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Fleischvermarkter üben scharfe Kritik am Einzelhandel

VVG-Geschäftsführer Sebastian Brandmaier.
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VVG-Geschäftsführer Sebastian Brandmaier.

Mühldorf – Der Fleischmarkt in Deutschland befindet sich im freien Fall. Der Grund dafür sind Absatzprobleme und die Verunsicherung am Fleischmarkt aufgrund der Corona-Folgen, die zu massiven Preiseinbrüchen im Teilstückhandel führen.

Hinzu kommt, dass der China-Export längst nicht mehr so lukrativ ist, da Anbieter aus den Vereinigten Staaten und Brasilien die erzielbaren Preise deutlich drücken. An den bayerischen Schlachtvieh- und Fleischmärkten rauschte der Kurs ebenfalls in den Keller. Der Lebendpreis für Schweine, die c-Spitze, notiert für den Zeitraum 7. bis 13. Mai bei 132,60 Euro je 100 Kilogramm Lebendgewicht (LG). In der Vorwoche waren noch 140,90 Euro je 100 Kilo LG zu zahlen. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer der Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben Sebastian Brandmaier über die Situation der heimischen Landwirte.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie bei der VVG Oberbayern und Schwaben aus?

Sebastian Brandmeier:Die VVG Oberbayern Schwaben eG ist ein systemrelevanter Betrieb und, wie viele andere Betriebe, im Geschäftsablauf derzeit stark belastet. Folgende Vorkehrungen wurden getroffen, um den Geschäftsbetrieb der VVG möglichst lange aufrecht zu erhalten. Die Bürobesetzung wurde in zwei Arbeitsgruppen aufgeteilt. Jeweils zu Wochenbeginn wechselt die anwesende Gruppe im Büro, sodass der persönliche Kontakt der Mitarbeiter zwischen den Gruppen und in Summe stark reduziert ist. Mitarbeiter, die zu Hause bleiben, sind angehalten Urlaub zu nehmen oder aus dem Homeoffice aktiv zu unterstützen. Außendienstmitarbeiter können seit der bundesweit verhängten Ausgangs-/Kontaktbeschränkung die Betriebe lediglich bedingt anfahren. Seit dem 1. April 2020 haben wir für diese Mitarbeiter teilweise Kurzarbeit beantragt. Für die Landwirte sind die vertrauten Ansprechpartner weiterhin per Telefon, Whatsapp oder E-Mail zu erreichen. Die Büros der VVG in Waldkraiburg und Rimpar sind wie gewohnt täglich von 7 bis 17.00 Uhr besetzt. Zudem laufen wir aktuell Gefahr, dass einige Schlachtbetriebe (wie Birkenfeld, Coesfeld, Oer- /Erkenschwick und Bad Bramstedt) nach positiver Corona Tests bei Mitarbeitern nicht mehr oder nur noch bedingt weiterarbeiten können.

Wie hat sich die Zahl der Schlachttiere entwickelt?

Brandmaier: Die Schlachtungen von bayerischen Jungbullen sind auf Vorjahresniveau. Weibliche Schlachttiere sind erheblich weniger zur Schlachtung gekommen - Färsen rund zehn Prozent, Kühe rund zwölf Prozent. Im April wurden in Bayern im Vergleich zum Vorjahr knapp 20 Prozent weniger Rinder geschlachtet. Auch der Schlachtschweinemarkt ist die letzten drei Wochen gehörig ins Stocken geraten. Die Rückgänge liegen hier bei 10 bis 20 Prozent beziffert.

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Wie sieht die Preisentwicklung bei Rind und Schwein aus?

Brandmaier: Die bereits negative Preisentwicklung beim Schwein von 2.02 Euro Anfang März auf derzeit 1.60 Euro zeigt eine Tendenz mit noch schwächerer Notierung. Auch die Preisentwicklung bei Kühen ist negativ mit rund . -70 Cent, Färsen mit -50 Cent bis einem Euro und die Bullen notieren mit 20 Cent unter den Preisen des Vorjahres. Der Verfall der Bullenpreise bedingt sich vor allem durch die aktuell kaum vorhandene Nachfrage nach Häuten.

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf dem Weltmarkt?

Brandmaier: Der Warenfluss findet weltweit nur stark eingeschränkt statt. Große Schlachthöfe in den USA und Canada stehen still, die Produktion kann nur sehr eingeschränkt wieder hochgefahren werden.

Es ist sehr ärgerlich, um nicht zu sagen unanständig und einem Affront gleich, dass in dieser für regional ansässige Landwirte ohnehin schwierigen Zeit, nahezu alle deutschen Lebensmitteleinzelhändler (LEH) mit südamerikanischen Rindfleisch, T-Bone Steaks aus USA oder mit Irish Beef in der Werbung sind.

Wird der Markt in China von den heimischen Bauern noch beliefert?

Brandmaier: Auch in China ist der Schweinefleischabsatz stark zurückgegangen. Aktuell werden keine Container abgerufen.

Welche Zukunftsperspektive sieht die VVG derzeit?

Brandmaier: Die Bauern und die VVG hoffen, dass die Verbraucher die Bedeutung der heimischen Lebensmittelversorgung erkannt und schätzen gelernt haben. Die lange Zeit stark kritisierte Landwirtschaft, der normale und regionale landwirtschaftliche Familienbetrieb ist systemrelevant und lebensnotwendig. Interview: Josef Bauer

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