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CSU-Veranstaltung „Antisemitismus – nein danke“

Fortschritte beim Bau der KZ-Gedenkstätte im Mühldorfer Hart - Doch bis zur Fertigstellung dauert es noch

Klar gegen Antisemitismus: Landrat Max Heimerl, Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle, Bezirksrätin Claudia Hausberger, Hartmuth Lang („Mühldorf ist bunt“) und Franz Langstein („Für das Erinnern“) (von links).
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Klar gegen Antisemitismus: Landrat Max Heimerl, Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle, Bezirksrätin Claudia Hausberger, Hartmuth Lang („Mühldorf ist bunt“) und Franz Langstein („Für das Erinnern“) (von links).

Mühldorf – Der Bau der KZ-Gedenkstätte im Mühldorfer Hart geht voran. Doch von einer Vollendung ist sie noch weit entfernt.

Von Jessica von Ahn

Nach der Einweihung der Gedenkorte im ehemaligen Waldlager und am ehemaligen Massengrab 2018 wird es wohl noch mindestens bis 2025 dauern, bevor der zentrale Gedenkort am Bunkerbogen fertig sein wird. Das sagte Landrat Max Heimerl bei einer Veranstaltung der Kreis-CSU zum Thema „Antisemitismus – nein danke“ beim Kreuzerwirt in Mettenheim.

Franz Langstein, Vorstandsvorsitzender des Vereins „Für das Erinnern“, erläuterte, dass als erste Vorbereitung am Bunkerbogen für 6,5 Millionen Euro Munition und Waffen beseitigt worden seien, die die Alliierten dort gelagert und teilweise gesprengt hätten. Das Gelände gehört nach seinen Angaben 15 Landwirten aus Mettenheim und Ampfing. Sie hätten angeboten, die Grundstücke zu tauschen oder zu verkaufen.

Verhandlungen beim Grundstückstausch

Landrat Heimerl berichtete von einem Treffen mit den Landwirten, die ihre Waldstücke am Bunkerbogen haben: „Da müssen dicke Bretter gebohrt werden“, sagte er. „Es war aber Bereitschaft zur Unterstützung zu erkennen.“

Bis die Grundstücke verkauft oder von den Staatsforsten getauscht werden könnten, vergingen noch zwei bis drei Jahre, kündigte Langstein an: „Der Wert der Bäume und des Bodens muss zuvor bewertet werden.“ Zufahrt, Parkplätze für Autos und Busse sowie Aussichtsturm und Zeitschleuse seien geplant, frühestens im Jahr 2025 könne mit dem Bau begonnen werden.

„Wir müssen sensibel sein.“

Zuvor hatten sich mehrere Redner vor 30 Zuhörern zum Thema „Antisemitismus – nein danke“ geäußert. Antisemitismus, das betonte Landrat Heimerl, spiele im Landkreis keine konkrete Rolle. Er warnte aber: „Keine Vorfälle heißt nicht, es kommt nie.“ Es gelte, wachsam zu sein und die Ohren offenzuhalten.

Erinnerungsverein-Vorsitzender Langstein berichtete, dass es seit der Eröffnung der ersten Erinnerungsstätten im Waldlager und Massengrab 2018 keinen Vandalismus oder Hakenkreuzschmierereien gegeben habe. „Es gibt keine gravierenden Vorfälle, aber es ist nicht weg“, mahnte er: „Wir müssen sensibel sein.“

Hartmuth Lang, Vorstandsvorsitzender von „Mühldorf ist bunt“, berichtete von einer Demonstration gegen den Aufmarsch von Rechtsradikalen und Rechtsextremen 2012 gegen ein Flüchtlingsheim. „Es macht durchaus Sinn, solchen Leuten die Stirn zu bieten.“ Er forderte, Zeichen zu setzen. „Wir können nicht warten, bis andere aufstehen“, sagt Lang. Schulen, Vereine, Parteien und Kirchen müssten zusammenarbeiten, um rechtes Gedankengut bereits in den Köpfen zu hemmen: „Wir brauchen ein Stopp schon bei kleinen Andeutungen.“

Lang informierte über die ersten „Wochen gegen Rassismus“, die im März stattgefunden hätten. Fünf Veranstaltungen von zwölf Parteien, Vereinen und Schulen habe sein Verein gezählt. Besonders hervor hob er die 14 Aktionen der Mittelschule in Ampfing.

„Erinnerungsarbeit alleine kann Judenhass nicht zerstören.“

Hauptredner Josef Spaenle, Antisemitismusbeauftragter des Freistaats, kam nach einem Unfall erst gegen Ende der Veranstaltung. Er sagte: „Die Erinnerung wird zunehmend wichtiger. Es ist schlimm, dass immer noch Judenhass da ist.“ Er wies darauf hin, dass die im Grundgesetz festgelegte Freizügigkeit für jüdische Menschen eingeschränkt sei. „Erinnerungsarbeit alleine kann Judenhass nicht zerstören.“ Es sei wichtig, zu erkennen, dass es an jedem Ort Bayerns jüdisches Leben gab. Aktuell leben nach seinen Angaben rund 15.000 Menschen jüdischen Glaubens in Bayern, davon rund 10.000 in München.

Eva Köhr, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Geschichtszentrum, erkundigte sich, warum viele Schulklassen zwar die Gedenkstätte in Dachau besuchten, jedoch nicht die in Mühldorf. Heimerl sieht die Erinnerungsorte im Landkreis wie auch in Dachau für wichtig an: „Warum das eine tun, das andere nicht lassen?“, fragte er. Auch der Garser Schulleiter Gunter Fuchs plädierte dafür, mit Schülern beide Orte zu besuchen. Lang kündigte an, ab nächstem Jahr Veranstaltungen speziell für Schüler zu organisieren.

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