Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Caritas Mühldorf erhielt keine Anschlussfinanzierung für Modellversuch

Aus für Fachstelle zur Prävention von Wohnungslosigkeit 2021: Wie ist die Lage nun?

Mit einer Spendenaktion für Obdachlose, gemeinsam mit der Caritas Mühldorf am Inn, könnt ihr helfen. Das Team der Caritas Fachstelle zur Prävention von Wohnungslosigkeit (von links): Franziska Münch, Sabine Dietrich, Sigita Baika.
+
Zum Jahresende 2021 lief die Finanzierung der Fachstelle für Wohnungslosigkeit des Caritas Fachzentrums Mühldorf aus. Der Kreistag stimmte dann mehrheitlich gegen eine Anschlussfinanzierung. Das Team der Caritas Fachstelle zur Prävention von Wohnungslosigkeit (von links): Franziska Münch, Sabine Dietrich, Sigita Baika.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
    schließen

Ein Jahr ist es her, dass dem Modellversuch einer Fachstelle zur Prävention von Wohnungslosigkeit des Caritas-Zentrum Mühldorf am Inn durch den Kreistag keine Anschlussfinanzierung genehmigt wurde. Wir haben uns erkundigt, wie sich die Lage inzwischen entwickelt hat.

Mühldorf am Inn - „Die Kreisstadt Mühldorf am Inn ist im Rahmen ihrer Aufgaben als Sicherheitsbehörde in Fällen von Obdachlosigkeit, beispielsweise durch Verlust der Wohnung verpflichtet, die Obdachlosigkeit als Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu beseitigen. Für die Unterbringung Obdachloser ist immer diejenige Gemeinde zuständig, in der die Betroffenen obdachlos werden. Dieser Pflichtaufgabe kommt die Kreisstadtdurch eine rasche Einweisung in die städtische Obdachlosenunterkunft nach“, so das Ordnungsamt der Stadt gegenüber unserer Redaktion, „Weitere Aufgaben, vor allem im Bereich der Prävention, können durch die Stadt im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit und der vorhandenen Qualifikationen nur sehr eingeschränkt wahrgenommen werden. Dabei hat die Fachstelle zur Prävention von Wohnungslosigkeit des Caritas-Zentrums Mühldorf am Inn hervorragende Unterstützung geleistet. Vor allem bei der oft aufwändigen individuellen Betreuung im Vorfeld anstehender Wohnungsräumungen war die Caritas unabhängig von behördlichen Strukturen eine wertvolle Hilfe für die Betroffenen.“

Vor fast einem Jahr war Schluss für die Fachstelle zur Prävention von Wohnungslosigkeit des Caritas-Zentrums Mühldorf am Inn. Sie war zwei Jahre zuvor als befristeter Modellversuch, finanziert durch das Sozialministerium, ins Leben gerufen worden. Der Kreistag sprach sich dann allerdings mit 29:7 Stimmen gegen eine Anschlussfinanzierung aus. Es gäbe „im Rahmen der bestehenden Strukturen und Aufgaben bei den Kommunen, dem Jobcenter, der Sozial- und Jugendhilfe, sowie der Integrationsberatung aber auch der Schuldner- und Insolvenzberatung bereits vielfältige Anlaufmöglichkeiten, an die sich Bürgerinnen und Bürger wenden können, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind“, so die Kreisverwaltung in Ihrer Stellungnahme damals. „Diese Entscheidung fiel, obwohl es unbestritten ist, dass die Situation auf dem Wohnungsmarkt extrem angespannt und es gerade für sozial schwächere Menschen schwierig ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden“, kommentierte dies die Fachdienstleiterin der Sozialen Dienste im Caritas-Zentrum Mühldorf, Franziska Münch.

Aus für Fachstelle zur Prävention von Wohnungslosigkeit 2021: Wie ist die Lage nun?

„Momentan wenden sich Betroffene nun an die von der Kreisverwaltung genannten Stellen. Aber wir merken im Rahmen unserer übrigen Tätigkeit, dass der Bedarf sehr steigt“, berichtet Münch ein Jahr danach. „Beispielsweise ist die Nachfrage nach Lebensmittelgutscheinen drastisch gestiegen. Wir erwarten daher, dass durch die aktuelle Energiepreis-Krise die Situation nur noch ärger werden wird.“ Es gibt allerdings auch kritische Stimmen nach dem Aus für die Fachstelle. „Bei der Befürwortung dieser Fachstelle sind wir damals von einem anderen Grundgedanken ausgegangen als es letztendlich der Fall war. Wir erhofften uns Unterstützung bei der Wohnungssuche beziehungsweise Lösungsvorschläge zur Vermeidung der Obdachlosigkeit und kurzfristige Hilfe der Personen, für die Obdachlosigkeit drohte“, so die Stadt Neumarkt-Sankt Veit.

„Diesen Problemen konnten aber mit dem Angebot der Fachstelle nicht abgeholfen werden. Somit hat sich Hinsichtlich der Entwicklung seit Aufgabe der Fachstelle bei uns nichts verändert zur Situation vorher.“ - „Wir können leider selbst keinen Wohnraum vorhalten“, entgegnet Münch dem, „Unsere Arbeit bestand, wie der Name schon sagt, vor allem in der Prävention von Wohnungslosigkeit, also das es bei gefährdeten Menschen gar nicht erst so weit kam. Viel unserer Arbeit drehte sich dabei um die individuelle Betreuung von Betroffenen, etwa indem wir uns bemüht haben, deren grundsätzliche Wohnfähigkeit beziehungsweise Verträglichkeit als Mieter zu fördern, dabei beraten wie sie sich ihr Geld einteilen müssen um Rechnungen bezahlen zu können und so weiter.“

Sozialpädagogische Hilfe kommt an Grenzen, wo es an Wohnraum mangelt

„Inwieweit die Schließung des Angebotes der Caritas ursächlich für einen feststellbar erhöhten Beratungsbedarf ist, kann die Stadt Waldkraiburg nicht sagen, da wir hierzu bisher keine Statements unserer Kundinnen und Kunden erhalten haben. Tatsächlich ist erkennbar, dass durch die Energiekrise, der steigenden Inflation, des Zuzugs von Flüchtlingen bei vorhandenen stagnierenden Wohnungsbau die Zahl der Menschen in Waldkraiburg wächst, die sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können und keinen bezahlbaren Wohnraum erhalten“, heißt es schließlich aus der Industriestadt, „Wohnungslosigkeit hat zudem vielfältige sonstige, in den persönlichen Bereich anzusiedelnde Ursachen wie Trennung vom Partner, Überschuldung, Suchterkrankungen und häusliche Gewalt.“

„Wir wenden uns den Menschen so zu, dass sie ihre Würde nicht verlieren und versuchen in den Gesprächen die Ursachen zu ergründen und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. In vielen Fällen haben wir Erfolg. Wo dies nicht der Fall ist und eine Einweisung in eine Notunterkunft unausweichbar ist, begleiten wir diese Menschen in enger Verzahnung zu der Sachbearbeitung Wohnungshilfen wie die Beantragung eines Wohnberechtigungsschein und weiteren Stellen wie den diversen Sozialhilfeträgern, mit dem Ziel einer möglichst schnellen Resozialisierung. Im Gegensatz zu einer zeitlich begrenzten externen Sprechstunde ist es uns durch die enge räumliche und dienstliche Verzahnung möglich, eine möglichst schnelle, kompetente und effektive Hilfestellung zu geben. Ohne die Arbeit der Caritas beurteilen zu können und zu wollen, wird es unseres Ermessens des planvollen Ausbaus der Hilfeleistungen bedürfen, um dem wachsenden Bedarf an Wohnungshilfen gerecht zu werden. Allerdings kommen sämtliche sozialpädagogische Hilfeleistungen dort an ihre Grenzen, wo es an ausreichenden bezahlbaren Wohnraum mangelt.“ - „Dem kann ich nur voll zustimmen“, bemerkt Münch abschließend.

hs

Kommentare