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Dank des Engagements vieler Menschen

Die bösen Orte sichtbar gemacht: KZ-Gedenkstätte im Mühldorfer Hart bekommt Architektenpreis

Die Infotafel des „Vereins für das Erinnern“ muss noch etwas stehen bleiben. Denn die Gestaltung des Bunkerbogens ist noch nicht absehbar. Für die übrigen Bereiche der Gedenkstätte gab es jetzt dagegen einen Preis.
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Die Infotafel des „Vereins für das Erinnern“ muss noch etwas stehen bleiben. Denn die Gestaltung des Bunkerbogens ist noch nicht absehbar. Für die übrigen Bereiche der Gedenkstätte gab es jetzt dagegen einen Preis.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Lange haben Menschen aus dem Landkreis dafür gekämpft, dass sich die Überreste des das KZ-Außenlagers im Mühldorfer Hart in eine Gedenkstätte verwandeln. Jetzt gab es für die Gestaltung großes Lob.

Mühldorf – Lange haben Menschen aus dem Landkreis dafür gekämpft, dass sich die Überreste des das KZ-Außenlagers im Mühldorfer Hart in eine Gedenkstätte verwandeln. Seit drei Jahren gibt es die ersten Bauten dort, jetzt erhielten die Architekten Latz+Partner den „Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis“. Erstmals ausgelobt hat ihn der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten zusammen mit der Bayerischen Architektenkammer.

Lesen Sie auch: Seit Jahren ist klar: Zentrale Aufgabe einer KZ-Gedenkstätte im Mühldorfer Hart wird es sein, die Erinnerung an die monströse Anlage und die unmenschlichen Lebensbedingungendort in eine Form zu gießen.

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Seit Ende der 1990er Jahre gab es mit der Gründung des Vereins „Für das Erinnern“ zahlreiche Überlegungen, wie es möglich sein kann, „Waldlager“, Massengrab“ und „Rüstungsbunker“ zu verbinden, den Wahnsinn deutlich zu machen und Gedenken zu ermöglichen.

Das Nichtmenschliche der Anlage gezeigt

Die Aufgaben zu lösen, so die Preisjury, sei dem Büro Latz+Partner aus Kranzberg hervorragend gelungen. „Durch die Überlagerung des Vorhandenen mit einer neuen abstrakten Ebene wird an das Vergangene erinnert und Unerklärliches verständlich gemacht“, erklärte die Jury des Architekturpreises.

Der Eingangsbereich der Gedenkstätte im ehemaligen Waldlager. Sie ist Teil der preisgekrönten Gestaltung des ehemaligen KZs im Mühldorfer Hart.

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Architekt Peter Latz erinnert an die bürointerne Bezeichnung „Böse Orte“, die nach seiner Ansicht präzise auf die Verletzung und Ausbeutung von Menschen verweist. „Wir können es uns gar nicht mehr leisten, die verwüsteten, belasteten, verschmutzten und hässlichen Orte nicht zu neuen Paradiesen oder zu neuer Wildnis zu machen. Das Modell einer Gegenwelt bleibt nicht theoretisch oder symbolisch, sondern wird praktischer Auftrag.“

Sichtbar machen, was kaum zu sehen ist

Für Franz Langstein, Vorsitzender des Vereins „Für das Erinnern“, ist die Auszeichnung eine „Würdigung der schwierigen Aufgabe, etwas zu gestalten, das kaum zu sehen ist“. Den Architekten sei das gelungen: „Es wird deutlich, dass es sich um etwas Außerordentliches, etwas nicht Menschliches gehandelt hat.“

Kein Nachbau des Konzentrationslager

Wer heute einen der Gedenkorte besucht, findet sich in einem Wald wieder, der durch moderne Betonmauern, Plattenwege und Infotafeln neu gestaltet ist. „Das sind bewusst die charakteristischen Materialien der Bunkerbaustelle: Beton und, eher reduziert für textliche Darstellungen, Stahl“, beschreiben die Architekten ihre Arbeit. So erzählten die drei Gedenkorte dieselbe Geschichte auf unterschiedliche Weise. „Erinnerungssteine“ mit einer symbolischen Darstellung der KZ-Anlagen stehen an verschiedenen Stellen am Weg, und machen so immer wieder die Dimensionen der Anlage deutlich.

Alle Informationen rund um den Preis und die Arbeiten der Preisträger finden Sie hier

Rekonstruktionen von Hütten oder anderen Einrichtungen gibt es nicht, „kein Mini-KZ“, wie Vereinsvorsitzender Langstein betont. Beispielhaft wird das Konzept im ehemaligen Waldlager. Durch eine enge Schleuse aus Betonmauern, die Infotafeln mit Bildern und Texten tragen, betritt der Besucher das Waldlager.

Wald in Gestaltung einbezogen

Lange betonierte Wege, die scheinbar über dem Boden schweben und unnatürliche Wendungen nehmen, machen die Dimension des Lagers deutlich. Der Weg beginnt auf Höhe des alten Tores, verläuft zunächst auf der früheren Wegeachse, dann zu den Standorten der Erdhütten mit Latrine und nach Norden abknickend zum ehemaligen Appellplatz. Weiße Markierungen auf den Stämmen lassen den heute überwachsenen Appellplatz sichtbar werden. Zitate der gequälten Menschen entlang des Weges erinnern an das Geschehen in den beiden letzten Kriegsjahren, als auf der Baustelle für Kriegsflugzeuge mehr als 4000 Menschen zu Tode gequält wurden.

Erinnerung besteht nicht aus Bauten im Wald: Schüler aus Waldkraiburg machen die Dimensionen des Waldlagers deutlich, in dem sie Bäume bemalen.

So geht es am Bunkerbogen weiter

Bleibt am Ende die Frage nach der Gestaltung des Herzstücks der Anlage: dem letzten noch stehenden Bunkerbogen, der schon heute, ohne Gestaltung und aus sich heraus, die Monstrosität der KZ-Baustelle deutlich macht.

Es geht voran

Die Pläne dafür liegen in der Schublade des Architekenbüros. Erinnerungs-Vereinsvorsitzender Langstein ist zuversichtlich, dass es auch dort vorangeht. Die Räumung der Kampfmittel ist abgeschlossen, jetzt geht es an das schwierige und langwierige Grundstückstauschgeschäft. Denn Waldbauern sollen von den Staatsforsten Ersatzflächen angeboten bekommen, damit auf ihrem derzeitigen Grund der letzte Teil der Gedenkstätte errichtet werden kann.

Dauer der Verhandlungen etwa zwei Jahre

Langstein geht davon aus, dass die Verhandlungen zwei Jahre dauern werden. Startschuss soll Ende September sein, wenn erstmals der Bereich abgesteckt wird, der rund um den letzten Bunkerbogen gestaltet werden soll.

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