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Steinbrecher, Volkssänger, Versldichter

Gassenhauer der Soldaten: Ein Kraiburger hat berühmtes Lied zum „70er-Krieg“ geschrieben

Verschiedene Texte und Melodien sind zu dem weit verbreiteten, 150 Jahre alten Soldatenlied, überliefert, hier die Version, die der Kiem Pauli inseinem Buch „Oberbayerische Volkslieder“ (1935) veröffentlichte. Baumgartner
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Verschiedene Texte und Melodien sind zu dem weit verbreiteten, 150 Jahre alten Soldatenlied, überliefert, hier die Version, die der Kiem Pauli in seinem Buch „Oberbayerische Volkslieder“ (1935) veröffentlichte.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Ein Lied der bayerischen Soldaten nach dem Sieg im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 wird auch beim Volksmusik-Abend am 2. Oktober in Kraiburg erklingen. Denn mit der Gemeinde ist das Lied eng verbunden. War es doch ein Kraiburger, der in dem Lied seine Eindrücke vom Krieg verarbeitet hat.

Kraiburg – „O meine liab’m Leut, jetzt will euch i was sag’n, im Jahre siebzig hama d’Franzos’n g’schlagn.“ So sangen die bayerischen Soldaten nach dem Sieg im deutsch-französischen Krieg von 1870/71, der zur Gründung des deutschen Kaiserreichs führte. Der weitverbreitete Gassenhauer wird auch bei einem Volksmusik-Abend am Samstag, 2. Oktober, mit Kreisheimatpfleger Dr. Reinhard Baumgartner in Kraiburg erklingen. Mit der Marktgemeinde ist das Lied eng verbunden. Denn der Text stammt von einem Kraiburger. Georg Heckensteiger, Steinbrucharbeiter, Volkssänger und Versldichter aus St. Maximilian, hat darin seine Erlebnisse „im 70er-Krieg“ verarbeitet.

Die Friedenseiche in Kraiburg erinnert bis heute an den deutsch-französischen Krieg 1870/71.

Arbeiter mit poetischer Ader

Als der Kiem Pauli, ein legendärer Volksliedsammler, 1910 auf das Lied vom „Siebzger Auszug“ stieß und später sogar eine der wenigen Originalaufnahmen als Sänger hinterließ, war der Verfasser der 56 Liedstrophen vergessen. Wie Kreisheimatpfleger Baumgartner berichtet, brachte Jahrzehnte später Franz Gruber aus Kraiburg den Autor wieder ans Licht der Öffentlichkeit, als er eine Original-Handschrift von Georg Heckensteiger an Bezirksheimatpfleger Paul Ernst Rattelmüller weiterleitete. Eine eigene Melodie ist nicht überliefert, gesungen wurde nach einer übliche „Gstanzl-Melodie“.

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Der Autor des Liedes wurde 1844 in den Bruckhäusln bei Kraiburg als lediges Kind geboren. Sein Brot verdiente er als Steinbrucharbeiter. Doch der Kraiburger, dessen Abstammung auf eine Marionettenspieler-Familie zurückging, hatte offensichtlich auch „eine poetische Ader“, so Marktarchivar Franz Genzinger. In seinen mundartlichen Versln und Gedichten hat er komische Begebenheiten aus dem Dorf und der Umgebung aufgegriffen und in den Wirtschaften vorgetragen, was ihm manche Freimaß einbrachte. Vor allem beim Oberbauer (heute: Unterbräu), beim Wesner, einem Lebzelter und Konditor, und beim Haiderwirt habe er die Schnaderhüpfel gesungen.

Seinen Militärdienst leistete der Landbursch aus Oberbayern beim Königlich-Bayerischen Leibregiment, eine traditionsreiche Einheit, die seit Ende der napoleonischen Kriege bestand. Er nahm an den Feldzügen 1866 gegen Preußen teil, und 1870/71, diesmal war Bayern an der Seite Preußens, am deutsch-französischen Krieg. Am 30. Juni 1870 trafen sich die Kraiburger, die dazu den Gestellungsbefehl erhalten hatten, im Wirtshaus Schex (später: Stolzbräu) zu einer Abschiedsfeier.

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Die bayerischen Soldaten aus Kraiburg waren fast bei allen wichtigen Kämpfen und Schlachten des Krieges dabei. Das Leibregiment Heckensteigers stand bei Wörth und vor allem bei Sedan am 1. September 1870, als Kaiser Napoleon gefangen genommen wurde, in den Brennpunkten der Kämpfe und musste einige Verluste hinnehmen.

Seine Erlebnisse hat der Feldzugsteilnehmer in 56 Strophen festgehalten, vermutlich angereichert durch schon vorhandene Verse anderer Soldaten. Herzhaft und humorvoll waren seine Texte, ganz der Hochstimmung dieser vaterländischen Zeit entsprechend.

Der Stolz der Bevölkerung und die Freude über den gewonnen Krieg bricht bei den Sieges- und Heimkehrerfeiern im März 1871 regelrecht aus den Menschen heraus, wie Überlieferungen im Marktarchiv aufzeigen.

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Die weltliche Siegesfeier folgte eine Woche später. Am Sonntag, 19. März 1871, um 6 Uhr wurden die Kraiburger mit Böllern geweckt. Am Nachmittag setzte sich am Rathaus ein Festzug durch sämtliche Straßen des Marktes in Bewegung: Knaben mit Schärpen, Mädchen ganz in weiß mit Kränzen und Standarten, 40 Jünglinge mit weiß-blauen Schärpen, vom Schlachtfeld heimgekehrte Krieger, Musik, Magistrat, Gemeindebevollmächtigte, Liedertafel, Turnverein und Schützen, Vereine mit Fahnen.

Patriotische Hochgefühle

An eigens errichteten Triumphbögen sagten Mädchen Gedichte auf und der Männerchor sang patriotische Lieder. Am Marktplatz hielt Bürgermeister Johann Nepomuk Hardt eine zündende Festrede. Jedem Soldaten wurde ein Gulden als Geschenk überreicht. Zum krönenden Abschluss brannte Apotheker Lerch ein großes Feuerwerk ab. Bis tief in die Nacht hinein wurde – vor allem im Riedl-Saal (heute: Bischof-Bernhard-Saal) gefeiert und gesoffen.

Kulturhistorischer Volksmusikabend

Der Volksmusik-Abend unter dem Titel „Und im Juli 70 sind wir abgereist...“ findet am Samstag, 2. Oktober, im Bischof-Bernhard-Saal am Kraiburger Marktplatz statt. Neben dem Gassenhauer des Soldaten Georg Heckensteiger erklingen weitere bayerische Soldatenlieder, außerdem das Pettenhamer Sau-Abstechen, der Lebenslauf des Anton Hungerhuber und andere. Die Musik stammt aus den Notensammlungen der Familie Rannetsperger. Der Bauer Josef Rannetsperger aus Wegen bei Kraiburg leitete um 1870 die bekannte Kapelle gleichen Namens („Lenzwenger Musikanten“).

Es singen und Spielen: der Mühldorfer Viergesang, das Zitherduo Baumgartner – Sabold-Meyer und die Blasmusik Derfi-Musi Altmühldorf. Durch das Programm führt Kreisheimatpfleger Dr. Reinhard Baumgartner.

Der Volksmusik-Abend, den die Kreisheimatpflege und der Förderverein Bischof-Bernhard-Säle veranstalten, beginnt um 20 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, um einen Unkostenbeitrag wird gebeten.

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