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Hilfe für Geschädigte

Brummifahrer aus der Region Mühldorf wollen Flutopfern helfen: Gebrauchte Autos mit Rest-TÜV gesucht

Es gibt immer noch viel zu tun. 26 Helfer aus der Region haben mit PS-starker Unterstützung von vielen hiesigen Firmen in Nordrhein Westfalen Schäden beseitigt. Die nächste Aktion ist für Ende September geplant.Bayernfreunde mit Herz
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Es gibt immer noch viel zu tun. 26 Helfer aus der Region haben mit PS-starker Unterstützung von vielen hiesigen Firmen in Nordrhein Westfalen Schäden beseitigt. Die nächste Aktion ist für Ende September geplant.Bayernfreunde mit Herz
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Die „Bayernfreunde mit Herz“ legen nicht die Hände in den Schoß. Zweimal haben sie mit schweren Geräten den Weg nach Nordrhein-Westfalen auf sich genommen, um den Flutopfern zu helfen. Die nächste Fahrt ist schon geplant. Diesmal wollen sie gebrauchte Autos verladen.

Ampfing – Einige tausend Pferdestärken, und 50 Arbeiterhände: Die aus der Region stammenden Fluthelfer sind in den vergangenen Tagen erneut in das Gebiet der Flutkatastrophe nach Nordrhein-Westfalen aufgebrochen, um beim Aufräumen zu helfen. Das Telefon des Organisators der Fluthilfe, Sebastian Obereitmeier, klingelt unentwegt. Die Koordination nimmt mittlerweile nahezu seine komplette Freizeit in Anspruch.

Radlader, Teleskop-Lader, Kipper, Auflieger, Tieflader: Die „Bayernfreunde mit Herz“, wie sich die helfenden Hände um Oberreitmeier nennen, konnten aus dem Vollen schöpfen, als sie sich auf den Weg in den Westen Deutschlands machten. „Diesmal waren wir doppelt so viele. Da ist ein unglaublicher Zusammenhalt zu verspüren“, zeigte sich auch der Ampfinger Sebastian Oberreitmeier überwältigt von der Hilfe seiner 25 Freunde, die mit schwerer Ladung – Hilfsgüter und tonnenweise Gerätschaften – in das von der Flut vor vier Wochen zerstörte Gebiet gefahren sind.

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51 Helfer unterstützen die Bayernfreunde

Für den Erhartinger Bauunternehmer Matthias Huber war es eine Selbstverständlichkeit, seinen vollgetankten 40-Tonner zur Verfügung zu stellen. Benzin von der Firma Schnürer aus Mühldorf sollte für genügend Reichweite sorgen. Fritz Zimmermann aus Ampfing stellte einen Vier-Achser zur Verfügung. Und die Firma Landtechnik Gruber in Ampfing unterstützte die Aufräumarbeiten mit einem Teleskop- und einem Hoflader: „51 Firmen haben uns zuletzt geholfen. Ein Wahnsinn! Und das war keine einmalige Sache.Verschiedene Firmen haben ihre Bereitwilligkeit signalisiert, dass wir weiterhin auf die Unterstützung bauen können, wenn wir etwas brauchen“, bedankt sich Oberreitmeier.

Gut ausgerüstet hatten sich die Truckerfreunde nach dem Motto „Hand in Hand hilft das ganze Land“ auf den Weg gemacht, um ein ganzes Wochenende zu schuften. Und auch Maik Hoffmann, einer der Organisatoren, ist dankbar über die Unterstützung aus der Region: „Es ist ein sehr gutes Gefühl. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so viele Maschinen zur Verfügung gestellt bekommen“, sagte der Brummifahrer noch kurz vor der Abreise in einem Interview.

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Freitagmorgen die Abfahrt, nach der Ankunft gleich die Schaufel in die Hand genommen, bis die Truppe aus der Region schließlich Samstagmorgen um 4 Uhr hundemüde in die Feldbetten sank. Nach zwei Stunden Schlaf ging es gleich weiter. „Das ganze Wochenende haben wir nur drei Stunden geschlafen“, berichtet Oberreitmeier, der entsprechend erschöpft am Sonntagmorgen die Rückreise angetreten hat.

Ein 40-Tonner aus Erharting bei der Arbeit: Insgesamt 22 LKW-Ladungen Schutt und Schlamm wurden beseitigt.

„22 LKW-Ladungen voller Unrat und Dreck wurden entsorgt“, erzählt Oberreitmeier. Eine ganze Menge. Nicht zuletzt, weil der Hilfstrupp aus dem Landkreis und den angrenzenden Gemeinden Spezialisten dabei hatte. Josef Hertreiter zum Beispiel, vom Truckerclub Frontenhausen, hatte von den Aufruf erfahren und seinen Tieflader zur Verfügung gestellt. „Da musste ich nicht lange überlegen! Ich will helfen!“

Junge und alte Leute schlüpfen in Gummistiefel und Handschuhe

Georg Kaiser aus Wurmsham war zum zweiten Mal mit seinem Radlader dabei. „Weil die Leute hochmotiviert sind!“ Er lobt den Zusammenhalt. „Junge und alte Leute, die in Gummistiefel und Handschuhe schlüpfen und keine Scheu vor dem Dreck haben.“

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Finanzspritze vom Eberhofer-Fanclub

Unterstützung bekommen die „Bayernfreunde mit Herz“ auch vom Franz-Eberhofer-Fanclub (bekannt aus dem „Kaiserschmarrndrama“) aus Frontenhausen. Vereinsvertreter Werner Fuhrmann über gab 500 Euro für die Dieselkosten. Und er kündigte an, dass weitere Spenden folgen würden. Denn die Bayernfreunde bringen das Geld direkt dorthin, wo es am nötigsten gebraucht wird, verspricht Oberreitmeier, der nicht zum letzten Mal in Richtung Ahrtal fahren wird. Ende September ist eine weitere PS-starke Hilfsaktion geplant. Man sei gerade dabei einen Tanklaster zu organisieren.

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Nächste Hilfsaktion Ende September

Außerdem will man aus Bayern Spendenautos in das Katastrophengebiet schaffen. „Wir suchen alte, aber funktionsfähige Autos, die mindestens noch ein Jahr TÜV haben. Diese wollen wir den Anwohnern zur Verfügung zu stellen, die alles verloren haben. Dazu wäre aber auch eine entsprechende Anzahl an Tiefladern nötig“, plant Oberreitmeier schon wieder.

Keine Zeit, sich auszuruhen

Eigentlich wollte sich der 31-Jährige nach dem letzten harten Wochenende und den damit verbundenen Strapazen einige Tage ausruhen. Das Smartphone stumm schalten. „Aber es geht nicht. Es melden sich so viele Leute an, die helfen wollen.“ Schon wieder brummt das Handy. Oberreitmeier zuckt mit den Schultern und geht ran. Er könne halt nicht anders: Sein Anspruch zu helfen ist stärker als der Wunsch nach Erholung.

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