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Die Erinnerung treibt ihn an

Feierlicher Moment: Hermann Höllenreiner und Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. Foto re
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Feierlicher Moment: Hermann Höllenreiner und Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle.

Mettenheim/München - Die Hölle hat er durchgemacht. Wurde verschleppt, stigmatisiert, traumatisiert. Hermann Höllenreiner ist Überlebender des Holocaust.

Seit Jahrzehnten erzählt der Mettenheimer seine Geschichte, um besonders die Jugend aufzuklären. Am Dienstag wurde dem 79-Jährigen das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Es war ein bewegender Moment. Als Hermann Höllenreiners Name von Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle im bayerischen Kultusministerium aufgerufen wurde, brandete Applaus auf. "Fünf Minuten lang", erinnert sich der Mettenheimer. Er habe gar nicht gewusst,wie er sich verhalten solle.

Sein ganzes Leben hat er in den Dienst einer Sache gestellt: an das zu erinnern, "was niemals vergessen werden darf". Den Holocaust. Höllenreiner war noch ein Kind, als seine Familie abgestempelt wurde. Als "Zigeuner". Höllenreiners Erinnerungen sind auch Jahrzehnte später noch wach. Er weiß noch, wie menschenverachtend es im Transport zuging. Und er weiß auch noch um den Schmerz, den die Zwangs-Tätowierung im Lager mit sich brachte. Die Nummer steht noch heute auf seinem Arm. Ein sichtbares Zeichen. Unsichtbar sind die Träume, die ihn auch heute noch verfolgen. Von Leid, Schmerz, Trauer und Tod. Von den Qualen, die sein Vater durchmachte, als er kurz vor Kriegsende aus dem Lager an die Front musste. Und von der Zeit, die die Familie brauchte, um sich nach dem Gräuel wieder zusammenzufinden.

Höllenreiner unterstützt seit Jahrzehnten in Vorträgen, Interviews und Reden die Erinnerungsarbeit. Er setzt sich für die weitere politische und gesellschaftliche Gleichstellung der Sinti und Roma in Deutschland und den osteuropäischen Staaten ein. Besonders die Aufklärung junger Menschen und die Bekämpfung des Rechtsradikalismus sind ihm ein großes Anliegen.

Mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes wurde diese Arbeit nun gewürdigt. Die richtigen Worte fand Spaenle in seiner Laudatio: "Die Begegnung zwischen den Generationen ist Ihnen ebenso wie die Begegnung zwischen Angehörigen der Sinti und Roma mit anderen gesellschaftlichen Gruppen ein besonderes Anliegen." Der Minister hob besonders "die Kraft und den Mut" hervor, die Höllenreiner immer wieder antreiben: "Die Aufklärung, besonders der jungen Menschen, haben Sie sich zur Lebensaufgabe gemacht und nehmen Ihre Verantwortung als einer der noch wenigen Überlebenden mit großem Engagement wahr." Vorträge und Interviews sind aber nicht die einzigen Medien, derer sich Höllenreiner bedient. 2008 gab Tanja Tuckermann das Buch "Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war" geraus. Es ist Höllenreiners Geschichte. Damit, so Spaenle, "haben Sie sich mit großem persönlichen Einsatz unter Zurückstellung eigener Interessen um das Gemeinwohl besonders verdient gemacht."

"Es war ein aufregender Tag", sagt Höllenreiner, der sich sehr über die Auszeichnung freut. Und das, obwohl er bei der Verleihung doch leicht zitternde Hände gehabt habe. Auch eine gerade überstandene Grippe konnte den 79-Jährigen nicht davon abhalten, nach München zu fahren. Höllenreiner kämpft weiter. Die Erinnerung treibt ihn an.

bst/Mühldorfer Anzeiger

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