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Eine besondere Spendenaktion

Wie eine Wanderin aus Dorfen und ein Ziegenbock aus Buchbach Geld für „Ärzte ohne Grenzen“ sammeln

Drei Wochen trainierte Tanja Hertel (rechts) beinahe täglich auf dem Ziegenhof von Franz und Renate Stadler, um mit Loki auf die große Spenden-Wanderung zu gehen.
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Drei Wochen trainierte Tanja Hertel (rechts) beinahe täglich auf dem Ziegenhof von Franz und Renate Stadler, um mit Loki auf die große Spenden-Wanderung zu gehen.
  • VonAlexandra Anderka
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Tanja Hertel ist derzeit mit dem Ziegenbock Loki zu Fuß auf dem Weg nach Neustadt an der Donau. Vier Wochen ist die 50-jährige Dorfenerin jetzt unterwegs. Was sie mit ihrer außergewöhnlichen Wanderung erreichen will.

Buchbach – „Komm Loki, komm“, lockt Tanja Hertel den kleinen Ziegenbock und hält ihm frisches Gras vor die Nase. „Wenn er nicht mag, kann er ganz schön bockig werden – im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt sie lachend.

Die 50-jährige Dorfenerin hat sich auf dem Hof von Renate und Franz Stadler bei Buchbach auf eine besondere Reise vorbereitet: Zusammen mit Loki ist sie jetzt vier Wochen unterwegs. Ihr Ziel: Neustadt an der Donau und Spenden für „Ärzte ohne Grenzen“ sammeln.

Rücksicht trifft auf Sturheit

Ursprünglich wollte sie von den Bergen bis zum Meer zu gehen – 1000 Kilometer. Dafür hatte sie drei Monate veranschlagt. Ihr Urlaub war schon genehmigt. Doch dann fiel unerwartet eine Kollegin aus. „Ich kann mein Team nicht alleine lassen“, erklärt die Erzieherin, die die Kinderinsel in Erding leitet, und kürzte ihre Wanderung auf vier Wochen.

Loki mag immer noch nicht vorwärtsgehen. Ziegenbauer Franz Stadler ermahnt sie: „Du musst ihm zeigen, wer der Herr ist. Notfalls an den Hörnern packen und weiterziehen.“ Hertel lacht: „Das hat mir der Franz schon so oft gesagt, aber ich bin halt Erzieherin und gehe rücksichtsvoll mit dem Ziegenbock um – wie mit meinen Kindern.“

„Trainingscamp“ auf dem Stadler Hof bei Buchbach

Das Autoritäre entspricht nicht ihrem Charakter. Dennoch gibt sie sich zuversichtlich. Drei Wochen trainierte die 50-Jährige mit dem knapp sechs Monate alten Ziegenbock, um Kondition aufzubauen. Das Tier lebt mit 19 weiteren Geißlein auf dem Hof der Stadlers in Zeil bei Buchbach.

Vor 30 Jahren kam das erste Tier auf den Hof, weil die Tochter an Neurodermitis litt und die Ziegenmilch half. Die Tochter ist mittlerweile ausgezogen, die Ziegen sind geblieben. Renate Stadler hat sich mit Kasweckerl, Mozzarella, Hüttenkäse und einer Art Feta, alles aus Ziegenmilch, die sie in umliegenden Geschäften anbietet, ein zweites Standbein aufgebaut.

Hertel war schon immer fasziniert von Ziegen – „weil es so kluge Tiere sind“ – und hat sich deshalb für sie als Wanderbegleitung entschieden. Den Hof der Stadlers fand sie übers Internet. Das Paar war von Hertels Idee sofort begeistert und gab ihr Ziegen-Tipps.

Die Idee kam durch afrikanische Flüchtlinge

„Ich mache die Wanderung aber nicht aus Spaß“, erklärt sie. Die verheiratete Mutter von zwei Söhnen (19 und 16) möchte damit, Spenden sammeln. Die Idee kam ihr über eine afrikanische Familie, deren Kinder sie in der Kinderinsel betreute. „Dadurch ist mir klar geworden, in welch behüteter Welt wir leben, selbst wenn die jetzt auch ein bisschen aus den Fugen geraten ist.“ Bei der Flüchtlingsfamilie sei es in der alten Heimat jeden Tag darum gegangen zu überleben. Die Mutter habe einmal stolz gesagt: „Ich bin eine gute Mutter, ich kann meine Kinder ernähren.“

Die Begegnung habe sie sehr berührt. „Wir haben einfach das Glück, am richtigen Ort geboren zu sein.“ Mit ihrer Aktion möchte sie zu ein bisschen mehr Gerechtigkeit beitragen, „dass diese Menschen nicht so zu kurz kommen.“ Bei ihrer Spenden-Wanderung arbeitet sie mit „Ärzte ohne Grenzen“ zusammen, weil sie von deren Arbeit überzeugt ist. Hertel hat in ihrem Rucksack nur das Nötigste dabei: Isomatte, Einmann-Zelt, Unterwäsche, lange und kurze Wanderhose, drei T-Shirts, einen Pulli, Bikini, ein Handtuch, Blasenpflaster, Notfall-Kitt, Zahnbürste, Sonnencreme. „Und ganz wichtig: Rei in der Tube, um Kleidung zur Not im Fluss zu waschen.“

Nur keinen Stress aufbauen

Die Wanderin hofft, auch mal auf einem Campingplatz oder Hof unterzukommen. Den Weg hat sie mit einer App geplant, Tagesziele habe sie aber nicht. „Denn wenn Loki nicht mag, geht gar nichts mehr. Erst recht nicht, wenn ich Stress aufbaue.“ Verständnisvoll schaut sie den jungen Ziegenbock an, der sich mit seinem Gesicht an ihre Brust schmiegt. „Den geb‘ ich nicht mehr her.“

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