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Nach Überprüfung durch die Universität

Doktorhut abgegeben: So reagiert die Region auf den Schritt des CSU-Generals Martin Huber

Generalsekretär ohne Doktortitel: Martin Huber reagierte jetzt auf eine Untersuchung der Universtität München.
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Generalsekretär ohne Doktortitel: Martin Huber reagierte jetzt auf eine Untersuchung der Universtität München.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
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  • Dirk Walter
    Dirk Walter
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Eine Überprüfung, die Folgen hat: Nachdem Mängel an der Dissertation von Martin Huber entdeckt wurden, gibt der CSU-Generalsekretär aus Töging freiwillig seinen Titel zurück .Das sind die ersten Reaktionen der regionalen CSU-Parteikollegen.

Töging/Mühldorf – Als Reaktion auf die Überprüfung seiner Doktorarbeit durch die Münchner Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) CSU-Generalsekretär Martin Huber am Freitag, 11. November, seinen Doktortitel freiwillig zurückgegeben. Damit reagierte der Töginger auf das Urteil des Prüfungsausschusses, dass man seine Arbeit nicht als Dissertationsleistung annehmen hätte dürfen.

Überrascht und enttäuscht

Überraschend und enttäuschend sei die Beurteilung der Universität für ihn gewesen, sagte Huber auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Gleichwohl akzeptiere und respektiere er dieses Urteil. „Es ist gut, dass die Prüfung nun abgeschlossen ist, meine volle Konzentration gilt weiter meiner Arbeit als CSU-Generalsekretär.“

Dass er für seine „sehr gute Arbeit“ keinen Doktortitel brauche, betont Max Heimerl in einer ersten Reaktion. „Dass er diesen nun zurückgibt, obwohl für die Universität selbst die Voraussetzungen für einen Entzug nicht gegeben sind, spricht für Martin Huber und verdient unseren Respekt“, sagt Heimerl, der Landrat ist auch CSU-Kreisvorsitzender.

Auch Stephan Mayer zollt seinem Parteifreund Anerkennung für einen Schritt, der sicher nicht leicht gewesen sei, so der Bundestagsabgeordnete auf Nachfrage. „Entscheidend für einen guten Politiker ist nicht, ob er einen Doktortitel trägt, sondern ob er sich leidenschaftlich, kompetent und bürgernah einsetzt. Für mich ist Martin Huber ein herausragender und bürgernaher Politiker.“

Über die Vorgänge der Überprüfung wisse er nicht Bescheid, sagte Mayer. Genauso wenig wie der ehemalige Ampfinger Landtagsabgeordnete und Staatsminister Dr. Marcel Huber, der sich nicht anmaßen wolle, den Vorgang zu bewerten. Den Titel zurückzugeben, sei eine persönliche Entscheidung von Martin Huber. Jedoch scheint der promovierte Tierarzt durchaus mitfühlen zu können. Denn: „Ich habe meinen Titel durch elf Jahre Kabinett gerettet und weiß nicht, wie viele Leute versucht haben, diesen zu zerlegen.“

Entscheidung nach so vielen Jahren seltsam

Marcel Huber verweist auf den Aufwand, den man als Doktorand in seine Dissertation stecke. Im Rahmen seiner tiermedizinischen Arbeit seien es zweieinhalb Jahre intensiver Messungen bei Bullen samt Auswertungen gewesen. Einer experimentellen Arbeit sei seiner Ansicht nach schwieriger beizukommen als einer geisteswissenschaftlichen. Dennoch: Dass Universität oder Doktorvater Fehler wissenschaftlichen Arbeitens erst Jahre später feststellen, sei ein wenig seltsam.

Immer kollegial erlebt

Dass man „solche Angriffe“ auf die Person Martin Huber nicht hochhängen sollte, merkt Klaus Stöttner an. Der Rosenheimer CSU-Landtagsabgeordnete kenne und schätze Martin Hubers Arbeit im Landtag aus eigener Erfahrung seit 20 Jahren. Der Verlust des Doktortitels sei unerheblich; es zähle das, was bei Martin Hubers Arbeit herauskomme, so Stöttner auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Martin Huber hat sich stets verlässlich und kollegial verhalten. Er hat starke umweltpolitische Themen eingebracht, die sich durchgesetzt haben.“

Maßstäbe des wissenschaftlichen Arbeitens verletzt

Huber hatte die LMU kurz nach seiner Kür zum CSU-Generalsekretär im Mai selbst gebeten, seine Arbeit erneut zu überprüfen. Anlass waren Vorwürfe des Plagiatsforschers und Journalisten Jochen Zenthöfer, der Maßstäbe des guten wissenschaftlichen Arbeitens verletzt sah und das mit Details belegte. Huber hatte 2007 eine Arbeit mit dem Titel „Der Einfluss der CSU auf die Westpolitik der Bundesrepublik Deutschland von 1954-1969 im Hinblick auf die Beziehungen zu Frankreich und den USA“ bei Prof. Alois Schmid in bayerischer Geschichte promoviert. Schmid hatte schon im Sommer unserer Zeitung gesagt, er könne die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Dass Huber bei Abgabe seiner Arbeit schon aktiver CSU-Politiker gewesen sei, sehe er nicht als Problem.

Täuschungsabsicht nicht nachgewiesen

Huber habe zwar die übernommene Literatur angegeben, teilte die LMU am Freitag mit. Er habe aber die wissenschaftlichen Gepflogenheiten im Umgang mit Forschungsliteratur nicht eingehalten, nach denen wörtliche und inhaltliche Übernahmen zu unterscheiden seien. „Dass Fach und Leserschaft über das Verhältnis von Eigenleistung und Leistung anderer Autoren im Unklaren gelassen würden, lege den Verdacht der Täuschung nahe“, hieß es weiter. Eine Täuschungsabsicht habe aber nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden können.

Verjährung ist eingetreten

Die Voraussetzungen für einen etwaigen Entzug des Doktorgrades sind laut LMU nicht gegeben, weil erstens die Täuschung nicht zweifelsfrei habe nachgewiesen werden können und zweitens eine Verjährungsfrist eingetreten sei. Plagiatsjäger Zenthöfer sieht sich bestätigt: „Ich habe erwartet, dass die LMU meine Ansicht bestätigen würde“, erklärte er gegenüber unserer Zeitung. „Hier liegen eindeutig Plagiate vor.“ Wissenschaftsminister solle Huber nun „besser nicht mehr werden“.

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