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Bagger waren am Werk

Gasthaus Rampl ist Geschichte - Das letzte Steeger Traditions-Wirtshaus ist verschwunden

So sah das Steeger Wirtshaus von 1908 bis in die 1950er Jahre hinein aus.
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So sah das Steeger Wirtshaus von 1908 bis in die 1950er Jahre hinein aus.
  • VonFranz Rampl
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Mit dem Abriss des Gasthauses Rampl ist auch das letzte Steeger Traditions-Wirtshaus endgültig verschwunden. Hier soll jetzt Wohnbebauung entstehen. Ein Rückblick auf die „gute alte Zeit“.

Steeg/Buchbach – Nach dem Benefitiantenhaus (Bonaventura Weindl, jetzt Vielhuber), dem Bürger-Wirt (jetzt Kfz-Werkstätte und Tankstelle), den Anwesen „Oberer Graßl“ (jetzt Attenhauser) und „Unterer Graßl“ (jetzt Wohnanlage) ist mit dem Abriss des Gasthauses Rampl auch das letzte Steeger Traditions-Wirtshaus endgültig verschwunden.

Der Abriss von Süden und Norden.

In Steeg gab es bis in die 1970er Jahre jeweils am Ortseingang ein Wirtshaus. So den Bürger-Wirt am südlichen Eingang mit den Wirten Anton und Maria Bürger bis in die 1960er Jahre. Es folgten die Wirte Liebwein und Pehlke sowie Peter und Elfriede Lutz. Sie haben schließlich das Wirtshaus aufgegeben und die dortige Kfz-Werkstatt mit Tankstelle errichtet.

Traditioneller war das Wirtshaus am nördlichen Ortseingang von Steeg. Es befand sich bis etwa 1900 beim „Oberen Graßl“ (heute Attenhauser) gleich oberhalb des jetzigen Standorts. Bis zum Umbau um 1900 war dort nur ein Stadel. Die Wirtsleute Josef und Therese Wagner haben dem damaligen Eigentümer Josef Waldinger das Anwesen abgekauft und den Stadl in ein Wirtshaus mit Sommersalettl, Kegelbahn, Tanzsaal, Zimmern im Obergeschoß und kleine Stallung mit „Heuboden“, umgebaut.

1908 bis 2018 Heimat der Steeger Schützen

1908 zogen dann auch die Steeger Schützen in dieses Wirtshaus ein, das ihnen bis 2018 eine Herberge war. In dieser langen Wirtshausgeschichte, folgten die Wirte Georg Meier (1909 bis 1920), der Gastwirt und Viehhändler August Lechner (1920 bis 1940). Er hat Mitte der 1930er Jahre das heutige Datzer-Anwesen gebaut und dort eine Viehhandlung betrieben.

Das Wirtshaus hat die Brauerei Lohmeier (Bräu z’Loh) gekauft und in der Folge verpachtet an Josef Holzner (1940 bis 1950), Magdalena Lohmeier (1950 bis 1951), Anton und Leni Rampl (1951 bis 1967), Gottfried und Renate Rampl (1967 bis 1968), Anton und Leni Rampl von 1968 bis 1981, Leni Rampl (1981 bis 1983) sowie Anton und Elisabeth Rampl (1983 bis 2009).

Jetzt erfolgte der Abriss des Traditions-Wirtshauses.

Familie Rampl führte Gasthaus 58 Jahre

Das Wirtshaus hat die Familie Rampl insgesamt 58 Jahre geführt. Dabei haben dort neben traditionellen Veranstaltungen bis Mitte der 1970er zahlreiche Hochzeiten und Bälle, aber auch Großveranstaltungen wie Faschingshochzeiten und Fahnenweihen stattgefunden.

Im Wirtshaus waren nach dem Weltkrieg auch mehrere vertriebene Familien untergebracht, die bis Ende der 1960er Jahre dort eine neue Heimat gefunden haben. 2008 ist das Wirtshaus aufgegeben worden.

Nur die Steeger Schützen betrieben es als Sport- und Schützenheim, zunächst von Josef Hundmeyer junior von 2009 bis 2014, und schließlich bis zum Auszug in das neue Schützenheim 2018 vom Bewirtungsteam der Schützen.

Dies war das Gasthaus in Steeg bis zum Abriss.

Wirtshaus war Mittelpunkt der Dorfgemeinschaft

Das Wirtshaus, das jetzt nicht mehr steht, war der Mittelpunkt in der Steeger Dorfgemeinschaft. Es könnte viel erzählen, gerade aus der Zeit nach den Kriegsjahren, wo Vertriebene Platz im Obergeschoss gefunden haben. Die Wirtsleute waren aber auch Ansprechpartner für die vielen Sorgen und Nöte der vielfach gebeutelten Gäste, die während der Woche zur Arbeit in München waren.

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Nicht selten kam es vor, dass die Tafel in der Schänke mit Rückständen voll beschriftet war und diese Schulden dann erst wieder am nächsten Wochenende getilgt wurden, oder Gäste bei der Arbeit auf dem Feld oder bei Veranstaltungen halfen, um ihr Salär aufzubessern, oder ein paar Maß Bier zu bekommen.

Der Abriss von Süden und Norden.

Raufereien und Großveranstaltungen

Auch Raufereien waren in dieser Zeit nicht selten, so die legendäre Saalschlacht 2010, aber auch Großveranstaltungen wie die Faschingshochzeiten bis in die 1960er Jahre, die sogar vom Bayerischen Fernsehen übertragen wurden. Bekannt ist aus dieser Zeit auch der riesige Faschings-Trauerkranz, der in einer Maschkerer-Prozession vom Wirtshaus zum Buchbacher Marktplatz mit der Aufschrift „Buchbach erwache oder verkrache“, gebracht wurde. Dies war noch vor der Gebietsreform, wo die Steeger noch zur Gemeinde Walkersaich gehörten, und sich klar gegen Buchbach abgegrenzt hatten.

Nun ist eine lange Steeger Wirtshausgeschichte zu Ende gegangen und bietet nur noch im Schützenheim der Steeger Schützen den Bewohnern von Steeg und Umgebung eine Heimat, um die Dorfgemeinschaft zu pflegen und zu stärken.

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