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Mehr Schaden als Beute

iPads im Wald vergraben: Mühldorfer (19) bricht mit Jugendgang in Schulen ein - Das ist seine Strafe

Ein Blick ins verwüstete Lehrerzimmer des BSZ Mühldorf, das mehrere Einbrüche verzeichnen musste.
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Ein Blick ins verwüstete Lehrerzimmer des BSZ Mühldorf, das mehrere Einbrüche verzeichnen musste.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
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Das Amtsgericht Mühldorf verhandelte gegen den jugendliche Einbrecher wegen schweren Bandendiebstahls in den Landkreisen Mühldorf, Altötting und Rosenheim.

Mühldorf – Von Krokodilstränen und Theatralik sprach Dr. Christoph Warga (Richter am Amtsgericht Mühldorf) bei seiner Urteilsverkündung gegen den 19-jährigen Anas B. (Namen geändert). Der junge Mühldorfer wurde zu einer eineinhalbjährigen Bewährungsstrafe nach Jugendstrafgesetz verurteilt – und das bei erwiesenem schweren Bandendiebstahl in fünf Fällen. Allein 20 Minuten dauerte die Verlesung der Anklageschrift, ging es doch um eine ganze Reihe an Schuleinbrüchen in den Landkreisen Mühldorf, Altötting und Rosenheim.

Anas B. schloss sich der Diebesbande aus Jugendlichen und Heranwachsenden an, die von Oktober bis Dezember 2021 in wechselnder Besetzung in Gebäude einbrach, um Geld und Wertgegenstände zu klauen. 28 600 Euro an Diebesgut steht ein fast doppelt so hoher Sachschaden in Höhe von fast 56 000 Euro gegenüber.

Als Mitläufer in Diebesgang gelangt

Dass der Angeklagte ausgerechnet bei dem ersten Beutezug ins BSZ Mühldorf Ende Oktober nicht mit im Boot war, was allerdings mit rund 11 600 Euro Bargeld am einträglichsten war, kam ihm zugute. Hatte er doch von der Beute, die ansonsten nach seiner Aussage vor Gericht „gerecht aufgeteilt“wurde, nichts. Im Vergleich zu anderen habe er also weniger Beute erhalten und sei, so kam Richter Warga zum Schluss, eher als „Mitläufer“ einzuordnen.

Fast schon humoresk muteten einige Details der Einbrüche an, die sich Warga vortragen ließ. Etwa die Tatsache, dass Anas B. die aus der Berufsschule Wasserburg geklauten 15 iPads zunächst irgendwo im Wald vergraben habe. Heute fehlt von den Geräten jede Spur.

15 iPads bleiben verschwunden

Vom Verbleib dieser habe der Angeklagte angeblich nichts mehr gewusst, genauso wie von seiner Beteiligung an einem weiteren Einbruch in die Mittelschule Neumarkt-St. Veit – einem von vielen.

Dass ihm diese mit Funkzellen- und Handyauswertung nachgewiesen werden konnte, mache die Situation nicht besser, betonte der sichtbar genervte Richter.

Vom Handy überführt

Die Ausführungen des zuständigen Beamten der Kripo Rosenheim, wonach der junge Mühldorfer direkt nach dem Einbruch in die Schule gegen halb vier Uhr von einem der einbrechenden Kollegen angerufen wurde, seien „ein hochobjektiver Beweis“.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Mühldorf

Dem Angeklagten kamen die Tränen, worauf Warga trocken vermerkte, dass man „Tatvorwürfe nicht wegheulen“ könne. Jedoch: „Das fällt dann auch nicht mehr groß ins Gewicht.“

Alles in allem eine „Hausnummer“, die sich Anas B. und seine Kumpanen mit roher Gewalt geleistet haben, so Warga in seiner Urteilsbegründung. Dem immensen Sachschaden steht der teils sehr geringe Ertrag der Beutezüge entgegen, der sich in vielen Fällen sich durch Taxifahrten, die sich die Jugendlichen hin zu ihren Einbrüchen geleistet haben, weggeschmolzen war.

Positive Sozialprognose

Warum Warga der Empfehlung der Staatsanwaltschaft mit der zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe mit Auflagen folgte, liegt an der positiven Sozialprognose, die die Jugendgerichtshilfe am Landratsamt Anas B. ausstellte. Die fünf Monate in U-Haft hätten ihn sichtlich beeindruckt, sodass eine Bewährungsstrafe ausreichend erscheine, erläutert Warga. Nach seiner Schule und Ausbildungsabbrüchen sei er in die falsche Gesellschaft abgerutscht, verließ das Elternhaus und kam mit Drogen in Berührung.

Negativ ist allerdings, dass er von 2018 bis 2021 kriminell in Erscheinung getreten ist, von dem Klau einer Tafel Schokolade über Körperverletzung und Drogendelikten war alles dabei. „Schädliche Neigungen sind also deutlich angezeigt“, so Warga.

Die Vorsatzproblematik stelle sich in solchen Fällen immer. Was bleibt, ist das Vertrauen in die weitere Reifung des jugendlichen Täters und in die Stabilität seines Umfelds, besonders seiner Familie, die Ende 2016 aus Syrien über die Türkei nach Deutschland geflohen war.

Zumindest in diesen Schoß ist der reumütige Sohn und älteste Bruder von fünf Kindern nach seinen Eskapaden wieder zurückgekehrt. Zukünftig wolle er seiner Mutter helfen, die einen Gemüseladen in Mühldorf eröffnen werde. Dann strebe er eine kaufmännische Ausbildung an. Gut möglich, dass ihn dann seine Ausbildung an eine der Einrichtungen verschlägt, die er als Teil der Diebesgang heimgeplündert hat.

Lange Liste der betroffenen Einrichtungen

In der Nacht zum 27. Oktober konnten im Beruflichen Schulzentrum Mühldorf an der Innstraße aus einem Tresor rund 11600 Euro geklaut werden; Sachschaden: 10000 Euro.

In die Ferdinand-Porsche-Realschule sowie in das benachbarte Gymnasium in Waldkraiburg stieg die Jugendgang am 12. und am 14. November ein. Während der Tresor der Realschule rund 2900 Euro sowie ein Handy und eine Ledertasche hergaben, war im Gymnasium nichts zu holen; Sachschaden: 4650 Euro.

In der Nacht zum 22. November lockte die Mittelschule Waldkraiburg, wo lediglich ein Handy im Wert von 50 Euro gestohlen werden konnte; Sachschaden: 3000 Euro.

Am 25. November gegen halb vier morgens stieg die Diebesbande in die Mittelschule Neumarkt-St. Veit ein, wo Kiosk, Sekretariat und Schulleiterbüro durchsucht wurde. Wohl aus Frust darüber, dass der Tresor nicht zu knacken war und nur 60 Euro mitgenommen werden konnte, gossen die Einbrecher Sekt über eine Tastatur aus und beschmierten eine Bürotür mit den Worten „fickt Euch“; Sachschaden: 2400 Euro.

Weiter ging es am 27. November in die Berufsschule nach Wasserburg, wo 15 iPads im Gesamtwert von 13000 Euro, ein Ladegerät für 150 Euro sowie Bargeld in Höhe von 150 Euro einkassiert wurden; Sachschaden: 7400 Euro.

Am selben Tag blieb auch die Fachoberschule in Wasserburg nicht verschont, wo 120 Euro gestohlen werden konnte; Sachschaden: 8400 Euro.

Zwischen dem 2. und 3. Dezember war die Comenius Grund- und Mittelschule Töging dran, wo man über die Schulküche nicht hinauskam. Sachschaden: 400 Euro.

Ein paar Stunden später wurden in der Grundschule Mößling insgesamt 205 Euro erbeutet. Sachschaden: 5000 Euro.

Abschließend ging es in der Nacht des 4. Dezember erneut ins BSZ in Mühldorf, wo dieses Mal nur 135 Euro zu holen waren; Sachschaden: 21600 Euro.

Bevor die Diebesbande am 12. Dezember einen weiteren Einbruch begehen konnten, wurde sie gegen Mitternacht einer polizeilichen Kontrolle unterzogen. Die mitgeführten Eisenstange und Geißfuß sorgten für das Einkassieren der Jungs. Sie waren im Bereich des Gymnasiums Mühldorf unterwegs.

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