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Angst um Weidetiere

Große Angst vorm „bösen“ Wolf – Schäfer wollen Raubtier im Landkreis Mühldorf gesehen haben

Für Jäger sind streunende Hunde, wie hier im Steinbachtal, ein drängenderes Problem als ein Wolf. Laut Jagdverband Mühldorf wurde im Landkreis Mühldorf seit Jahren gar kein Wolf gesichtet, das sehen Schäfer ganz anders.
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Für Jäger sind streunende Hunde, wie hier im Steinbachtal, ein drängenderes Problem als ein Wolf. Laut Jagdverband Mühldorf wurde im Landkreis Mühldorf seit Jahren gar kein Wolf gesichtet, das sehen Schäfer ganz anders.

Beim Jagdverband Mühldorf stehen die Telefone nicht mehr still – Weidetierhalter wünschen sich offene Aussprache mit Jägern.

Mühldorf – „Seit Tagen steht bei mir das Telefon nicht mehr still“, sagt der Kreisvorsitzende des Bayerischen Jagdverbandes im Landkreis, Sascha Schnürer.

„Die Aussagen des Schäfers aus Gars zum Thema Wolf haben anscheinend für manche den Eindruck erweckt, dass der Wolf nach 275 Jahren nun auch wieder im Landkreis Mühldorf angekommen ist.“ Dem widerspricht der Jäger aber vehement.

Der Schäfer aus Gars, das ist Bonaventura Lohner. Mehrere seiner Berufskollegen und Weidetierhalter hätten im Landkreis einen Wolf gesehen, hat er der Heimatzeitung berichtet. Lohner, der 150 Schafe hat und Hunde zum Schutz seiner Herde einsetzt, ist sich sicher: „Leider ist uns der Wolf näher, als uns lieb ist.“

2021 habe es vom Landesamt eine Aufforderung an die Weidetierhalter gegeben, ihre Tiere vor dem Wolf zu schützen. „Es macht uns aber das Leben schwer, dass die Behörden keine Daten darüber offenlegen, ob und wo ein Wolf gesichtet wurde.“ Findet er ein gerissenes Tier, schickt er immer eine Referenzprobe an ein zweites Labor: „Weil ich den Ergebnissen des Landesamts nicht mehr traue.“

Als vor sechs Jahren einige seiner Schafe gerissen wurden, sei in der Nähe zwei Wochen vorher ein Wolf von der Wildkamera eines Jägers aufgenommen worden. Lohner habe davon aber nichts erfahren: „Hätte ich davon gewusst, hätte ich meine Tiere besser schützen können.“

„Ich verwehre mich nicht einer Co-Existenz von Beutejägern und Nutztieren, aber Wolfsvorkommen nur verschweigen und verdrängen löst das Problem nicht“, so Lohner. „Es ist ein ganz heißes Eisen.“ Wenn es zu Vorfällen wie kürzlich mit dem Wolf im Chiemgau komme, sollte auch die Politik die Karten auf den Tisch legen.

Jäger Sascha Schnürer gibt dagegen Entwarnung: „Nach meinem Wissensstand gibt es bis auf zwei Sichtungen an der westlichen Landkreisgrenze vor vielen Jahren keine bestätigten Aufnahmen oder gar Risse, die die Existenz von Wölfen in unserem Landkreis belegen.“

Verletztes Reh, Spuren deuten auf Hunde

Schnürer hat selbst in seiner Jagd in Kirchdorf in den letzten Jahren immer wieder verendete Rehe gefunden, konnte aber keine typischen Erkennungsmerkmale des Wolfs feststellen. „Im Januar wurde ich von einer Passantin ganz aufgelöst angerufen“, berichtet er. „Das von ihr entdeckte Reh lebte noch und hatte große Kratz- und Bissspuren an Rücken und Schlegel. Ich konnte es nur noch erlösen.“

Ein grausamer Anblick. Zurückzuführen aber keineswegs auf einen Wolf, weiß der Jäger: „So etwas macht kein Wolf, das ist das Ergebnis, wenn streunende Hunde sich an einem Reh zu schaffen machen. Und das passiert leider öfter.“

„Würden sich Wölfe bei uns aufhalten, wüssten wir das“, betont der Vorsitzende des Jagdverbands.“ 700 Mitglieder hat der Verband nach seinen Angaben, die 110 Jagdreviere verteilen sich auf einer Fläche von 73 000 Hektar und seien in neun Hegegemeinschaften organisiert. „Also alles kleinteilig und sehr übersichtlich.“

Verbandsführung, Hegegemeinschaftsleiter und zuständige Behörden stünden in engem Austausch. Zudem seien die Jäger wegen des vermehrten Schwarzwildaufkommens und der Angst vor der Afrikanischen Schweinepest viel öfter auch nachts in den Revieren unterwegs.

Kein Wolf in den Revieren gesichtet

„Große Beutegreifer wie der Wolf können theoretisch mal durchziehen, bleiben bei uns aber auf Dauer nicht unsichtbar“, beruhigt Schnürer. Zumindest nicht für die Wärmebildkameras, Fotofallen und Nachtsichtgeräte in den Revieren. „Eine völlig andere Situation wie südlich der A8 im Chiemgau mit den dort riesigen schwer zugänglichen Rückzugsmöglichkeiten in den alpinen Raum hinein.“

Schnürer hat sich bei Jägern rund um das Steinbachtal, dessen Ausläufer bis Aschau und Reichertsheim reichen, umgehört. „Die Revierpächter vor Ort haben mir versichert, dass auch im Steinbachtal kein Wolf gesichtet wurde“ so seine Erkenntnis. „Die einzigen, die in jüngster Vergangenheit mehrfach gesichtet wurden, sind nach Aussagen der Jäger Hunde, die durch den Wald hetzen und das Wild stören.“

Wunsch nach Erfahrungsaustausch

Schäfer Lohner wünscht sich beim Thema Wolf eine gemeinsame Aktion: „Ich würde mir einen runden Tisch der Weidetierhalter mit dem Jagdverband wünschen“, sagt er. „Einen offenen Austausch über Erkenntnisse und Probleme beider Seiten.“

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