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Kontaktverfolgung

Ende der Zettelwirtschaft: Landkreis Mühldorf setzt in der Corona-Krise auf die Luca-App

Josef Sahlstorfer hat gute Erfahrungen mit der Luca-App gemacht. Foto: privat
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Josef Sahlstorfer hat gute Erfahrungen mit der Luca-App gemacht.
  • Kirsten Meier
    VonKirsten Meier
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Seit einigen Wochen ist die Luca-App auf dem Markt. Sie soll die Corona-Kontaktverfolgung erleichtern. Trotz zahlreicher Bedenken, hofft das Landratsamt auf eine stärkere Nutzung durch die Bürger.

Mühldorf – Mit der Luca-App, soll die Kontaktverfolgung bei Corona-Infektionen erleichtert werden. Sie ermöglicht Gästen und Kunden, sich in Restaurants, Kinos oder bei Veranstaltungen zu registrieren. Das Zettelausfüllen, wie es noch im Sommer 2020 Pflicht war, würde dank der App entfallen. Wer die App nicht nutzen möchte, wird bei Besuchen im öffentlichen Leben wieder einen Zettel mit seinen Kontaktdaten hinterlassen müssen.

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Der Landkreis Mühldorf setzt jedenfalls auf die App, um die Pandemie besser in den Griff zu bekommen. „Wir haben bislang noch keine Erfahrung damit, da wir erst vor kurzem begonnen haben, damit zu arbeiten“, sagt Karin Huber, Sprecherin des Landratsamts. „Aber wir appellieren, die App zu nutzen, da der Erfolg mit jedem Nutzer steigt und die App ein weiteres Instrument ist, Infektionsketten noch schneller zu erkennen und nachzuverfolgen.“

Der Sieg über die Zettelwirtschaft

Die Vorteile liegen laut Huber darin, dass die Behörden die Daten in digitaler Form erhalten und sie nicht mehr auf handschriftliche Aufzeichnungen zurückgreifen müssen, wenn es gilt, Kontakte von Corona-Infizierten zu ermitteln. Sie erwarten, dass ihnen dadurch die Daten zügiger übermittelt werden. Die Daten sind zudem vollständiger. Das heißt, dass Treffen und Begegnungen, an die man sich vorher nicht mehr erinnern konnte, nun automatisch übertragen werden.

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„Wir sind auf das aktive Mitwirken der Personen angewiesen. Falls eine Person ihre Daten nicht frei gibt, haben wir keine Möglichkeiten. Auch der Laden- oder Restaurantinhaber kann ohne Freigabe durch den Betroffenen keine Daten übermitteln“, erklärt die Sprecherin des Landratsamtes.

Luca-App versendet bedeutungslose Daten

Kritiker bemängeln, dass mit der Luca-App Daten versendet werden, die nicht relevant sind. Dazu gehören zum Beispiel Einkäufe im Supermarkt, die mit vielen Kontakten verbunden sind, die jedoch in den meisten Fällen nicht zu einer Infektion führen können. Private Treffen dagegen, die als Infektionstreiber gelten, werden dagegen nicht übermittelt.

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Doch nicht nur die Luca-App ist auf dem Markt. „Der Hotel- und Gaststättenverband hat eine eigene App zur Registrierung entwickelt. Unterschied ist, dass die Luca-App über eine Schnittstelle zu Sormas verfügt.“ Sormas ist das Programm, mit dem das Gesundheitsamt Kontakte ermittelt. „Somit wird die Verwaltung der Kontaktnachverfolgung und Übermittlung an die entsprechenden Stellen, zum Beispiel dem Gesundheitsministerium, erleichtert“, erklärt die Pressesprecherin des Landratsamts.

Ein Virus – zwei Apps

Grundsätzlich handelt es sich bei der Corona-Warn-App und der Luca-App um zwei verschiedene Systeme. Die Luca-App soll die Corona-Warn-App des Bundes ergänzen. Die gibt dem Nutzer eine anonyme Warnung nach einer möglichen Risikobegegnung ab. Die Luca-App wird dagegen direkt an das Kontaktermittlungssystem des Gesundheitsamtes Sormas angeschlossen. Sie erleichtert so die direkte Kontaktnachverfolgung, da Kontaktpersonen und Gesundheitsämter zeitgleich Zugriff auf die Daten erhalten.

Das sagen Geschäftsleute

Josef Sahlstorfer (62), Fotograf aus Waldkraiburg: „Nachdem ich mich im Vorfeld umfangreich über diese App informiert hatte, beschloss ich, diese auch zu nutzen. Der Zuspruch der Kunden darauf ist recht positiv. Was mich ein bisschen ärgert ist, dass alles zerredet wird. Als Geschäftsinhaber wie auch als Privatperson ist mir Datenschutz sehr heilig und wir achten genauestens darauf, dass das alles eingehalten wird. Jetzt mit der Pandemie sollten sich die Leute aber eher ein bisschen zurücknehmen, denn die Sicherheit und Gesundheit der Menschen sollte im Vordergrund stehen. Ich denke, dass die Anbieter der App dazulernen und alles tun, um Sicherheitslücken aus der Welt zu schaffen. Trotz aller Kritik an der App stehe ich dazu, dass diese den Schritt in die Freiheit erleichtert“.

Helmut Fromberger,

Helmut Fromberger (64), Fotograf aus Mühldorf: „In meinem Geschäft können meine Kunden die Luca App und die Corona Warn App nutzen. Selbstverständlich können meine Kunden nach wie vor ihre Daten auf einem Zettel handschriftlich hinterlassen. Aktuell haben nur wenige Kunden die App. Der Vorteil der App ist klar: weniger Zettel und Schriftverkehr, der in einem Ordner dann abgelegt werden muss. Die Einhaltung der Datenschutzverordnung ist mir extrem wichtig, da ich mich und andere natürlich schützen möchte. Bei der App hat, soweit ich weiß, nur das Gesundheitsamt Zugang zu den Daten.“

Susanne Engelmann.

Susanne Engelmann (61), Apothekerin aus Waldkraiburg: „Der QR-Code hängt seit etwa drei Wochen in unserem Schaufenster, sodass man ihn auf alle Fälle nutzen kann. In einer Apotheke hält man sich eher nur kurz auf, während in anderen Geschäften und ganz besonders in Lokalen der Aufenthalt natürlich länger dauert. Bei privaten Treffen werde ich meine Gäste bitten diese App zu nutzen. Für alle Nicht-Geimpften wäre sie auf alle Fälle ratsam, vor allem wenn das kulturelle Leben wieder losgeht und Treffen erlaubt sind. Uns selbst ist Datenschutz extrem wichtig. Privatpersonen könnten das hingegen ein bisschen lockerer nehmen, denn unser Ziel sollte sein, die Pandemie in den Griff zu bekommen. In dieser Ausnahmesituation, in der wir uns befinden, sollten Menschenleben und die Gesundheit auf alle Fälle über dem Datenschutz stehen. Wenn eine App dabei hilft, dann ist das ein guter Weg“.

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