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Streit ums Trinkwasser

Grüne sehen Wasserversorgung bedroht: Protest gegen Abfüllung des Pollinger Wassers

Das Werk in Weiding ist in den Fokus der Landkreis-Grünen gerückt. Die Partei befürchtet eine Ausbeutung des Trinkwassers durch das Unternehmen Innfood.
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Das Werk in Weiding ist in den Fokus der Landkreis-Grünen gerückt. Die Partei befürchtet eine Ausbeutung des Trinkwassers durch das Unternehmen Innfood.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Eine geplante Trinkwasser-Abfüllungsanlage lässt derzeit die Wogen in Polling hochgehen. Während Befürworter des Projekts angesichts der Heftigkeit der Debatte von „Stimmungsmache“ sprechen, sehen die Grünen die Wasserversorgung bedroht: Sie befürchten eine regelrechte „Ausbeutung“.

Polling – Die Grünen sehen die Wasserversorgung bedroht, wie sie im Vorfeld der Gemeinderatssitzung am kommenden Donnerstag in Polling erklären.

Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger (UWG) reagiert verwundert. Und die Firma „Innfood“ argumentiert mit Nachhaltigkeit.

Kritik an zusätzlicher Flächenversiegelung

Gerade in Zeiten, in denen Trockenheit zunehmend die Wasserversorgung bedrohe, stelle das Tiefenwasser in Weiding eine „eiserne Reserve für die lokale Bevölkerung in besonderen Not- und Krisenfällen“ dar, wie die Grünen in ihrer Pressemitteilung schreiben. Schon heute hätten Polling und andere Gemeinden im Landkreis Mühldorf mit Knappheit und Qualität des oberflächennahen Grundwassers zu kämpfen. Nun plane die Firma Innfood, aus dem Tiefenbrunnen in Weiding aus einer Tiefe von 175 Metern Trinkwasser in PET-Flaschen abzufüllen und es in überregionalen Strukturen zu vermarkten.

Verweis auf Rückgang der Niederschläge

„Eine neue Abfüllungsanlage hieße wieder Flächenversiegelung von vielen tausend Quadratmetern und eine enorme Menge Lastwägen pro Tag für den Abtransport des Weidinger Tiefenwassers. Das entspricht dem Wasserverbrauch einer Kleinstadt mit mehr als 10.000 Einwohner“, bemühen sich die Grünen um Vergleiche. „Wir lehnen eine solche kommerzielle Ausbeutung unserer eisernen Reserve kategorisch ab. Deshalb treten wir auch dafür ein, die Rechte am Tiefenwasser in Weiding zu rekommunalisieren.“

Die Grünen finden, es sei naiv und riskant zu glauben, dass immer genügend Wasser in ausreichender Qualität da sei. Die Niederschlagsmenge in Bayern nimmt Jahr für Jahr ab, beruft sich die Partei auf Erhebungen, wonach es gegenüber dem dreißigjährigen Mittel im Jahr 2020 um neun Prozentweniger geregnet hätte.

Grüne kritisieren Rhetorik des Unternehmens

Auch ein überregionales Messsystem, eine prognostizierte Neubildungsrat sowie Schlagwörter wie „regional“, „nachhaltig“ und „Verantwortungsbewusstsein“ (siehe Kasten) können nach Ansicht der Grünen nicht darüber hinwegtäuschen, „dass unsere Wasserversorgung aus Oberflächen- Grundwasser durch Verunreinigungen, Trockenheit und steigende Temperaturen bedroht ist“. Tiefenwasser müsse für künftige Generationen reserviert bleiben, „wie bereits 1994 vom Bayerischen Landtag beschlossen“.

Bürgermeister vertraut auf die Behörden

Dass das Tiefenwasser gefährdet sein könnte, diese Sorge teilt Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger nicht. Er verlässt sich auf die Beurteilung des Landratsamtes Mühldorf als Genehmigungsbehörde und auf die Fachbehörde, das Wasserwirtschaftsamt in Rosenheim. „Ich gehe davon aus, dass diese Behörden dafür sorgen werden, dass die Versorgung nachhaltig sichergestellt ist.“

Nur zentimeterweise Schwankungen bei den Wasserständen

Kronberger verweist auf die jahrzehntelange Erfahrung mit den bestehenden Brunnen. Die gemeindlichen Trinkwasserbrunnen hätten in den vergangenen Jahrzehnten, in denen in Weiding bereits große Mengen Wasser entnommen worden seien, nur zentimeterweise Schwankungen bei den Wasserständen.

Bürgermeister steht hinter dem Projekt

Kronberger betont: Die Gemeinde sei nur dahingehend involviert, „weil wir den Flächennutzungsplan und den Bebauungsplan ändern müssen.“ Ein gängiges Prozedere, das in diesem Fall sogar Arbeitsplätze schaffe. „Ob Gewächshaus oder Trinkwasserabfüllung. Ich kann nichts Schlechtes daran finden, Lebensmittel zu produzieren.“

Kronberger verwundert über Stimmungsmache der Grünen

Verwundert zeigt sich Kronberger über die „Stimmungsmache der Grünen“, weil die Grünen-Gemeinderätin Lena Koch, wie alle anderen Pollinger Gemeinderäte auch, bei einem Ortstermin umfassend über die Pläne informiert worden sei. Sorgen bezüglich des Pollinger Trinkwassers seien dabei ausgeräumt worden.

Hintergrund: Innfood plant Investitionen von bis zu 45 Millionen Euro in Weidinger Standort

„Die Abfüllung ergänzt die Lebensmittelproduktion und nutzt die vorhandenen Brunnen und Fördermengen“, teilt das Unternehmen Innfood zur Abfüllung mit, die 2024 starten soll. „Als in Polling verwurzeltes Unternehmen sehen wir es als unsere Aufgabe, den Standort wirtschaftlich zu entwickeln“, sagt Gesellschafterin Anna Katharina Jostock in einer Pressemitteilung. Geplant ist ab 2024 eine teilweise Umnutzung des Wassers aus den schon vorhandenen Tiefbrunnen. Das Wasser soll, wie bereits in der Vergangenheit, im Rahmen bestehender Brunnen regenerationssicher gefördert werden.

Es handelt sich um artesische Quellen

Bei den Quellen handelt es sich um artesische Quellen, das Wasser gelangt also von Natur aus an die Oberfläche. Das Unternehmen betont: Die Nutzung dieses Wasser bedeutet nicht, dass künftig weniger Wasser verfügbar sein könnte.

Das Tiefengrundwasser genießt einen besonderen Schutz und soll solchen Zwecken vorbehalten bleiben, für die Wasser von besonderer Reinheit erforderlich ist, wie Mineralwasser oder für die Herstellung von sensibler Babynahrung . Die behördlichen Vorgaben würden dabei strikt eingehalten, verspricht Innfood.

Innfood spricht von „exzellenter Infrastruktur“

Durch die „exzellent ausgebaute Infrastruktur“ seien nur wenige zusätzliche Flächen für Einfahrt und Parkmöglichkeiten nötig. Im laufenden Betrieb wird mit acht Lastwagen pro Stunde tagsüber gerechnet. Ein Gebäude zur Förderung und Abfüllung des Wassers soll errichtet, der Flächenverbrauch jedoch auf ein Minimum beschränkt werden. Etwa 50 neue Arbeitsplätze kündigt Innfood an. Außerdem würden die Investitionen eine Höhe von 40 bis 45 Mio Euro für die nachhaltige Entwicklung des Standorts umfassen. So ist geplant, nur zwei Jahre nach Start der Abfüllung (2026) Wasserflaschen zu nutzen, die zu 100 Prozent aus recycelten Materialien bestehen.

Ab 2026 zu 100 Prozent recyceltes Material bei den Flaschen

Die Produktionsstätte soll zu 80 Prozent energieautark starten und bis 2030 die komplette Produktion energietechnisch eigenständig sein. Planung und Umsetzung erfolgen in enger Abstimmung mit Behörden und Kommunen. Innfood verspricht Transparenz, will ein neues, digitales Monitoringsystem einrichten. „Damit können die zuständigen Behörden den Pegelstand des Tiefenwassers permanent überprüfen.“ Die Öffentlichkeit werde kontinuierlich über alle Projektschritte informiert.

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