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Wie es Hochzeitspaaren aus dem Kreis Mühldorf geht

Große Liebe in der Corona-Warteschleife: Nach dem Ja-Wort mit Pizza auf der Couch

Am 6. Juni 2020 ist ihre Hochzeitsfeier mit 250 Gästen zum ersten Mal geplatzt, am 24. Oktober 2020 noch mal. Jetzt setzen Regina und Stefan Wastlhuber auf den 6. Mai 2022.
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Am 6. Juni 2020 ist ihre Hochzeitsfeier mit 250 Gästen zum ersten Mal geplatzt, am 24. Oktober 2020 noch mal. Jetzt setzen Regina und Stefan Wastlhuber auf den 6. Mai 2022.
  • vonUrsula Huckemeyer
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Wenn das nicht der Traum aller Brautpaare ist: Am Hochzeitstag im Jogginganzug daheim auf der Couch sitzen und Pizza essen. Genauso spielte sich bei Nathalie Kiermeier-Linke und ihrem Mann Robert der Tag ab, an dem sie offiziell Ja zueinander sagten.

Landkreis Mühldorf – Das Ehepaar aus Ampfing erzählt mit einem lachenden und einem weinenden Auge von ihrem Hochzeitstag: „Wir haben am 4. April 2020 in Neumarkt standesamtlich geheiratet. Schließlich waren unsere Ringe schon auf dieses Datum graviert, da wäre eine Verschiebung ungünstig gewesen.“ Die Bürokauffrau und der Serviceberater wollten nach dem Standesamt eine zünftige Hochzeitsfeier mit 120 Leuten veranstalten.

Die Vorfreude auf das erste Kind entschädigt für das ganze Planungschaos

Das Wirtshaus in Pleiskirchen, die Musik, der Fotograf, der Blumenschmuck und eine Fotobox wären für einen unvergesslichen Tag bereit gestanden. Hochzeitspläne aber vorerst ade. „Tja“, so Nathalie Kiermeier-Linke, „wir mussten alles absagen, obwohl der Wirt ein super Hygienekonzept ausgearbeitet hätte. Corona ließ eine Hochzeitsfeier einfach nicht mehr zu“.

Im September kommt das erste Kind – die Vorfreude entschädigt Nathalie Kiermeier-LInke und ihren Mann Robert dafür, dass es bis heute nichts aus der geplanten Hochzeitsfeier wurde.

Das Ehepaar hoffte letztes Jahr noch, die Pandemie könnte in den nächsten Monaten verschwinden. „Wir entschieden uns daher, die Feier am 14. November 2020 nachzuholen, was aber wiederum ins Wasser fiel.“ Obwohl das Paar zweimal die geplante Feier zu den Akten legen musste, sind sie nach wie vor voller Vorfreude. Im September erwartet Nathalie ihr erstes Kind. Und diese Tatsache entschädigt für so gut wie alles.

Vorbereitungen verliefen perfekt

Das Kleid von Sibylle Flori ist gekauft und der Anzug ihres Mannes Florian geändert. Die Schwindegger standen in den Startlöchern für ihre kirchliche Hochzeit in Stefanskirchen mit anschließender Feier in Sterneck. Standesamtlich sind die 30-Jährige und der 37-Jährige bereits seit 2017 verheiratet. Das Glück machen die zwei Buben Johannes (4) und Valentin (2) perfekt. Perfekt verliefen auch die Hochzeitsvorbereitungen.

Nach zwei gescheiterten Versuchen lassen sich Sibylle Flori und ihr Mann Florian Zeit. Ihr nächster Hochzeitstermin ist am 1. Juli 2023.

Schließlich sollte am 20. Juni 2020 nach der kirchlichen Trauung eine unvergessliche Feier steigen. „Wir haben uns ziemlich reingehängt, alles bis ins Detail organisiert und sogar einen Tanzkurs besucht“, erzählt Sibylle Flori. Die Rechtsanwaltsfachangestellte und der Heizungsbauer verschickten 140 Einladungen an Familie, Freunde und Bekannte.

Neuer Termin: 1. Juli 2023

Im April 2020 dann der unwiderrufliche Paukenschlag dank Pandemie: Den Dienstleistern und Partygästen mussten sie schweren Herzens absagen. Mit dem 10. Juli 2021 stand jedoch ein neues Datum am Hochzeitshimmel. Corona funkt auch hier gemein dazwischen.

Lesen Sie auch : Corona killt das Ja-Wort: Für Schönberger Paar fällt der schönste Tag im Leben ins Wasser (Plus-Artikel ovb-online.de)

Die Floris nehmen es sportlich: „Hochzeiten kann man verschieben, was bei anderen Ereignissen, wie etwa schulische Abschlussfeiern nicht möglich ist. Das wiegt in unseren Augen schwerer.“ Das Ehepaar lässt sich mit ihrem Hochzeits-Vorhaben nun bis zum 1. Juli 2023 Zeit. „Bis dahin sind unsere Buben schon größer, was auch kein Nachteil ist.“

Regina und Stefan Wastlhuber: „Wir heiraten nur einmal, dafür aber gscheit“

Gut, dass es Baby Sebastian gibt. Er tröstet seine Eltern galant über ihre geplatzten Hochzeitsträume hinweg. Regina und Stefan Wastlhuber aus Taufkirchen sind zwar schon per Gesetz ein Ehepaar, doch fehlen die kirchliche Zeremonie sowie eine rauschende Hochzeitsfeier. Am 6. Juni 2020 wollten die frisch gebackenen Eltern vor den Traualtar treten.

„Das Datum hat uns gut gefallen“, sagt Stefan Wastl-huber, der mit seiner Regina eine ganz spezielle Location für die Party auswählte. Der Heuboden im Gasthaus Pallauf in Arbing sollte es sein. Schließlich lernte sich das Paar dort kennen. Rund 250 Gäste wollten die Wastlhubers bei ihrer Hochzeit dabei haben. Ihr Tenor: „Wir heiraten nur einmal, dafür aber gscheit.“ Weil Arbing von Taufkirchen etwa 35 Kilometer entfernt liegt, organisierte das Brautpaar für seine Gäste sogar einen Shuttle Transfer. Sämtliche Vorbereitungen für den schönsten Tag ihres Lebens waren aber erstmal für die Katz.

Ausweichtermin im Jahr 2022

Ein Ausweichtermin wurde ins Auge gefasst. Jetzt sollten am 24. Oktober 2020 die Hochzeitsglocken läuten. Wieder eine Enttäuschung und wieder eine Absage und alles wieder wegen Corona. Weil aber alle guten Dinge drei sind, setzt das Ehepaar jetzt seine Hoffnungen auf den 7. Mai 2022.

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„An unserem eigentlichen Datum, also am 6. Mai 2020, haben mein Mann und ich gedanklich den kompletten Tagesablauf durchexerziert. Quasi als kleines Trostpflaster“, verrät Regina Wastlhuber.

Und wie geht es den drei Brautpaaren mittlerweile nach dem ganzen Planungs-Wirrwarr in den letzten Monaten? Nun, sie warten geduldig auf grünes Licht und ihr gemeinsamer Fotograf Josef Sahlstorfer aus Waldkraiburg darauf, endlich auf den Auslöser drücken zu dürfen.

Mit den Brautpaaren zittern Fotografen, Wirte, Hochzeitslader

Das Hochzeitschaos durch Corona – Josef Sahlstorfer gehört selbst zu den Leidtragenden. Doch dem Waldkraiburger Fotografen tun auch seine Brautpaare leid, die sich so auf diesen Tag gefreut und so viele Vorbereitungen getroffen hatten, mit Caterern, Kirchen, Hochzeitsladern und Fotografen. Um dann den Termin immer wieder verschieben zu müssen – manche schon das dritte Mal. In vielen Fällensprechen die Paare noch das Ja-Wort vor den Standesbeamten.Dabei blieb es dann aber auch für die meisten. Auf die große Feier warten sie noch immer.

„Wir arbeiten mit Anzahlungen, aber in diesem Fall sind wir sehr kulant“, sagt der Waldkraiburger Fotograf. „Die Brautpaare können ja nichts dafür.“

Drei statt 45 Hochzeiten im Jahr 2020

35 bis 45 Hochzeiten im Jahr setzt er mit seinen Mitarbeiterinnen ins rechte Bild. „2020 waren es drei.“ Und heuer geht wieder nichts im Hochzeitsmonat Mai. Und längst seien auch die ersten Absagen für August und September eingetrudelt. „Es zeichnet sich ab, dass wieder nichts geht mit Feiern im Saal mit 150 bis 200 Leuten.“

Und bei den kirchlichen Feiern wie Erstkommunion, bei Geburtstagen und anderen privaten Jubiläen schaut es nicht besser aus. Etwa 20 bis 25 Kitas und Schulen buchen den Fotografen pro Jahr. In Corona- und Homeschooling-Zeiten ist auch dieser Geschäftsbereich fast weggebrochen.hg

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