Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Reaktionen auf Corona-Beschlüsse

Händler im Landkeis Mühldorf wollen so bald wie möglich öffnen, Hoteliers noch ohne Perspektive

Die Ausverkaufswerbung verschwindet, die bunte Frühjahrsmode kommt: Petra und Michael Hell bereiten das Modekaufhaus auf dem Stadtplatz vor. Wann es öffnen darf, hängt von Inzidenzwert ab.
+
Die Ausverkaufswerbung verschwindet, die bunte Frühjahrsmode kommt: Petra und Michael Hell bereiten das Modekaufhaus auf dem Stadtplatz vor. Wann es öffnen darf, hängt von Inzidenzwert ab.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

Die einen sind froh, die anderen hadern mit den Aussagen der Politik. Während Händler im Landkreis Mühldorf mit den Öffnungsvorbereitungen begonnen haben, haben Wirte noch immer keine Perspektive.

Mühdorf – Beim größten Modehändler im Landkreis laufen die Vorbereitungen für den Tag X auf Hochtouren. Inhaber Michael Hell steht seit den Vormittagsstunden im Geschäft, stellt Dienstpläne auf und bespricht mit Mitarbeiterinnen, wo welche Ware hinkommt. Er hat nur noch ein Ziel: „Alles so vorzubereiten, dass wir nächste Woche wieder öffnen können“, sagt er.

Vielleicht Dienstag, eher Mittwoch, einen genauen Tag kann er noch nicht nennen. Denn der hängt nicht von den Händlern ab, sondern vom Virus und dem Infektionsgeschehen über das Wochenende. Bevor Einzelhändler öffnen dürfen, muss der Corona-Inzidenzwert zunächst für drei Tage unter 100 liegen. Ausgenommen sind unter anderem Buchhandlungen, die schon am Montag aufsperren dürfen.

Auch interessant:

Keine Lobby: Was ein Ampfinger Haushaltswarengeschäft im Lockdown kritisiert

Stabile Werte sind noch weit entfernt

Von einem Inzidenzwert unter 100 ist der Landkreis derzeit allerdings noch entfernt. Auf 104,4 sank der Inzidenzwert gestern immerhin, es gab 25 neue Fälle.

50 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Trotz dieser ungewissen Entwicklung freut sich Hell über die Perspektive, über den „Schritt in die richtige Richtung“. Wie alle Einzelhändler hat er seit Mitte Dezember geschlossen, seine 50 Mitarbeiter in Mühldorf und Ampfing sind in Kurzarbeit, die Winterware stapelt sich. Jetzt gilt es, die Läden umzuräumen. „Wir müssen die Frühlingsware auspacken und das Geschäft attraktiv machen.“ Was aus Mänteln, dicken Pullis und Mützen wird, weiß Hell noch nicht. Einen Teil will er spenden, einen Teil noch verkaufen, den Rest fürs nächste Jahr aufheben.

Lesen Sie auch:

Überschuss an AstraZeneca-Impfstoff: Kann sich jetzt jeder registrieren?

Die Regeln für die Öffnung stehen fest: Nur eine begrenzte Zahl von Kunden darf ins Geschäft, eine Voranmeldung ist nötig. Auch damit muss sich Hell jetzt befassen und ein Online-Programm suchen. „Dort sollen sich Kunden selbst eintragen können oder wir sie nach einem Anruf.“

Am Eingang müssen Mitarbeiter die Buchung und die Personalien überprüfen. Von Eingangskontrolle will Hell nicht sprechen: „Das hört sich so negativ an. Wir werden mit den Gästen ein freundliches Eingangsgespräch führen.“

Der 83-Jährigen geht die Geduld aus

Franziska Baumgartl, Seniorchefin des gleichnamigen Schuhgeschäftes in Neumarkt-St. Veit, hat schon alles erlebt. Sie ist 83 Jahre alt und mit der Zeit geduldig geworden. Doch ihre Geduld verliert sie allmählich.

Die Winterschuhe stehen noch in den Regalen

Der Laden ist lange zu, das Wintersortiment steht noch in den Regalen. „Das muss jetzt eigentlich wieder raus und die Frühjahr- und Sommerkollektion rein.“

Was sie bedrückt: Die Verknüpfung der Öffnung mit den Inzidenzzahl. „Und die ist im Landkreis Mühldorf ja nach wie vor hoch.“

Auch interessant:

Meine erste Dosis Hoffnung: Reporterin Andi Klemm in Mühldorf mit AstraZeneca gegen Corona geimpft

Wie im großen Mode Hell geht es auch im kleinen Geschäft ans Umräumen. Das Wintergeschäft sei ins Wasser gefallen, Herrenmodelle gar nicht nachgefragt gewesen. Die wandern nun wieder ins Lager mit der Hoffnung auf den nächsten Winter: „Unsere Kundschaft ist mittleren Alters und älter. Die Modelle sind zeitlos.“

Kritik übt sie an der Öffnungspraxis für große Geschäfte, die neben Lebensmitteln auch Bekleidung oder Schuhe verkaufen. Ungerecht findet sie das: „Warum dürfen Kunden dort einkaufen, mein Laden aber muss geschlossen bleiben?“

Fragezeichen statt Perspektive heißt es bei den Gastronomen. Für sie enthalten die neuen Regelungen wenig Konkretes.

Keine Perspektive für Hotels

Der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, Holger Nagl, sagt, dass es für Hotels gar keine Perspektive gebe, da sie gar nicht erwähnt würden. Er fordert, dass die Öffnungsperspektive so beschrieben werden müsse, dass sie alle – Nagl meint Gastronomen und Gäste – verstehen könnten.

Warum sind die Coronawerte im Landkreis weiter so hoch?

Im Landkreis Mühldorf sind die Coronazahlen weiter hoch, seit vier Tagen liegt der Inzidenzwert über 100. Damit sind viele Lockerungen nicht möglich. Wir wollten vom Leiter des Gesundheitsamts Dr. Benedikt Steingruber wissen, warum.

Welche Gründe gibt es für den hohen Inzidenzwert im Landkreis?

Dr. Benedikt Steingruber: Es gibt derzeit kein großes Ausbruchsgeschehen, auf das alleine viele Fälle zurückzuführen sind, sondern mehrere kleinere Infektionsgeschehen mit jeweils einigen Fällen, die sich summieren.

Welche Konsequenzen zieht das Gesundheitsamt aus den Ausbrüchen?

Steingruber: Wichtig ist und bleibt die sorgfältige Ermittlungsarbeit und Kontaktnachverfolgung. Darüber hinaus wollen wir wir auch freiwillige Testungen beispielsweise in Heimen, Schulen, Kindergärten oder Betrieben weiter fördern, damit symptomlose aber dennoch ansteckende Personen fühzeitig erkannt und die Infektketten schnell unterbrochen werden.

Welche Ratschläge kann das Gesundheitsamt für besseren Schutz der Menschen geben?

Steingruber: Wir bitten eindringlich, sich an die Hygieneregeln zu halten, insbesondere auch im privaten Bereich die Kontakteinschränkungen zu beachten.

Kommentare