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Vor Gericht

Großer Schaden in Mühldorfer Doppelhaus: Heilpraktikerin fällt auf Mietnomaden herein

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  • Hans Rath
    vonHans Rath
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Keine Kaution, keine Miete: Eine Vermieterin bleibt erst einmal auf 170.00 Euro sitzen. Ein Ehepaar muss sich vor dem Mühldorfer Amtsgericht verantworten.

Mühldorf/Waldkraiburg – Ein Ehepaar aus dem Landkreis Altötting musste sich vor Amtsrichter Florian Greifenstein in Mühldorf verantworten. Die beiden Hartz-IV-Empfänger, er 54 und sie 49 Jahre alt, waren aus ihrer Waldkraiburger Wohnung geflogen, weil sie länger die Miete nicht bezahlt hatten. Ein neues Domizil fanden sie im Dezember 2018 in Mühldorf, eine Doppelhaushälfte.

Mit dreisten Lügen zum Mietvertrag

Allerdings: Die Miete mit Nebenkosten betrug über 1500 Euro im Monat. Ein hoher Betrag, zumal die beiden als Kurierfahrer weniger Einnahmen verzeichneten, weil ihre Lieferroute verkleinert worden war. Der Vermieterin der Doppelhaushälfte, einer 37-jährigen Heilpraktikerin, tischten sie aber eine dreiste Lüge auf: Wegen Eigenbedarfs sei ihnen die Wohnung in Waldkraiburg gekündigt worden. Staatsanwalt Nils Wewer klagte das Pärchen jetzt wegen Betrugs an.

Einkommen von 3000 Euro war gelogen

Die 37-jährige Heilpraktikerin erzählte im Zeugenstand, dass ihr das Ehepaar in einer Selbstauskunft über die finanziellen Verhältnisse schriftlich versichert hätten, über ein Monatseinkommen von über 3000 Euro zu verfügen. Miete und Kaution seien problemlos zu bezahlen gewesen. Mit weiteren Lügen umschifften sie die Klippe einer Schufa-Auskunft: Sie seien beide im Krankenhaus, beim nächsten Mal waren sie im Urlaub. „Wenn wir auf die Unterlagen bestanden hätten, wäre es nicht so weit gekommen“, so die betrogene Hausbesitzerin.

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Von Januar bis Juni 2019 floss kein Cent –weder die restliche Kaution noch die Miete

Das nächste Problem: Die beiden Mieter, mit Tochter und Enkeltochter in die Doppelhaushälfte eingezogen, zahlten nur ein Drittel der Kaution, danach flossen von Januar bis Juni 2019 weder die restliche Kaution noch die jeweiligen Monatsmieten auf das Konto der Hausbesitzerin. Wieder wurden Ausreden genutzt: Man habe den Mietvertrag verlegt, die Bankverbindung nicht gefunden, das Geld sei unterwegs.

Angeblich wegen Corona ohne Anstellung

Die beiden Beschuldigten, die keinen Rechtsanwalt hatten, beteuerten, sie hätten die Kaution und die Miete bezahlen können, sie seien auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle, weil sie beim Kurierdienst – angeblich wegen Corona – ausgestellt worden seien. Schließlich ging die Vermieterin zum Rechtsanwalt. Der Fall kam ins Rollen.

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17 000 Euro Schaden für die Vermieterin

Wie die Zeugin weiter aussagte, habe das Haus in den ersten Monaten einen ordentlichen Eindruck gemacht. Nach der Kündigung sah dies anders aus: Ein Spiegel war zerdeppert worden, man fand verschimmeltes Brot, im Keller lag Wäsche herum. Auf die Frage von Richter Florian Greifenstein nach dem entstandenen Gesamtschaden nannte die Frau die Summe von 17 000 Euro: Neben entgangener Kaution und Monatsmiete kämen Renovierungs- und Anwaltskosten hinzu.

Kaputter Spiegel und schimmeliges Brot

Ein Blick ins Bundeszentralregister ergab bei dem Mann neun Einträge wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis; bei der 49-jährigen Frau waren 2 ältere Einträge nach zehn Jahren getilgt worden.

Staatsanwalt Nils Wewer sah den Tatvorwurf des Betrugs voll bestätigt, Positives fand er bei den Beschuldigten nicht. Er wertete die mangelnde Einsicht und die Lügen als negativ, ebenso wie die arglistige Täuschung der gutgläubigen Vermieterin. Wewer forderte für den Ehemann sieben bis acht Monate, für die Ehefrau sechs Monate, beide Strafen mit Bewährung. Dazu muss das Pärchen den angerichteten Schaden und die entgangenen Mieten zurückzahlen – wann auch immer.

Sieben Monate und das drei Jahre zu Bewährung

Richter Florian Greifenstein verdonnerte beide Betrüger zu sieben Monaten, ausgesetzt auf eine dreijährige Bewährung. Er sprach von einer langen Entwicklung mit Rückschlägen, aber auch von Pech. „Es kam, wie es kommen musste. Warum musste es ein Haus mit sechs Zimmern und über 1500 Euro Miete sein? Das war nicht zu stemmen“, so der Amtsrichter.

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