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Innkanal als Entsorgungsort

Einbrüche beim Spezl und beim Nachbarn: So beurteilt Mühldorfer Gericht die Reue des Angeklagten

Der Innkanal als Entsorgungsort: Dort wollte der Angeklagte die Waffen versenken, die er bei einem Einbruch erbeutet hat. Bevor er aber dazu kam, wurde er verhaftet.
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Der Innkanal als Entsorgungsort: Dort wollte der Angeklagte die Waffen versenken, die er bei einem Einbruch erbeutet hat. Bevor er aber dazu kam, wurde er verhaftet.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Unter Tränen entschuldigt sich der Angeklagte bei den Opfern, in deren Häuser er im Landkreis Mühldorf eingebrochen ist. Für das Schöffengericht sind damit aber nicht alle Fragen geklärt.

Mühldorf – Was im Saal 116 vor Richter Florian Greifenstein und seien Schöffen geschieht, lässt niemanden kalt. Die Tochter eines Einbruchsopfers nicht, die sich immer wieder zu Wort meldet, bis der Richter sie ermahnt. Den Vater des Angeklagten nicht, der sich zwischen den Plädoyers und dem Urteil Tränen aus den Augen reibt. Und nicht den Angeklagten, der sich direkt an die Angehörigen wendet.

„Es tut mir wahnsinnig leid, was ich ihrem Vater angetan habe“, sagt er und stockt, Tränen unterbrechen seine Entschuldigung. Dem Richter sagt er: „Auch wenn die U-Haft die Hölle ist, habe ich es als angemessen erachtet, dass ich eingesperrt wurde.“ Das Schlimmste seien die Vorwürfe, die er sich mache. Dann bittet er um eine Bewährungsstrafe.

Entschuldigung unter Tränen

D. ist 35 Jahre alt, breitschultrig, im Ohr steckt ein großer Ring, ein sogenannter Tunnel. Der kräftige rechte Arm ist tätowiert. D. ist Automechatroniker, hat die Technikerschule absolviert und in den letzten zehn Jahren verschiedene Arbeitgeber gehabt. Ein halbes dutzend Mal ist er rausgeflogen, er leidet an einer leichten Depression. Im Februar 2020 wird er nach einer neuerlichen Kündigung zum Einbrecher. „Ich habe einen Arschtritt bekommen, dafür, dass ich mich körperlich und geistig aufgearbeitet habe“, sagt er. „Ich habe versucht mich aus dieser Opferrolle zu befreien.“

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Das Nachbarhaus ist verlassen, der Bewohner lebt im Altenheim. Zu seiner Überraschung entdeckt D. im Haus einen Waffenschrank. „Es war ein Glücksgriff, im Nachgang das Schlimmste, was passieren konnte.“ D. erzählt sehr ruhig. Die Hände liegen vor ihm gefaltet auf dem Tisch. Auch der Rest der Beute erfreut ihn: „Mit der Menge an Edelmetall habe ich nicht gerechnet.“ Gold und Silber verkauft er im Internet.

Den größten Teil des Gewinns, über 10 000 Euro, verwendet er, um ein Gewerbe als Hypnosecoach aufzubauen, womit er aber scheitert. D. sagt, er habe anderen professionell helfen wollen, weil er aus eigener Erfahrung wisse, wie wichtig Hilfe sei. „Bei Ihnen hat das ja nicht so funktioniert“, wendet Richter Greifenstein ein. D. stimmt zu. Die Waffen behält er, „weil ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren konnte, dass sie in falsche Hände fallen“. Er will sie im Innkanal entsorgen, irgendwann.

Erst nach dem zweiten Einbruch im Visier der Polizei

Was als Jagdfreundschaft begann, endete als Fiasko, als einer der beiden Spezln beim anderen einbrach.

Ein halbes Jahr später dann die Tat, die ihn ins Visier der Polizei bringt. D. dringt in ein unbewohntes Haus in Altmühldorf ein. Das, so stellt er es vor Gericht dar, ist eher eine Beziehungstat. Denn der Hausbesitzer war bis zu einem Streit ein guter Freund.

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Und während bei D. alles schief geht, gelingt dem ehemaligen Spezl alles. „Da habe ich eine Höllenwut gehabt.“ Richter Greifenstein nennt dieses Motiv „einigermaßen skurril“.

In dem Haus findet D. Militärkleidung, Zinnkrüge, Messer, antike Nähmaschinen. Die original verpackte Bundeswehrkleidung will er selbst tragen, wenn er als Jäger unterwegs ist.

Halluzinogene Pilze gegen die Depression

Nach dem ersten Einbruch gibt es keinen Hinweis auf D. Erst das Opfer des zweiten Einbruchs erzählt der Polizei von D. Ein Nachbar hat in der Einbruchsnacht ein Auto gesehen, wie D. es fährt.

„Wir haben eine Freundschaft aufgebaut und viel Sachen zusammen gemacht“, sagt das Opfer. Die Ausrüstung habe dem Angeklagten vermutlich imponiert.

Trunkenheitsfahrten, Cannabis, Speed und Extasy, dazu halluzinogene Pilze, auch als Therapieversuch gegen die Depression, der Gutachter spricht von „schädlichem und nicht unproblematischen Konsum verschiedener Substanzen“, die aber nicht zu einem Kontrollverlust geführt hätten. Zur Schuldunfähigkeit führt auch die leichte Depression nicht. Wegen Einbruchsdiebstahls als Jugendlicher ist D. vorbestraft.

Doch noch ins Gefängnis

Er wirkt angefasst, als der Psychiater über ihn spricht, als Rechts- und Staatsanwalt ihre Einschätzung verkünden. Das Schöffengericht beeindruckt das wenig. Es schickt D. für ein Jahr und neun Monate ins Gefängnis wegen Einbruchs mit Waffen. Eine Bewährung gibt es nicht. D. atmet schwer.

Taten geplant, nicht spontan

Richter Greifenstein würdigt zwar, dass D. alles zugegeben und sich glaubwürdig entschuldigt habe. „Aber auch dabei ging es vor allem um ihn.“ Die Taten seien keinesfalls spontan gewesen, sondern vorbereitet. Den Schaden nannte er hoch, bei der zweiten Tat sei es außerdem um die bewusste Schädigung eines Menschen gegangen.

D. hat sich inzwischen gefasst. Er packt seine Brotzeittüte ein, setzt die Corona-Maske auf, zwei Polizisten geleiten ihn zurück ins Gefängnis nach Landshut.

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