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Von Verona bis Bethlehem

Als Krippenbauer um die Welt: Der Landtagsabgeordnete Dr. Marcel Huber über seine Leidenschaft

Dem Sterndeuter Melchior schreibt Dr. Marcel Huber eine besondere Bedeutung in der Ampfinger Krippe zu.
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Dem Sterndeuter Melchior schreibt Dr. Marcel Huber eine besondere Bedeutung in der Ampfinger Krippe zu.
  • vonUrsula Huckemeyer
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Die Werkstatt ist im Moment aus Platzgründen nicht begehbar. Daher stellt Adelgunde Huber in der Stube eine Kiste auf den Tisch. Beim Blick hinein wird schnell klar: hier geht es um die Weihnachtsgeschichte,  die von den Krippenfiguren aus dem Hause Huber künstlerisch erzählt wird.

Ampfing – Seit 47 Jahren widmet sich der Landtagsabgeordnete Dr. Marcel Huber der traditionellen Krippenkunst. Es war ein Feuerwehrgerätewart, der den Ampfinger zum Krippenbau animierte. „Ich war ein 16-jähriger Jugendfeuerwehrler als ich von einem Kollegen gefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm eine alte Pfarrkrippe aus den 1920er-Jahren wieder zum Leben zu erwecken“, erinnert sich Huber. „Die Krippe staubte bereits ein paar Jahrzehnte auf dem Dachboden des Pfarrhofes ein.“ Er sagte zu, und damit fiel der Startschuss für eine wohl lebenslange Passion. Mittlerweile wird der 62-Jährige von seiner Gattin Adelgunde in allen Belangen der Krippenkunst unterstützt.  

Huber will Krippenkultur hochhalten

Mit nichtssagenden Dekorationen haben die Krippen des CSU-Landtagsabgeordneten nichts zu tun. Wenn die Hubers Krippen bauen, dann aus dem christlichem Glauben heraus. „Mit unserer Arbeit wollen wir die über Jahrhunderte gewachsene Krippenkultur hochhalten und pflegen“, sagt Adelgunde Huber. Die Darstellungen leben nicht zuletzt vom handwerklichen Geschick des Ehepaares sowie von dessen ausgeprägtem Sinn für das Edle. 

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Krippenbau sei ein meditativer Akt und ein sich Beschäftigen mit dem Geheimnis des Weihnachtsgeschehens, betont Huber. Seine Krippen sind überwiegend an die Münchner Künstlerkrippen des 19. Jahrhunderts angelehnt. In der Ampfinger Werkstatt entstehen aber auch sogenannte Ruinen-Krippen, die einst ihre Blütezeit in Neapel erlebten und die dem Betrachter einen ganz besonderen Weihnachtszauber schenken (siehe Infokasten).  

Einmal in Bethlehem bei einer Ausstellung dabei

Bevor die Hubers beim Krippenbau ihre Kreativität einsetzen, wird erst eine Bestellung bei einem Schnitzer aufgegeben. Das Ehepaar  erwirbt dort für seine späteren Geschöpfe Kopf, Hände und Füße. „Daraus Figuren zu formen, sie zu bekleiden, zu kaschieren und zu bemalen, gegebenenfalls auch zu vergolden, das sind die Arbeiten die meine Frau und ich leisten“, sagt Huber. Die beiden entwerfen auch die prächtigen Kulissen für die einzelnen Szenen der Weihnachtsgeschichte.

Ein Weihnachtszyklus, gestaltet von Dr. Marcel Huber und seiner Gattin Adelgunde.

Die so entstandenen Krippen durften teilweise eine lange Reise antreten: Eine schaffte es im Jahr 2012 sogar bis nach Bethlehem zur dortigen Friedens-Krippenausstellung.  In Verona, bei der weltberühmten  Krippenausstellung „Natale in Arena“, durfte der Ampfinger mehrere Jahre hintereinander seine Kunstwerke präsentieren. Aber auch in heimischen Gefilden wurde Huber schon oft gebeten, eine seiner Krippen auszustellen. So kam Gloria von Thurn und Taxis auf den CSU-Mann mit dem Wunsch zu, eines seiner Werke in der Gruftkapelle des Schlosses St. Emmeran aufzubauen.

Biblische Illustrationen aus dem Hause Huber in Kraiburg und Buchbach

„Wir brachten jetzt bereits zweimal eine Krippe nach Regensburg“, sagt Huber, der selbstverständlich auch in diesem Jahr die historische Bühnenkrippe der Pfarrei Ampfing ins rechte Licht rücken wird. Darüber hinaus bereichern biblische Illustrationen aus dem Hause Huber die diesjährigen Krippenwege in Kraiburg und Buchbach.

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In der aktuellen Diskussion um die Figur des Mohren in vielen Weihnachtskrippen nimmt Huber eine klare Position ein und schreibt ihm in der Ampfinger Krippe eine wichtige Rolle zu. Einer Herabwürdigung sieht er nicht: „Er ist sogar eine zentrale Figur im Arrangement, denn nur er beherrschte es, die Sternenkarte richtig zu deuten.“ Nach dem Verständnis des Krippenbauers gehören die Heiligen Drei Könige einer gebildeten Klasse von Sternendeutern an. Sie eilten aus verschiedenen Himmelsrichtungen herbei, um dem Jesuskind ihre Aufwartung zu machen. Ein Europäer, ein Mann aus dem Nahen Osten und ein Vertreter Afrikas folgten dem Stern von Bethlehem. Mit rassistischen Tendenzen habe die Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland nichts zu tun.

Münchner Künstlerkrippen

Auch wenn dies kein geschützter Begriff ist, wissen Eingeweihte sofort, was gemeint ist. Im 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich in München eine Krippenkultur entwickelt, die weltweit einmalig ist. Zahlreiche Bildhauer, Schnitzer und Bühnenbildner, wie Sebastian Osterrieder und später Theodor Gämmerler haben der Krippenkunst eine besondere Note gegeben. Max Schmederer hat als Sammler und freigiebiger Gönner der Krippenszene einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass unvergleichliche Krippenlandschaften von höchstem künstlerischem Wert entstanden sind.

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Charakteristisch sind Weihnachtsdarstellungen, die in Ruinen spielen – sowohl orientalischen wie alpenländischen. Die Figuren sind meist mit geschnitzten Köpfen, Händen und Füßen ausgeführt. Die Körper sind meist stoffbekleidet über Drahtgestellen, teilweise kaschiert und bemalt, wie bei Sebastian Osterrieder. Die sehenswerte „Schmederersammlung“ ganz besonderer Münchner Künstlerkrippen befindet sich im Keller des Bayerischen Nationalmuseums in München (zurzeit geschlossen!).

Neapolitanische Krippen

In Neapel besteht eine lange Tradition der Weihnachtskrippen. Charakteristisch für Neapolitanische Krippen ist die Darstellung des Alltagslebens des neapolitanischen Volks im 18. Jahrhundert (aus Sicht der Adligen), die religiösen Szenen treten meist in den Hintergrund. Die Figuren haben Köpfe, Hände und Füße aus Keramik, die Augen sind aus Glas gefertigt. Die Bekleidung ist kunstvoll aus feinsten Stoffen gefertigt. Es wird größten Wert auf die Miniaturisierung der Ausstattung der Szenen gelegt.

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Die Weihnachtsszene selbst spielt ebenfalls meist in Ruinen, oft in verfallenen Tempeln mit römischen Architekturelementen. Im Museum di San Martino in Neapel gibt es eine ganzjährige Krippenausstellung. Dort befindet sich auch die große Krippe des Sammlers Michele Cuciniello, die etwa achthundert Hirten, Haustiere und Zubehör umfasst und im Jahre 1879 eröffnet wurde. Bei uns sind im Bayerischen Nationalmuseum und im Freisinger Diözesanmuseum sind wunderschöne Beispiele zu betrachten.

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