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Ein Platz für die Trauer

„Vorstufe zum Paradies“: Bayerns erster Privat-Tierfriedhof in Heldenstein wird 25 Jahre

Momentan beherbergt der Tierfriedhof 280 aktive Gräber. Für Martin Zehetmeier ist es wichtig, dass der Ort der Trauer ökologisch aufgewertet wurde und somit neues Leben fördert.
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Momentan beherbergt der Tierfriedhof 280 aktive Gräber. Für Martin Zehetmeier ist es wichtig, dass der Ort der Trauer ökologisch aufgewertet wurde und somit neues Leben fördert.
  • VonUrsula Huckemeyer
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Für jeden Haustierbesitzer ist es ein schwerer Tag, wenn der Hund oder die Katze nach vielen gemeinsamen Jahren stirbt. Dass es über deren Tod hinaus einen Ort der Erinnerung gibt, dafür sorgt Martin Zehetmeier. Seit 25 Jahren betreibt er einen privaten Tierfriedhof.

Heldenstein – Martin Zehetmeier spricht von der „Vorstufe zum Paradies“, wenn er in Goldau über seinen Tierfriedhof schlendert, der malerisch zwischen Bäumen, Sträuchern und Streuobstwiesen eingebettet ist. In der Tat strahlt das Gelände eine besondere heimelige Atmosphäre aus, die den Menschen guttut, die dort ihre Lieblinge beerdigt wissen.

Bauer Zehetmeier gehörte zu den Pionieren im Lande, als er im März 1996 den ersten privaten Tierfriedhof aus der Taufe hob. „Seinerzeit war es gerade auf dem Land noch unüblich, Haustiere zu bestatten“, erinnert sich der heute 63-Jährige noch ganz genau. Seine Intention, Tiere in ein Grab zu legen kommt nicht von ungefähr.

Kleine Zeremonie bei der Beerdigung

„Schon als Kind habe ich auf unserem Bauernhof öfters verstorbene Haustiere beerdigt und ihnen eine kleine Zeremonie gewidmet.“ So entstand später der Gedanke, auf einem Areal hinter dem Pferdehof kleine Gräber für verstorbene Haustiere anzulegen. Einfach ins Blaue hinein agierte Martin Zehetmeier jedoch nicht. Er fuhr nach Berlin und Nürnberg, um sich dort bereits bestehende Friedhöfe anzuschauen. Mit einigen Ideen ausgestattet, ging der Heldensteiner dann ans Werk.

Kein leichtes Unterfangen, wie er berichtet. Da kamen die Behörden nämlich mit etlichen Auflagen um die Ecke bevor sie eine Genehmigung für die Anlage erteilten. Und Martins Stammtischbrüder rissen am Biertisch Witze über das bis dato unbekannte Projekt. Von derlei Scherzkeksen ließ sich der Landwirt seinerzeit natürlich nicht beeindrucken.

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Seine ersten Kunden reisten von München an, um sich auf dem 18 Hektar großen Gelände ein schönes Plätzchen für ihren tierischen Weggefährten zu sichern. Schnell sprach es sich unter Tierbesitzern herum, dass in Goldau „Lissy“, „Maxi“, „Bobby“ & Co eine wunderbare Ruhestätte finden.

Martin Zehetmeier zeigt die Ruhestätte der verstorbenen Katzen vom Gnadenhof KatzenTraum aus Bad Feilnbach.

Mittlerweile blickt Martin Zehetmeier auf etwa 1000 Beerdigungen zurück. Hunde, Katzen und Nagetiere werden bestattet. Hin und wieder sind auch Vögel dabei. Aber nicht nur einzelne Tierbesitzer, sondern sogar ein ganzer Katzen-Gnadenhof aus Bad Feilnbach bringt seine verstorbenen Tiere nach Goldau. Zehetmeier schaufelt die Gräber aus und bettet die verstorbenen Tiere auf eine Strohunterlage. Als Zudecke wird Bio-Stroh verwendet. Die Särge möchte der 63-Jährige im Hinblick auf die Umwelt nach und nach aus seinem Programm streichen.

Dem Besitzer des Friedhofes sind Natur und Ökologie wichtig. Er betont: „Tiere, die auf einer ökologischen Grabstätte liegen, fördern den natürlichen Kreislauf unseres Ökosystems. Wir geben das geliebte Tier der Natur zurück.“

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Momentan beherbergt der Friedhof 280 aktive Gräber. Eines davon gehört Tobias Maier und Marion Hüttl aus Ampfing. Das Paar musste schweren Herzens ihre acht Jahre alte Hündin Nora über die Regenbogenbrücke gehen lassen. „Unser Hund ist plötzlich und unerwartet verstorben. Wir waren regelrecht überfordert. Auf dem Tierfriedhof konnten wir uns in Würde von Nora verabschieden.“

Gestaltung liegt bei den Tierfreunden

Die Gestaltung der Gräber liegt ganz bei den Tierfreunden. Religiöse Symbole sind allerdings verboten. Während der eine Tierbesitzer einfach Gras über das Grab wachsen lässt, machen sich andere viele Gedanken, wie die letzte Ruhestätte ausschauen soll.

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Zu diesen Menschen gehört die Mühldorferin Petra Heinrich. Ihre Samtpfoten Lolly und Krios dürfen in Goldau dem Katzenhimmel entgegen schlummern. Für das Grab sucht sich die Katzenliebhaberin überwiegend solche Bepflanzungen aus, die Insekten und Schmetterlinge anlocken. Dies fügt sich in das Konzept des Friedhofs wunderbar ein.

Der Besitzer der Anlage sieht den Friedhof nämlich auch als einen Ort, der die Schöpfung bewahrt und das Leben fördert. So freut es Martin Zehetmeier jedes Mal aufs Neue, wenn er bei seinen täglichen Inspektionen quer über den Friedhof immer wieder Igel und Eichkätzchen entdeckt.

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