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Gegentrend zum Wirtshaussterben

Erhartings Pauliwirt trotzt der Corona-Pandemie – und das Dorf hat wieder ein Wirtshaus

Der Wirteerhaltungsverein Erharting, dem Bürgermeister Matthias Huber (Dritter von rechts) vorsteht, hat wieder eine Heimat. Denn seit Mittwoch hat Erharting wieder ein Wirtshaus, Klaus Heimeldinger (Bildmitte) führt den Pauliwirt wieder selbst.
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Der Wirteerhaltungsverein Erharting, dem Bürgermeister Matthias Huber (Dritter von rechts) vorsteht, hat wieder eine Heimat. Denn seit Mittwoch hat Erharting wieder ein Wirtshaus, Klaus Heimeldinger (Bildmitte) führt den Pauliwirt wieder selbst.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Während viele Gastronomen bereits die Einführung der 2G-Plus-Regeln in Wirtshäusern und drohende Einbußen befürchten, manche sogar ihr Restaurant geschlossen haben, geht Klaus Heimeldinger in die Offensive. Seit Mittwoch hat der Erhartinger den Pauliwirt wieder geöffnet.

Erharting – Die Inzidenzen steigen kontinuierlich, gestern überstieg die Zahl der Corona-Positiven im Landkreis Mühldorf die 500er-Marke. Während viele Gastronomen bereits die Einführung der 2G-Plus-Regeln in Wirtshäusern und drohende Einbußen befürchten, manche sogar ihr Restaurant geschlossen haben, geht Klaus Heimeldinger in die Offensive. Seit Mittwoch hat der Erhartinger den Pauliwirt wieder geöffnet – das Dorf hat wieder ein Wirtshaus!

Personelle Probleme zu bewältigen

Und das, nachdem die Isengemeinde über einige einigen Monaten hinweg eine Diaspora der Wirtshauskultur war. Daran konnte auch der hiesige Wirteerhaltungsverein nichts ändern. Denn: Wohin gehen, wenn nichts geöffnet hat? Im Sommer spielte diese Frage noch keine Rolle. Der Sommerkeller hatte da noch offen. Mit Ende des Sommers jedoch floss kein Bier mehr aus den Zapfhähnen.

Klaus Heimeldinger hat wieder das Zepter in der Hand

Auch beim Pauliwirt nicht, der seit September 2020 an die „Non-Stop Hotel Group“ verpachtet war. Doch Corona, die damit verbundenen Einschränkungen und eklatanter Personalmangel lähmte den Wirtshausbetrieb, seit Monaten hatte der Gastrobereich geschlossen. Inzwischen hat der Eigentümer des Gasthofes, Klaus Heimeldinger, wieder das Zepter in die Hand genommen. Heimeldinger hatte das Wirtshaus verpachtet, nachdem er sich selbst eine Auszeit genehmigt hatte, seine Ausbildung zum Sommelier auf dem Weingut Schönbrunn in Baden-Württemberg in den Fokus gerückt hat.

Keine Angst vor 2Gplus

Im Dezember hatte er sich noch zurückhaltend gezeigt, vorsichtig eine Öffnungsperspektive erwähnt, die endgültige Entscheidung von der Entwicklung der Corona-Pandemie abhängig gemacht. Dass die Gastronomie trotz steigender Infektionszahlen weiter geöffnet bleiben darf, schlimmstenfalls unter 2G-Plus, hat Heimeldinger nun dazu bewogen, das Gasthaus wieder aufzusperren, zumindest von Mittwoch bis Samstag.

Gute Kontakte helfen personellen Engpass zu heilen

„Wir wollen es langsam angehen und schauen, was die Zukunft bringt“, sagt Heimeldinger mit Blick auf die Pandemie. Die meisten seiner Gäste seien inzwischen geboostert, sagt Heimeldinger, der sich schon am ersten Tag der Öffnung über regen Zuspruch in der Wirtsstube freute. Den personellen Engpass der vergangenen Monate konnte Heimeldinger dank seiner guten Kontakte in der Gastro-Branche beseitigen. Neun Leute hat er fest angestellt, dazu Aushilfen, die den Betrieb beim Pauliwirt sicherstellen.

Und auch die Mutter steht wieder in der Küche

In der Küche hat er mit Wolfgang Enzinger einen langjährigen Freund an seiner Seite. Und natürlich steht auch noch seine Mutter Anneliese ihre Kochkünste zur Verfügung, mit 73 Jahren ist sie die gute Seele in der Küche. Den Gastrobereich managt Hannes Dommer, den Heimeldinger über einen Großcousin kennengelernt hat.

Wirteerhaltungsverein hat wieder eine Heimat

Der Wirteerhaltungsverein, dem der Erhartinger Bürgermeister Matthias Huber vorsteht, jedenfalls freut sich, dass das Dorf wieder ein Wirtshaus hat, nachdem der Bäckerwirt im Ortszentrum schon über Jahre hinweg geschlossen hat und sich auch für die Klause in Engfurt kein Pächter finden lässt. „Wir sind überglücklich, die Zeit der Trauer und des Verzichts sind vorbei“, sagt Bürgermeister Huber. Gut essen, die Gesellschaft unter Freunden, die Diskussionen am Stammtisch – das habe auch ihm gefehlt, gibt der Gemeindechef zu. Vor allen Dingen freut es ihn, dass er mit der Öffnung des Pauliwirts nun auch wieder Sport treibe. „Ich kann jetzt wieder zu Fuß zum Wirt gehen“, lacht Huber. Man muss wissen: Er braucht jetzt nur die Straße zu überqueren, um seinen persönlichen Beitrag zum Wirteerhalt zu leisten.

DEHOGA-Chef Holger Nagl rechnet noch mit bis zu drei „strengen Monaten“

Holger Nagl, Vertreter des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) im Landkreis Mühldorf ist erleichtert darüber, dass die Regierung zunächst auf die „2G-Plus-Regel“ im Gastro-Bereich verzichtet. „Zur Existenzsicherung war das eine ganz wichtige Entscheidung.“ Er schreibt diesen Erfolg auch dem Einwirken der DEHOGA auf die Staatsregierung zu.

Fasching sorgt zusätzlich für Umsatzverlust

Man habe die Infektionslage im Blick, Nagl ist aber auch der Ansicht, dass die Gastro mit ihren bestehenden Hygienekonzepten die Lage im Griff habe. Im Moment sehe er dennoch Probleme: Die Monate Januar und Februar seien grundsätzlich umsatzschwächer. Das habe sich insofern maximal verschärft durch den nicht stattfindenden Fasching, was je nach Betriebstyp eine verschieden große Rolle spielen werde.

Auch sieht er die Gastro mit einer anderen Situation konfrontiert als noch vor einem Jahr. „Die Bevölkerung verhält sich anders, zurückhaltender. Das haben wir gespürt, als die Zahlen vor einigen Wochen immens angestiegen sind.“ Weihnachts- und Betriebsfeiern seien storniert worden. „Wir haben da die Erfahrung gemacht, dass die Bevölkerung die Maßnahmen schneller lebt als die Politik mit Regelungen nachgekommen ist. Ein wichtiges Signal der Vernunft!“

„Sonderlockdown“ mit verheerenden Folgen

Doch der „Sonderlockdown“ unmittelbar vor Weihnachten habe auch verheerende Konsequenzen nach sich gezogen: „Wir haben vor allem die Geringverdiener verloren, die auf die 450 Euro angewiesen sind, aber keinen Ausgleich erhalten haben. Diese Personen haben sich beruflich anders orientiert und fehlen uns.“ Jetzt, da die hochansteckende Omikron-Variante für eine Explosion der Infektionszahlen sorge, prognostiziert Nagl für den Gastrobereich noch ein bis drei strenge Monate. Er rechne auch damit, dass weitere Betriebsschließungen folgen werden. Doch er zeigt auch Zuversicht: „Wenn man den Fachleuten Vertrauen schenken darf, wäre die Bevölkerung dann durchinfiziert, wir hätten eine gewisse Herdenimmunität, sodass man auf einen guten Sommer hoffen kann. Ich bin guter Dinge, dass es dann auch ein Volksfest geben kann.“

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