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BEAUTY-BRANCHE VOR DÜSTERER ZUKUNFT

„Die Lage ist unerträglich“: Kosmetikerin aus Waldkraiburg demonstriert gegen Lockdown

Fast sechs Monate innerhalb eines Jahres ist auch die Beauty-Branche im Lockdown. Kristina Pauli (links), Schönheitspflegerin aus Waldkraiburg, hat deshalb kürzlich in München für die Wiederöffnung von Kosmetik-Studios demonstriert.
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Fast sechs Monate innerhalb eines Jahres ist auch die Beauty-Branche im Lockdown. Kristina Pauli (links), Schönheitspflegerin aus Waldkraiburg, hat deshalb kürzlich in München für die Wiederöffnung von Kosmetik-Studios demonstriert.
  • Frank Bartschies
    vonFrank Bartschies
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Es ist die Perspektivlosigkeit, die Kristina Pauli in eine düstere Zukunft blicken lässt. Die Waldkraiburgerin ist staatlich geprüfte Schönheitspflegerin und zeichnet ein drastisches Bild von der aktuellen Situation in ihrer Branche.

Waldkraiburg/Töging – Seit 2. November seien die Salons und Studios erneut geschlossen und niemand wisse: „Wo steuern wir drauf zu?“ Zwei ihrer Kolleginnen aus dem Landkreis Mühldorf hätten mittlerweile Hartz IV beantragt, eine ihren Salon geschlossen.

Viele Lockdown-Vorschriften in der Beauty-Branche selbstverständlich

Einen Monat noch die Zähne zusammenbeißen, das ginge. „Aber was kommt im Herbst?“, fragt Pauli. Sie hat wenig Verständnis für die lang anhaltenden restriktiven Corona-Maßnahmen, da in ihrer Branche viele der jetzigen Lockdown-Vorschriften schon immer gang und gäbe gewesen seien. So sei es selbstverständlich, dass vor jeder Behandlung Hände und Geräte desinfiziert werden, und es gebe auch keinen Massenbetrieb: Üblicherweise werde in Kosmetik-Salons immer nur eine Person bedient, was Kundenüberschneidungen ausschließe.

Drohende Schuldenspirale

Aufgrund dieser Gegebenheiten versteht sie nicht, warum man diese Branche nicht öffnen könne, um der drohenden Schuldenspirale entgegenzuwirken. Viele ihrer Kolleginnen seien mittlerweile mit Schulden im fünfstelligen Bereich konfrontiert, zumal es in der Beauty-Branche auch keine Verkaufsmöglichkeit gebe, wie etwa in der Gastronomie. Der Verband Cosmetic Professional (VCP) argumentiert dazu in einem Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, dass ein Produktverkauf in einem Kosmetikstudio üblicherweise nur im Anschluss an eine Behandlung stattfinde, daher nicht von der Dienstleistung zu trennen sei.

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„Daher kann der Produktumsatz nicht als eigene wirtschaftliche Tätigkeit betrachtet werden und sich negativ auf die Auszahlung von Unterstützungsgeldern auswirken“, so der VCP. Der Vorwurf Paulis an die Politik lautet, den Sommer verschlafen zu haben, statt Konzepte zu entwickeln.

Verband: Verlängerung der Schließung ungerecht und unverhältnismäßig

„Wir kleben nur Nägel drauf“ – gegen dieses Klischee, mit dem sich ihre Branche konfrontiert sehe, wendet sich Pauli entschieden. Sie weist auf das breite Tätigkeitsspektrum von ihr und ihren Kollegen und Kolleginnen hin, das beispielsweise auch Behandlungen nach Narbenbildung, von unreiner Haut oder von geröteten Äderchen im Gesicht, die gesundheitliche Schäden zur Folge haben könnten, umfasse. Derartige Behandlungen vermieden oft auch den Einsatz von Antibiotika. Diese „gesundheitspräventive Dienstleistung“ thematisiert ihr Verband auch in einem Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Länder-Regierungschefs. Der Tenor dieses Schreibens: Bei aller Sorge um die Eindämmung der Covid-19-Pandemie werde „die ständige Verlängerung der Schließungsanordnungen für höchst ungerecht und auch für unverhältnismäßig“ gehalten.

Protest-Kundgebung mit 90 Betroffenen

„Wir werden in eine Schuldensituation gedrängt, für die wir nichts können“, sagt Kristina Pauli. Und um ihrer Branche und ihren Problemen den Politikern gegenüber eine Stimme zu geben, haben sie und ihre Kollegin Kerstin Mittermaier aus Töging kürzlich in München an einer privat organisierten Kundgebung mit knapp 90 Betroffenen aus Bayern teilgenommen. Sie wollten damit ihrer Forderung Nachdruck verleihen, ihrem Beruf wieder nachgehen zu dürfen.

#OVBgesichtzeigen: Betroffene des Lockdowns erzählen ihre Geschichte

„Die Lage ist mittlerweile unerträglich“, bestätigt Kerstin Mittermaier: „Bei den meisten sind die finanziellen Polster aufgebraucht. Wir wissen bald alle nicht mehr, wie’s weitergeht.“ Sie bedauert, dass die Beauty-Branche in der öffentlichen Diskussion um die Lockdown-Auswirkungen gegenüber beispielsweise Frisören oder Gastronomie praktisch untergeht, sagt aber im gleichen Atemzug: „Ich wünsche denen, dass die alle bald wieder aufmachen dürfen!“

Kosmetikerinnen in Hautarztpraxen dürfen arbeiten

Ein Wunsch, den sie auch für sich und ihre Kollegen und Kolleginnen hat, zumal in ihrer Branche Corona-Protokolle geführt würden und jederzeit nachvollziehbar sei, welcher Kunde wann behandelt wurde. Auch sie verweist auf die im Kosmetik-Bereich üblichen Hygiene-Standards: Schon vor dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr sei in den Kosmetik-Salons mit Handschuhen und größtenteils mit Mundschutz gearbeitet worden. Sie empfindet es als Ungleichbehandlung, dass in Hautarztpraxen Kosmetikerinnen arbeiten dürfen, obwohl diese großteils die gleichen Behandlungen vornehmen würden wie in den Studios, aber eben auf ärztliche Anweisung. Die Schließung der privaten Studios über mittlerweile annähernd sechs Monate innerhalb eines Jahres kommentiert Mittermaier mit den Worten: „Das können wir gar nicht reinarbeiten!“

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