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Girls Day im Holzwerk

Einblicke in den Alltag einer Chefin – Ingrid Obermeier-Osl zeigt vier Mädchen ihre Firma

„Ich werde Chefin“ – unter diesem Motto stand der Girls Day im Holzwerk Obermeier: (von links) Marina Pfeilstetter, Sara Unterreitmeier, Sabrina Bauer, Geschäftsführerin Ingrid Obermeier-Osl und Hannah Ring.Sutherland
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„Ich werde Chefin“ – unter diesem Motto stand der Girls Day im Holzwerk Obermeier: (von links) Marina Pfeilstetter, Sara Unterreitmeier, Sabrina Bauer, Geschäftsführerin Ingrid Obermeier-Osl und Hannah Ring.Sutherland
  • Nicole Sutherland
    VonNicole Sutherland
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Gerade mal 30 Prozent der Unternehmen in Oberbayern werden aktuell allein von Frauen geführt oder von ihnen mitgeführt. Damit sich daran etwas ändert, stand der bundesweite Girls Day 2022 der Industrie- und Handleskammer IHK unter dem Motto „Ich werde Chefin“. Auch Ingrid Obermeier-Osl, selbst Geschäftsführerin im Holzwerk Obermeier, gab an diesem Tag vier interessierten Schülerinnen Einblicke in ihre Arbeit.

Schwindegg – Ingrid Obermeier-Osl ist außerdem IHK-Vizepräsidentin und Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf sowie Vorsitzende des IHK-Ausschusses. „Seit mein Mann an Krebs gestorben ist, bin ich im Familienunternehmen als Geschäftsführerin gelandet“, erzählt sie von ihrem Schicksalsschlag. Und sie berichtet den Mädchen auch von ihrer eigenen Kindheit. „Ich habe nicht so gerne mit Puppen gespielt, lieber mit dem Kaufladen. Etwas zu verkaufen hat mir immer schon gefallen.“

Marina Pfeilstetter, 13, Realschule Haag. Ihr Papa hat eine Autowerkstatt und der Onkel einen Hof, auf dem sie mithilft. „Ich kenne auch schon kleine Unternehmen und habe den Vergleich zu einem Größeren gesehen.“ Sie wollte sich informieren, wie ein Tag als Chefin ist. „Ich möchte eher etwas mit Tieren machen und mich selbstständig machen. Reizen würde mich daran, dass ich selbst entscheiden kann und nicht auf jemanden angewiesen bin.“ Marina meint, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf könnte ein Problem sein: „Die Zeit wird ja nicht länger.“

Schon früh war sie mit dem Vater im Sägewerk und durfte mit der Rechenmaschine rechnen. So wurde aus ihr eine Mathematikerin. Auch Sprachen fand sie wichtig, Italienisch zum Beispiel und Englisch. Beide Sprachen kann sie in ihrer Unternehmung einsetzen.

Mit dem Bus ins zweite Werk in Babensham

Gerne führte sie die vier Mädchen auf einem Rundgang durch das Sägewerk. Es duftet nach Holz. Auf dem Nasslagerplatz wird Wasser aus der Isen entnommen und über das eingelagerte Holz gesprüht. Das Wasser versickert hinterher wieder.

Das Holz kommt nur aus Deutschland und aus nachhaltiger Waldwirtschaft. In der Halle, in der die Säge steht, sahen die Mädchen, wie die großen Holzstämme auf einem Förderband in die geräuschvolle Holzschneidemaschine laufen und zu Brettern geschnitten werden. Diese Bretter werden in kurze Teile geschnitten und miteinander verleimt, bis hin zur fertigen Platte.

In einem CT, ähnlich dem Computertomographen, den man aus einem Krankenhaus kennt, werden Holzfehler erkannt und ausgeschnitten. Wieder werden kurze Teile zu längeren verleimt und im Versand werden die fertigen Produkte gestapelt. Das Holzwerk liefert Holz an die Möbelindustrie und Paletten an die Industrie. Auch Holz für Holzspielzeuge stellt es her. Der Baum wird zu 100 Prozent verarbeitet. Es bleiben keine Reste. Sägenebenprodukte wie Hackschnitzel werden zu Briketts gepresst. Mit dem Bus fährt die Firmenchefin die Mädchen in das zweite Werk nach Babensham.

Hannah Ring, 12, Gymnasium Mühldorf. Hannahs Papa ist Versicherungsmakler, die Mama arbeitet in einer Bank. „Es ist schön, dass der Baum zu 100 Prozent verwertet wird. Interessant daran, Chefin zu sein, finde ich, dass man etwas bestimmen und etwas leisten kann. Auch dass man mit Menschen zusammenarbeitet und darauf achtet, dass es ihnen gut geht.“ Dass es ein Problem sein könnte, Familie und Kinder unter einen Hut zu bringen, ist für sie noch weit weg. Klar ist, „Wenn du arbeiten musst, kannst du nicht immer für die Kinder da sein.“

„Ganz schön vielseitig, was man können muss“

Damit die vier jungen Besucherinnen einen Eindruck von ihrer Arbeit als Geschäftsführerin bekommen, skizziert Ingrid Obermeier-Osl ihre Arbeitswoche. Post erledigen, die Finanzwirtschaft kontrollieren, sich um Belange der Mitarbeiter kümmern, Verpflichtungen und Ehrenämter wahrnehmen sind nur ein kleiner Auszug davon.

Sabrina Bauer, 14, Realschule Haag. Sabrinas Vater ist Betonschleifer mit eigener Firma und einem Unternehmeralltag, der früh beginnt und spät aufhört. Sie ist neugierig darauf, wie es für die Geschäftsführerin in einer Männerdomäne läuft: „Vielleicht übernehme ich ja Papas Firma mal.“ Aus Ingrid Obermeier-Osls Vortrag nimmt sie mit, dass es wichtig ist, gut mit Leuten umgehen zu können. Zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie denkt sie: „Man hat ja nicht mehr Zeit deswegen. Man hat nur einen Tag – und Familie und Beruf müssen beide hineinpassen.“

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Sara Unterreitmeier, 14, Realschule Haag. Der Papa von Sara war Elektriker und ist seit einem schlimmen Autounfall zu Hause. Die Mama arbeitet in einer Apotheke. Zu ihren Eindrücken über die Betriebsführung sagt sie: „Ich habe es richtig cool gefunden und finde es schön, dass nachhaltig produziert wird. Ich möchte später etwas Handwerkliches machen und nicht am Computer sitzen. Ich möchte in die Natur gehen und praktisch arbeiten.“ Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist weniger ein Problem, denkt sie: „Man kann sich die Arbeitszeit ja selbst einteilen.“

Die Mädchen waren sichtlich beeindruckt von dem, was sie hören und sehen. „Es ist ganz schön vielseitig, was man können muss“, sagt Obermeier-Osl. „Man muss als Unternehmerin bereit sein, mehr als acht Stunden zu arbeiten. Wichtig ist es, sich mit seiner Firma zu identifizieren.“

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