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Tag sechs vor dem Landgericht Traunstein

Mordprozess gegen zwei Tögingerinnen – Was eine Haarprobe des toten Rentners ans Licht bringt

Der Rentner wurde im Töginger Friedhof beerdigt und später wieder aus seinem Grab geholt.
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Der Rentner wurde im Töginger Friedhof beerdigt und später wieder aus seinem Grab geholt.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Der Mann war am 5. August 2021 von den Angeklagten tot auf dem Sofa gefunden worden. Nach der Strafanzeige einer Verwandten bei der Polizei veranlasste die Staatsanwaltschaft, den Toten zu exhumieren.

Töging/Traunstein – Im Prozess gegen eine 55-jährige Frau und ihre 30 Jahre alte Tochter wurden am Montag (7. November) Gutachter gehört.

Die beiden Tögingerinnen sollen für den Gifttod des Vaters (75) beziehungsweise Großvaters verantwortlich sein. Zwei Rechtsmedizinerinnen lieferten dem Gericht Details zu dem tödlichen Medikamentenmix aus drei hochwirksamen Mitteln.

„Saures Lüngerl“ war noch im Magen

Der Mann war am 5. August 2021 von den Angeklagten tot auf dem Sofa gefunden worden. Das erzählten sie dem Hausarzt. Nach Gerüchten in der Familie, der Mann sei vergiftet worden, und Strafanzeige bei der Polizei veranlasste die Staatsanwaltschaft, den Toten zu exhumieren.

Anfang Oktober 2021 kam der Leichnam des Verstorbenen in das Rechtsmedizinische Institut an der Universität München. Toxikologische Untersuchungen bestätigten eine tödliche Mischintoxikation aus drei Medikamenten – einem starken Beruhigungsmittel und verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln aus dem Betäubungsmittelbereich.

Die rechtsmedizinische Sachverständige Gabriele Roider berichtete über die Schwierigkeiten, genaue Fakten im Fall eines exhumierten Leichnams zu ermitteln. Blut sei nicht mehr vorhanden. Der postmortale Abbau einer Substanz im Körper eines zwei Monate vorher Verstorbenen sei nicht zu beziffern.

Der 75-Jährige sei an die schweren Medikamente, deren Ersteinnahme stufenweise empfohlen werde, nicht gewöhnt gewesen. Festgestellt worden seien erhebliche Mengen an Seroquel, Diamorphin und Diazepam. Gabriele Roider beschrieb die Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe und ihren Geschmack je nach Darreichungsform. Letztlich habe eine Mischvergiftung zum Tod des 75-Jährigen geführt.

Aus einer Haarprobe ergebe sich eine sich steigernde Menge der Stoffe in den jüngsten Abschnitten des Haarwuchses. Die Befunde ließen an eine mehrmalige Aufnahme der Medikamente denken, könnten sie aber nicht ausschließen. Eine einmalige hoch dosierte Aufnahme kurz vor dem Ableben könne die Befunde erklären.

„Das Problem ist, dass wir keine genauen Zeitangaben haben. Wir können die Stadien der Intoxikation nicht festmachen“, fügte Professor Dr. Elisabeth Nützel vom gleichen Institut an. Deshalb sei keine Aussage zum „point of no return“ möglich: „Wir können nicht sagen, wann der 75-Jährige noch hätte gerettet werden können.“ „Saures Lüngerl“ habe sich tatsächlich im Magen des Toten befunden. Das deute auf die Aufnahme am 4. August 2021 hin. Im Magen verbleibe Nahrung nur wenige Stunden.

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Nach Anklage von Staatsanwalt Markus Andrä sollen die Frauen den Plan, den Opa zu töten, gemeinsam geschmiedet haben. Motiv der 55-Jährigen sollen finanzielle Gründe wegen eines Pflichtteilanspruchs an dem Haus des Vaters gewesen sein. Die 30-Jährige, die im Anwesen des 75-Jährigen wohnte, wollte den Großvater angeblich nicht weiter versorgen und pflegen.

Die Mutter soll die Medikamente am Tattag in „saures Lüngerl“, das Lieblingsessen des Rentners, gegeben haben. Die 30-Jährige soll nichts unternommen haben, um den Opa zu retten. Zusätzlich soll ihm die 55-Jährige einen Lappen auf Mund und Nase gedrückt haben.

Verteidiger Dr. Georg Karl aus Regensburg gab namens der 55-Jährigen eine Erklärung ab, die im Widerspruch zu früheren Äußerungen der Frau stand. Seine Mandantin habe dem Vater keine Medikamente zur Verfügung gestellt, damit er sich das Leben nehmen könne. Der 75-Jährige habe keinen Todeswunsch geäußert.

Angeklagte beteuert Unschuld

Die 55-Jährige habe ihm weder Medikamente ins Essen gemischt noch ein Tuch auf das Gesicht gedrückt. Sie habe zudem kein Motiv, hob der Verteidiger heraus.

Dr. Georg Karl verlas elf Beweisanträge, deren Verlesung 45 Minuten dauerte. Unter anderem zielte der Anwalt auf eine mögliche psychische Störung der Tochter ab, die die Mutter im Sinn der Anklage belastet hatte. Die psychiatrische Sachverständige Dr. Susanne Lausch aus Straubing sah keine Anhaltspunkte für eine Beeinträchtigung der Aussagetüchtigkeit der 30-Jährigen.

Die Verhandlung wird am 14., 15., 28. und 29. November, jeweils um 9 Uhr, fortgesetzt.

cl

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