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Eisenbahnknoten Mühldorf entsteht

Vor 150 Jahren startete die Bahnlinie München - Mühldorf

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  • Josef Bauer
    vonJosef Bauer
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Mit der feierlichen Einweihung am 1. Mai 1871 wurde die Bahnstrecke München–Mühldorf und der Bahnhof Mühldorf eröffnet. Diese Strecke war das Fundament für den Ausbau des Eisenbahnknotenpunkts Mühldorf. Trotz des Krieges in Frankreich konnte die Strecke ohne größere Verzögerungen dem Verkehr übergeben werden.

Mühldorf – Die Stadt Mühldorf hatte bis zum Jahre 1860 nur rund 2000 Einwohner, die sich auf die Altstadt an der Innschleife verteilten. Die Stadt Mühldorf war damals schon Ämter- und Einkaufsstadt. Der Ausbau der Eisenbahn brachte dann gewaltige Veränderungen. Es gab große Umwälzungen bei der Wirtschaft und in den Einwohnerzahlen.

Der Bau der Eisenbahn und der Ausbau der Post in Mühldorf sorgten für einen Strukturwandel entlang der Bahnlinie. Neue Arbeitskräfte wurden gebraucht und die Mechanisierung der Landwirtschaft schritt voran. Es wuchs ein neuer Stadtteil in Mühldorf, die „Obere Stadt“. Dort entstanden Wohnungen für die Arbeiter der Bahn und der Post. Die Zahl der Einwohner kletterte auf 10.000.

Mühldorf wurde zum Knotenpunkt

Unter den 19 Linien, die der bayerische Staatsminister für Handel und Öffentliche Arbeiten, Gustav von Schlör, dem Bayerischen Landtag vorschlug, finden sich als dritte die Linie Rosenheim-Mühldorf und als zehnte die Linie Mühldorf-Vilshofen. In Bayern bestand damals schon bereits die Ostbahn.

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Auch sie war unter Gustav von Schlörs Einfluss bereit, im Einvernehmen mit dem Staat ihr Netz zu erweitern. Als dritte Linie schlug sie eine Verbindung zwischen Straubing und Mühldorf vor. Es war klar, dass diese großen Pläne nur allmählich verwirklicht werden konnten. Aber eines zeigte sie deutlich: die Stadt Mühldorf wurde ein Knotenpunkt und gewann damit eine erhebliche Verkehrsbedeutung.

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Die für Mühldorf wichtigste Linie, die von München, fehlte in dem neuen Entwurf. Der Grund: Die Linie hatte der Landtag bereits am 5. Oktober 1863 genehmigt, allerdings unter der Voraussetzung, dass sie in Simbach Anschluss an die nach Osten führende Bahn erhalte.

Sonst sollte die bayerische Linie über Erding-Vilsbiburg nach Neuhaus bei Passau gebaut werden. Da Österreich sich mit der Erbauung der Braunauer Linie einverstanden erklärte, war die Entscheidung zugunsten Mühldorfs ausgefallen.

Wasserburg protestiert

In der Zwischenzeit, also noch vor Schlörs Entwurf, hatte sich ein Komitee gebildet, das die Erbauung einer Linie Rosenheim-Mühldorf-Straubing-Cham anstrebte. Viele Sitzungen und Versammlungen wurden abgehalten, Denkschriften verfasst und Briefe hin und her geschrieben.

Aber schließlich kam es zu einer Verbindung zwischen Straubing und Neufahrn in Niederbayern und damit zum Anschluss an die Hauptlinie München-Regensburg. Das ursprüngliche Projekt zerschlug sich. Auch in Landshut hatte sich eines von zahlreichen Komitees gebildet. Hier schlug man eine Linie von Landshut über Neumarkt nach Altötting vor, und eine zweite über Haag nach Wasserburg-Rosenheim.

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Aber bei einer in Landshut abgehaltenen Versammlung, bei der hauptsachlich die niederbayerischen Städte vertreten waren, wurden diese Pläne verworfen. Stattdessen hielt man an der Linie über Mühldorf fest und befürwortete zudem Strecken von Neumarkt nach Landshut sowie nach Passau.

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Der Bau der Bahnline München-Mühldorf-Neuötting verzögerte sich, weil die jungen Bayern zum Kriegseinsatz in Frankreich eingezogen wurden. Im Sommer 1868 sollte im Mühldorfer Bezirk mit den Arbeiten begonnen werden. Die Stadt erklärte sich bereit, im Bruderhaus entsprechende Räume für Kranke und verletzte Bauarbeiter zur Verfügung zu stellen, auch die ärztliche Betreuung war gesichert.

Die Bauarbeiten an der Strecke München–Simbach starteten im Frühjahr 1868. Ein Heer billiger Arbeitskräfte war bei den gewaltigen Erdbewegungen eingesetzt, die zur Herstellung der Einschnitte und Dämme erforderlich waren – alles in reiner Handarbeit, mit primitivstem technischen Gerät. Es erscheint heute unvorstellbar, welch mörderische Leistungen den im Akkord schuftenden Menschen abverlangt wurden.

So ging der Bau der Bahn trotz des Krieges mit Frankreich zügig voran: Am 1. Mai 1871 wurde die Strecke München-Mühldorf-Neuötting in Betrieb genommen. Einen Monat später fuhren die Züge bis Simbach. In jeder Richtung verkehrten täglich zwei Züge, die Fahrtdauer von München bis Neuötting betrug dreieinviertel Stunden.

Gustav von Schlör.

Weichen für zweigleisigen Ausbau

Den damaligen Grunderwerb für den Streckenbau ließ die Generaldirektion der königlich bayerischen Verkehrsanstalten großzügig vornehmen. Mit Ausnahme von zwei Stellen wurde der Bahnkörper von Anfang an für die Aufnahme von zwei Gleisen vorbereitet. Von dieser Entscheidung profitiert die ABS38 noch heute entscheidend.

Der Linienstern in Mühldorf bringt acht Bahnlinien zusammen. Seit 1994 führen dort Zugverbindungen in Richtung München, Landshut, Passau, Simbach, Burghausen, Salzburg, Traunstein und Rosenheim.

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