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CORONA-IMPFUNG

Hände weg von Astra Zeneca? Mühldorfer Arzt empfiehlt jüngeren Frauen anderes Präparat für Zweitimpfung

Stefan Feige hat sich von seiner Frau Dr. Karin Neumann-Feige mit Astra Zeneca impfen lassen. Jungen Frauen rät er zur Vorsicht. Doch auch diese Einschätzung kann bald schon wieder Makulatur sein.
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Stefan Feige hat sich von seiner Frau Dr. Karin Neumann-Feige mit Astra Zeneca impfen lassen. Jungen Frauen rät er zur Vorsicht. Doch auch diese Einschätzung kann bald schon wieder Makulatur sein.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Die Diskussion um den Corona-Impfstoff Astra Zeneca verunsichert vor allem jüngere Frauen. Ein Pandemiearzt im Landkreis Mühldorf weiß, wer sich jetzt wie verhalten soll.

Mühldorf – So wie Stephanie Nömeier geht es derzeit vielen, die einmal mit Astra Zeneca gegen Corona geimpft sind. Auf die große Freude folgt die totale Ernüchterung: „Ich war ganz glücklich“, erzählt die 43-jährige Mühldorferin über ihre Gefühlswelt vor ein paar Wochen. Sie war in Risikogruppe zwei eingestuft und total überzeugt. Zwei Tage leichte Gliederschmerzen, danach: „alles okay“.

Unsicher: Stephanie Nömeier.

Aus Freude wird Sorge

Und heute? „Ich habe ein komisches Gefühl und bin ziemlich unschlüssig.“ Sie gehört zur klassischen Corona-Risikogruppe: autoimmunkrank, Mitarbeiterin in der Gastronomie, pflegende Angehörige.

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Heute vor der Zweitimpfung fallen ihr mit Blick auf mögliche Impffolgen andere Risiken ein: Mutter von zwei Kindern, Frau, jung. „Du bist allein gelassen“, sagt sie Die Freude ist der Unsicherheit vor der zweiten Impfung am 30. April gewichen. „Ich warte jetzt erst mal 14 Tage ab, was es dann Neues gibt.“

Die Unsicherheit vor dem zweiten Termin

Sabine Fuckner ist Erzieherin in Waldkraiburg. Vier Wochen nach der Impfung mit Astra Zeneca ist sie hin- und hergerissen. „Ich hab mir damals gar keine Gedanken gemacht“, sagt sie.

Jetzt heißt es Warten auf die zweite Impfung. „Es ist noch nicht klar, womit dann geimpft wird, angeblich mit einem anderen Stoff.“ Ihr Termin ist erst am 31. Mai. Auch mit Astra Zeneca? „Wäre ich jünger, würde ich es nicht machen.“

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Die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen sei doch sehr gering, findet sie. Sie habe keine einschlägige Vorerkrankung, rechnet mit 56 mit einem geringen Risiko. Und schließlich wisse man ja auch nicht, wie sich der Wechsel des Impfstoffs auswirkt.

„Das ist eine schwierige Abwägungssache“, die sich noch mit ihrer Hausärztin beraten will. Stefan Feige ist Hausarzt in Ampfing, vom Landkreis bestellter Pandemiearzt und Impffachmann. Er war im Probelauf dabei, ist mit Astra Zeneca geimpft und impft auch jetzt weiter. Und er hat eine ganz klare Empfehlung für Frauen unter 60 Jahren: Hände weg von Astra Zeneca.

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Er formuliert das natürlich seriöser: „Der Rahmen ist von der Impfkommission vorgegeben, alle unter 60 Jahren sollen sich nicht mit Astra Zeneca impfen lassen.“ Feige ist sicher, dass das auch seine Kollegen so sehen: „Kein Arzt geht das Risiko ein, eine Impfung jetzt zu empfehlen.“

Am Dienstag gibt es wieder neue Infos

Das gilt auch für die Zweitimpfung, selbst wenn die Erstimpfung gut vertragen wurde. „Junge Frauen unter 55 sollten sich zeitnah um eine zweite Impfung mit einem anderen Impfstoff bemühen.“ Über 60 Jahren, auch das betont Feige, sei Astra Zeneca so sicher wie andere Impfstoffe.

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Diese Empfehlung hat – wie derzeit alles rund um Astra Zeneca - eine sehr kurze Haltbarkeitsdauer. Denn schon am Dienstag will sich die Impfkommission mit der Empfehlung der Europäischen Gesundheitsbehörde EMA befassen. Die hat gesagt: Weiter impfen, auch jüngere. Die Unsicherheit, die Stephanie Nömeier beklagt, bleibt also.

Das sind die medizinischern Hintergründe und Heilmöglichkeiten

Vor allem jüngere Frauen sind offensichtlich anfälliger für eine „überschießende Reaktion auf den Impfstoff, die zur Gerinnungsstörung führt“, erklärt Hausarzt Stefan Feige die medizinischen Hintergründe. Das gelte vor allem, wenn sie die Pille nähmen oder niedrigere Thrombozytenwerte, hätten.

Die Blutplättchen sorgen dafür, das Blutungen zum Stillstand kommen. Bei einigen Geimpften haben sich durch Astra Zeneca Abwehrstoffe gebildet, die die Blutplättchen aktiviert und so ein Blutgerinnsel verursacht hätten.

Uni Greifswald entdeckt Therapiemöglichkeit

Nach Angaben der Uni Greifswald, die auf diesem Gebiet forscht, kann dieser Mangel nicht im Vorfeld getestet werden.

Allerdings verkünden die Forscher auf ihrer Internetseite auch: „Professor Andreas Greinacher hat Blutproben von Betroffenen untersucht und gemeinsam mit europäischen Wissenschaftlern und dem Paul-Ehrlich-Institut eine Therapie entwickelt. Da diese Ergebnisse bereits, breit gestreut, an Kliniken übermittelt wurden, kann weiter mit Astra Zeneca geimpft werden. Betroffene Menschen können direkt therapiert werden.“

Hausärzte haben Schwarzen Peter

Hart geht Pandemiearzt Feige mit der Entscheidung ins Gericht, dass Astra Zeneca nicht länger in den Impfzentren verwendet werden soll, sondern ausschließlich in Arztpraxen. „Wir Hausärzte sollen das ausbaden.“

Denn mit der Übergabe von Astra Zeneca an die Praxen sei dort auch der schwarze Peter gelandet, während sich Impfzentren mit Mitteln von Biontech, Moderna und Johnson und Johnson leichter täten. Feige spricht von einem Dutzend Anrufen von besorgten Patienten täglich. „Das ist unfair und bringt uns in eine vertrackte Situation“ mit steigendem Beratungsbedarf.

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