden. Dem oberpfälzischen Landrat gehörte er von 1852 bis 1855 an. Von 1855 bis 1883 war er Mitglied der bayerischen Abgeordnetenkammer, von 1868 bis 1871 war er Mitglied des Zollparlaments für den Wahlkreis München I. Schlör war ein vehementer Befürworter eines flächendeckenden Eisenbahnnetzes. Als Direktor der privaten Ostbahngesellschaft setzte er im Bayerischen Landtag den Bau der Bahnlinie von Schwandorf über Weiden nach Bayreuth durch und legte damit einen Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung der strukturschwachen Region.

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Schlör war für die Stadt Mühldorf ein großer Glücksfall. Nur mit seiner kräftigen Unterstützung wurde der Eisenbahn-Knotenpunkt Mühldorf Realität, und davon profitiert die Stadt Mühldorf noch heute. Wegen seines Engagements erlangte er am 30. Mai 1871 die Mühldorfer Ehrenbürgerwürde. Nach ihm wurde auch eine Straße benannt. Am 25. September 1983 starb Gustav von Schlör in München.

Autoren der Serie

Diese Serie ist mithilfe der Veröffentlichungen der verstorbenen Heimatforscher Josef Steinbichler und Rudolf Angermeiers und des Leiters des Mühldorfer Stadtarchivs Edwin Hamberger entstanden.

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