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Gegen Menschenhandel

Joana Adesuwa Reiterer spricht mutig über den gegen sie ausgesprochenen Bann als angebliche Juju-Hexe. Kretschko

Frauenhandel, Voodoo-Kult, Hexenverfolgung: Über ihre leidvollen Erfahrungen sprach die Autorin Joana Adesuwa Reiterer im Mettenheimer Kulturhof. Die Autorin aus Nigeria warb für ihren Kampf gegen Menschenhandel und Prostitution.

Mettenheim – Die 38-jährige Nigerianerin ist eine unglaublich mutige Frau! Zu dieser Erkenntnis gelangte das Publikum bei der Buchlesung aus „Die Wassergöttin“ im Mettenheimer Kulturhof. Die Wahl-Österreicherin Joana Adesuwa Reiterer war der Einladung des Mühldorfer Landratsamtes, Bayerischen Roten Kreuzes und der Gemeinde Mettenheim gefolgt.

Doch das, was sie in knapp drei Stunden den über 30 Zuhörern bot, war so viel mehr als nur eine Buchvorstellung. Frei, packend und in perfektem Deutsch erzählte sie von ihrem schweren Schicksal, das sie mit Hunderten Frauen aus Afrika, auch Nigeria, teilt. Selbstbewusst, gebildet, unterhaltsam und tiefgründig schilderte sie dem Publikum die modernen Praktiken der Hexenverfolgung, Einzelheiten des Juju-Kults und Frauenhandels, wogegen sie sich seit 2006 im Verein „Exit“ engagiert.

Als angebliche Juju-Hexe wird die Autorin bereits in jungen Jahren von ihrem Vater in Nigeria verstoßen, lebt ganz auf sich gestellt und kämpft ums nackte Überleben. Auch ihr scheinbar weltoffener, früherer Ehemann Tony, dem sie in eine schäbige Wiener Wohnung folgt, hilft ihr nicht heraus aus dem Dilemma. Er besteht laut ihren Schilderungen auf das sieben Tage dauernde magische Voodoo-Ritual als Zeichen der Liebe, was die Braut zwischen Trance und Wirklichkeit bis zum bitteren Ende miterlebt. Schließlich entpuppt er sich als Menschenhändler, so dass Reiterer vor ihm in ein Frauenhaus in Österreich flieht.

In der Folge arbeitet sie ihre Erfahrungen auf, um anderen Frauen im Kampf gegen Menschenhandel und Prostitution beizustehen.

Joana Adesuwa Reiterer weiß um die Bedeutung eines eigenen Einkommens für ein selbstbestimmtes Leben in Afrika und gründete deshalb auch das Modelabel „Joadre“. Darunter vertreibt sie meist in afrikanischen Ein- und Zweimannbetrieben fair produzierte Waren, wovon sie ihrer Zuhörerschaft auch einige „Kostproben“ offerierte.

Die Buchautorin berichtete über einen von ihr initiierten Film für Schüler in Nigeria, in dem über Praktiken des Menschenhandels aufgeklärt wird. Sie äußerte sich auch über die europäische Asylpolitik und sensibilisierte ihre Zuhörer für den Umgang mit Flüchtlingen.

Die starke Frau verkörpert die berechtigte Hoffnung auf ein neues, zukunftsorientiertes Afrika. Kraft ihres Beispiels ermutigt sie andere, den Bann zu brechen, sich von Unwissenheit, falschem Glauben, unguten Traditionen und familiären Zwängen zu befreien.

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