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Expertin vom Loeffler-Institut nennt andere Überträger-Tiere

Exklusiv! Borna-Virus in Maitenbeth: Die Ergebnisse der ersten 30 Tier-Tests - So können Sie sich schützen

Borna-Virus: Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut und eine Maus. (Fotomontage)
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Borna-Virus: Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut und eine Maus. (Fotomontage)
  • VonAnja Leitner
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Nach drei Todesfällen durch das Borna-Virus erstellt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) eine Studie zur Spitzmauspopulation in Maitenbeth. Im Exklusivinterview berichtet FLI-Expertin Elke Reinking über erste Ergebnisse und gibt Tipps zur Infektionsvermeidung.

Maitenbeth/Mühldorf – Das Thema Borna-Virus beschäftigt die Menschen in der Region weiterhin. Aus dem Landkreis Mühldorf liegen dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) insgesamt bislang drei Erkrankungsfälle vor, davon zwei aus Maitenbeth. Alle drei erkrankten Personen sind verstorben, bestätigt die Behörde. Derzeit arbeitet das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) als Bundesforschungseinrichtung für Tiergesundheit an einer Untersuchung der Spitzmauspopulation in Maitenbeth. Stellvertretend für das Institut beantwortet Elke Reinking, Diplom-Biologin am FLI, dem OVB Fragen zur Studie.

Bisher wurden 30 Tiere – darunter lediglich eine Feldspitzmaus – untersucht, alle mit negativem Ergebnis auf BoDV-1.

Stellvertretend für das Friedrich-Löffler-Institut beantwortet Diplom-Biologin Elke Reinking Fragen zur Studie.

Wie läuft die Studie ab?

Reinking: Ziel der Studie ist es, neue Erkenntnisse über die Feldspitzmaus-Population als Reservoir von BoDV-1 zu erhalten. Konkret werden die folgenden Fragestellungen untersucht: Welche Spitzmausarten kommen in Maitenbeth vor? Wie hoch ist der Anteil BoDV-1-positiver Spitzmäuse? Kommt BoDV-1 nur in der Feldspitzmaus vor oder auch in anderen Kleinsäugerarten? Wo halten sich die Spitzmäuse vor allem auf? Gibt es Hotspots mit BoDV-1-infizierten Spitzmäusen?

Es kann momentan noch nicht genau eingeschätzt werden, wie viele Tiere insgesamt untersucht werden. Wir werden uns bemühen, eine ausreichende Zahl an Spitzmäusen zu untersuchen, um eine repräsentative Aussage treffen zu können. In die Untersuchungen werden auch Tiere einbezogen, die von Katzen der Anwohner gesammelt werden.

Welche Untersuchungen führt das FLI durch?

Reinking: Geplant sind Untersuchungen von Spitzmäusen auf Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) mit etablierten molekularen Verfahren (RT-PCR-Techniken). Bisher gibt es keine Hinweise von BoDV-1-Infektionen bei Nagetieren, zum Beispiel Rötelmaus, Gelbhalsmaus, Waldmaus und Eichhörnchen. Rötelmäuse werden parallel auch auf Puumala-Hantavirus untersucht.

Ist angedacht, etwas gegen eine mögliche zu große Spitzmauspopulation als Infektionsherd des Borna-Virus zu tun, beispielsweise in Form einer Bekämpfung?

Reinking: Nein, es geht vor allem darum, die Verbreitung von BoDV-1 in der Reservoirpopulation aufzuklären und damit Hinweise für die Bevölkerung zu erarbeiten, um das Infektionsrisiko zu senken. Für geschlossene Räume – zum Beispiel Häuser und Wohnungen – sollte angestrebt werden, das Vorkommen der Feldspitzmaus einzudämmen.

Wenn eine Katze eine Maus anschleppt, empfiehlt das Friedrich-Löffler-Institut als Schutz vor einer Infektion mit dem Borna-Virus: Tier entsorgen nur mit Handschuhen und Maske.

Gibt es bestimmte Orte in Maitenbeth, die das FLI als Infektionsherd in Verdacht hat?

Reinking: Die Spitzmausfänge werden sich in der Tat auf bestimmte Orte konzentrieren, die durch die Befragungen vom Gesundheitsamt Mühldorf und der Task Force Infektiologie am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) als potenzielle Expositionsorte identifiziert worden sind.

Können Bürger eine erkrankte Spitzmaus erkennen? Wie sollten sich Bürger verhalten?

Reinking: In jedem Fall sollte verhindert werden, dass die Spitzmäuse in geschlossene Räume und insbesondere in den Wohnbereich gelangen, da dort vermutlich eine höhere Übertragungswahrscheinlichkeit besteht. Sollte eine tote Spitzmaus gefangen oder gefunden werden, könnte der Tierkadaver zur Untersuchung eingesandt werden.

Hierbei ist mit großer Vorsicht vorzugehen: Einweghandschuhe und eine FFP2-Maske tragen. Den Kadaver nicht direkt berühren und doppelt in Plastiktüten verpacken und verschließen. Dafür kann auch der Handschuh genutzt werden, indem der Handschuh direkt über den Kadaver gestülpt wird. Danach alles gut verschließen.

Momentan kennen wir den genauen Übertragungsweg auf den Menschen nicht – deshalb sollte ein direkter Kontakt zu einer infizierten Feldspitzmaus, aber auch eine indirekte Übertragung, beispielsweise über die Ausscheidungen von Feldspitzmäusen, vermieden werden. Spitzmäuse lassen sich als Insektenfresser anhand der spitzen Nase gut von Nagetieren unterscheiden. Als Reservoirwirt erkranken die Spitzmäuse nicht an der Infektion. Erkrankungen können jedoch bei bestimmten Haussäugetieren auftreten, wie beispielsweise Pferde und Alpakas. Allerdings übertragen diese Tiere das Virus nicht. Als Fehlwirte sind sie nach wissenschaftlichem Kenntnisstand eine Sackgasse für das Virus.

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