Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Interview mit Mühldorfs Landrat - Teil I

„Die besten Zeiten sind vorbei“: Was Landrat Max Heimerl mit dieser Aussage meint

Landrat Max Heimerl (rechts) im Interview mit Heike Duczek (links) und Anja Leitner (Mitte).
+
Landrat Max Heimerl (rechts) im Interview mit Heike Duczek (links) und Anja Leitner (Mitte).
  • Anja Leitner
    VonAnja Leitner
    schließen
  • Heike Duczek
    Heike Duczek
    schließen

Mühldorfs Landrat Max Heimerl spricht im Interview darüber, wie sich der Landkreis auf die Energiekrise vorbereitet, wie weit die Auswertungen der Studien zum Borna-Virus sind und warum er meint, dass „die besten Zeiten“ vorbei sind.

Wasserburg - Mühldorfs Landrat zu Besuch bei der Wasserburger Zeitung: In Teil I unseres Interviews spricht Max Heimerl über die Herausforderungen seines Amts, wie der Landkreis die Energiekrise bewältigen will und womit er zuhause heizt.

Zum Borna-Virus im Landkreis Mühldorf: Gibt es neue Erkenntnisse?

Max Heimerl: Seit Juli wurden vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Kooperation mit der Universität Regensburg, dem Friedrich-Loeffler-Institut sowie dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Hamburg verschiedene Studien zu BoDV-1 in Maitenbeth durchgeführt. Ich bin sehr dankbar, dass die Bürgerinnen und Bürger daran so zahlreich teilgenommen haben. Ende November werden die Ergebnisse im Rahmen einer weiteren Informationsveranstaltung den Maitenbethern und anschließend der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

In der Maitenbether Bürgerversammlung haben Sie gesagt: „Die besten Zeiten sind vorbei.‘“ Das trifft wohl den Kern der Zeit.

Heimerl: Ich hoffe, ich täusche mich. Ich habe es damals im Kontext gesagt, wie sich die Steuereinnahmen und die kommunalen Haushalte entwickeln werden. Die Steuereinnahmen steigen zwar, aber primär aufgrund der hohen Inflation. Eine Rezession droht. Es können auch wieder Zeiten kommen, in denen wir darüber diskutieren, was wir uns nicht mehr leisten können. Wir können nur ausgeben, was wir haben und müssen versuchen, auch in Zukunft handlungsfähig zu bleiben. Gleichzeitig müssen wir als Kommunen dafür kämpfen, dass wir für die wachsenden Aufgaben vor allem vom Bund auch die nötigen Finanzmittel zur Verfügung gestellt bekommen.

Wie ist der aktuelle Stand zur Ortsumfahrung der B 15 in Rechtmehring?

Heimerl: Es gibt konkrete Pläne zur Umfahrung. Gemeinsam mit der Gemeinde wird derzeit ein Konzept erarbeitet.

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier. +++

Die Abhängigkeit von Gas und Öl aus Russland bereitet vielen Sorge. Wie stark ist der Landkreis betroffen? Was tut er, um autarker zu werden? Wie werden die Bürgerinnen und Bürger unterstützt?

Heimerl: Wir sind nicht mehr oder weniger betroffen als andere Landkreise. Bei den Landkreisliegenschaften arbeiten wir nicht erst seit der Krise daran, autark zu werden. Viele unserer Gebäude werden bereits mit erneuerbarer Energie versorgt. So erzeugt das Berufliche Schulzentrum beispielsweise als Effizienzhaus im Plus-Standard mehr Energie als es verbraucht. Das Gymnasium Gars wird im Niedrigstenergie-Standard gebaut, die Waldkraiburger Schulen werden über die Geothermie versorgt. Für die Mühldorfer Liegenschaften einschließlich Klinik planen wir ein Wärmenetz. Die Regionale Energie GmbH des Landkreises betreibt zehn Einspeiseanlagen auf verschiedenen Liegenschaften und einer alten Deponie. In enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden wird das Potenzial von Windkraft im Landkreis eruiert. Als innovatives Zukunftsprojekt setzen wir uns für den Bau von Photovoltaik-Anlagen an der A 94 in Kombination mit Lärmschutzmaßnahmen ein. Für die Bürgerinnen und Bürger bietet das Landratsamt regelmäßig Energiesprechstunden an, die auch rege in Anspruch genommen werden. Wir sind hier also gut aufgestellt.

Wie heizen Sie zuhause?

Heimerl: Mit Öl. Wir haben im Jahr 2000 gebaut, damals gab es bei uns keine Alternative. Derzeit prüfen wir den Umstieg unter anderem auf Pellets.

Die Strukturen, um weitere Flüchtlinge unterzubringen sind gegeben. Doch es fehlt an Wohnraum. Welche Strategie hat der Landkreis dafür?

Heimerl: Das hängt davon ab, mit wie vielen Geflüchteten – egal woher – wir rechnen müssen. Da sind wir wieder auf die Bevölkerung angewiesen, damit wir Unterkünfte anbieten können, wie leer stehende Wohnungen, Häuser, Pensionen, Hotels oder auch Gasthäuser mit Fremdenzimmern. Die Hilfsbereitschaft für die ukrainischen Kriegsflüchtlinge ist sehr groß. Viele haben umgedacht, von ‚was habe ich davon?‘ zu ‚wie kann ich helfen?‘ Wenn wir das aufrechterhalten können und uns solidarisch zeigen, dann bewältigen wir auch diese Herausforderung. Klar ist aber auch, dass auch unsere Möglichkeiten begrenzt sind. Deshalb muss die Bundesregierung wieder besser steuern und begrenzen.

Bis Ende 2022 sollen fast alle Verwaltungsangelegenheiten online zu erledigen sein. Schafft das der Landkreis?

Heimerl: Nein, das ist unrealistisch. Alles schaffen die Kommunen nicht. Aktuell haben wir 65 Verfahren umgesetzt. Wir sind kontinuierlich dabei, die digitalen Behördengänge weiter auszubauen. Ende Mai wurde das Landratsamt Mühldorf als „Digitales Amt“ des Bayerischen Staatsministeriums für Digitales ausgezeichnet. Wir sind also auf einem guten Weg. Unser Ziel ist ein medienbruchfreier Prozess vom Antrag bis zum Bescheid.

Die Fortschreibung des Regionalplans hat bei vielen Kommunen Bestürzung ausgelöst, die meisten Gemeinden haben Einspruch erhoben. Gibt es mittlerweile neue Erkenntnisse?

Heimerl: Der Protest aus den Gemeinden ist nachvollziehbar und verständlich. Die Entwicklungseinschränkungen für Kommunen unter 5.000 Einwohnern, die der Regionalplan vorschlägt, sind auf dem Land nicht akzeptabel. Wir brauchen Flexibilität bei den kommunalen Entscheidungen. Ich kämpfe dafür, dass die Entscheidungsbefugnisse bei den Gemeinden belassen werden. Es gab hierzu auch bereits eine weitere Informationsveranstaltung für alle Bürgermeister und Landräte. Wir haben uns hier einhellig auf die Überarbeitung der strittigen Textpassagen verständigt.

Teil II des Interviews folgt.

Kommentare