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Große Party bei Mühldorfer AfD-Bezirksrat? Polizei ermittelt nach Facebook-Chat

AfD-Bezirksrat Martin Wieser sorgt wieder für Schlagzeilen. Mit bizarren Facebook-Posts über eine vermeintliche Party. Mühldorfs ehemaliger Bürgermeister und Kreisrat Günther Knoblauch nannte das in Pandemie-Zeiten unerträglich. „Wieser beschädigt mit seinem Verhalten in der Öffentlichkeit das Ansehen aller politischen Mandatsträger!“
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AfD-Bezirksrat Martin Wieser sorgt wieder für Schlagzeilen. Mit bizarren Facebook-Posts über eine vermeintliche Party. Mühldorfs ehemaliger Bürgermeister und Kreisrat Günther Knoblauch nannte das in Pandemie-Zeiten unerträglich. „Wieser beschädigt mit seinem Verhalten in der Öffentlichkeit das Ansehen aller politischen Mandatsträger!“
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Ein AfD-Bezirksrat in Feierlaune, der nicht viel vom Corona-Infektionsschutzgesetz hält: Diesen Eindruck vermitteln Nachrichten und Gesprächsverläufe von Martin Wieser auf Facebook und in Internetnachrichtendiensten. Veröffentlicht hat sie eine Facebook-Gruppe, die sich „Bazis gegen Nazis“ nennt.

Mühldorf – „Wir feiern heute bis zum Umfallen“ heißt es in einem der Internet-Gespräche. Sie stammen von einem Facebook-Profil unter dem Namen „Bezirksrat Martin Wieser“. Dort steht, dass es sich um einen Geburtstag handelte, dazu ein Bild mit zwei Männern, die Daumen erhoben.

Wieser droht mit rechtlichen Schritten

Brisanter ist aber ein weiterer Post, der einen Gesprächsverlauf aus dem Internetnachrichtenkanal „Messenger“ wiedergibt. Dort schreibt „Bezirksrat Martin Wieser“, dass eine „Petra“ Geburtstag feiere. Dazu merkt er an: „Wir scheißen auf das Infektionsschutzgesetz.“

Mit den Vorwürfen konfrontiert, kündigt Wieser auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen rechtliche Schritte gegen diejenigen an, die die Posts verbreitet haben.

Als Antwort auf die Frage, wer feiert, postet Martin Wieser ein Bild, auf dem der AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Kellermann aus Erding (rechts) zu sehen ist.

Wieser überrascht von Veröffentlichung eines privaten Chats

Er leugnet indes nicht, dass er die Kommentare geschrieben hat. Überrascht zeigt er sich jedoch darüber, dass ein privater Chat öffentlich gemacht wurde, „der aus dem kompletten Kontext gerissen wurde“. Die respektlose Äußerung zum Infektionsschutzgesetz begründet er mit einem Rechtschreibfehler. „Ich schließe auf das Infektionsschutzgesetz“, habe er schreiben wollen, im Nachrichtendienst sei daraus „Ich scheiße“ geworden.

„Scheißen auf das Infektionsschutzgesetz“: Martin Wieser bestreitet nicht, dass er diese Unterhaltung auf Facebook geführt hat. Die Äußerung über das Infektionsschutzgesetz sei ein Schreibfehler, der Rest Provokation.

Bezirksrat spricht von „unverschämtem Nutzer“

Wieser behauptet, dass ihn ein „unverschämter Nutzer provozieren wollte. Ich wurde genötigt. Da reißt einem irgendwann die Hutschnur.“ Vor allem wehrt sich Wieser gegen den Vorwurf, dass er eine „Party mit 30 Personen“ gefeiert habe. Genau das nämlich werfen die „Bazis gegen Nazis“ dem AfD-Bezirksrat vor. „Das ist gelogen, eine massive Unterstellung!“ Er habe seinen Anwalt eingeschaltet, um eine Unterlassung dieser Behauptung zu erreichen. Gleichzeitig habe er die Urheber wegen übler Nachrede angezeigt.

Stammtischtreffen über Zoom

„Es war eine Zoom-Feier mit dem Stammtisch“, also per Computer über das Internet, sagt Wieser. „Zwei vor einem Bildschirm, da greift noch kein Infektionsschutzgesetz.“ Der AfD-Bezirksrat verteidigt auch die Äußerung, dass er bis zum Umfallen feiern wollte. „Das kann man auch, wenn man über Zoom verbunden ist.“

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Kreisrat Günther Knoblauch fordert Überprüfung

Wiesers Äußerungen sorgen auch außerhalb des Internets für Unmut. Günther Knoblauch (SPD) nannte die Äußerungen unerträglich und bat während der Kreistagssitzung am Freitag um Überprüfung, inwieweit Wiesers Äußerungen Folgen haben könnte.

AfD-Fraktionsvorsitzender Oliver Multusch verteidigte seinen Parteifreund Wieser und sagte, dass die Vorwürfe sämtlicher Grundlagen entbehrten. Solange es ein schwebendes Verfahren sei, werde man sich nicht weiter dazu äußern.

Landrat Max Heimerl will erst alle Fakten auf dem Tisch haben

Knoblauch warf er vor, dass sich die SPD vor den Karren der „Bazis“ spannen lasse. Für Landrat Max Heimerl (CSU) war damit die Diskussion beendet. „Erst wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, wird man über mögliche Konsequenzen reden.“

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Kreisrat Dennis Uzon fordert Wieser zum Rücktritt auf

Linken-Kreisrat Dennis Uzon ließ seinem Unmut in den sozialen Netzwerken freien Lauf: „Gleichzeitig kämpfen Menschen in den Intensivstationen aufgrund einer Corona-Infektion um ihr Leben.“ Er forderte den Kreis- und Bezirksrat, der auch stellvertretender Kreisvorsitzender des BLSV ist, zum Rücktritt auf.

Wieser im Landratsamt für Öffentliche Sicherheit zuständig

Uzon verurteilt Wiesers Kommentare umso mehr, als der Oberneukirchener im Mühldorfer Landratsamt auch noch für öffentliche Ordnung zuständig sei. „Welches Signal sendet er damit aus?“ Wieser habe unverantwortlich gehandelt, sei ein Gesundheitsgefährder, wenn er tatsächlich so gefeiert habe.

Polizei ermittelt

Der Polizei ist die Feier nicht bekannt. Ein Sprecher erklärte auf Anfrage, dass es keine Hinweise gegeben habe. „Dementsprechend gab es auch keinen Polizeieinsatz“, teilt Stefan Sonntag mit, ohne Namen zu nennen oder zu bestätigen. Aufgrund der jetzt bekannt gewordenen Verdachtsmomente sei die Polizei Mühldorf beauftragt worden, Ermittlungen aufzunehmen.

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