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Bierernste Angelegenheit

Neumarkter Bierstreit ist Geschichte: Es herrscht wieder Frieden - unter einer Bedingung

Alle für einen, einer für alle: (von links) Richard Hirschberger, Bernhard Altmann und Hanjo Hellfeuer.
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Alle für einen, einer für alle: (von links) Richard Hirschberger, Bernhard Altmann und Hanjo Hellfeuer.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Zwischenzeitlich befasste sich sogar das Landgericht in München mit dem „Klosterbräu“ von St. Veit. Der Grund: Der Neumarkter Bernhard Altmann hatte ein Bier auf den Markt gebracht, das gar nicht im Kloster gebraut wurde. Das ist jetzt Geschichte, es herrscht wieder Bierfrieden – solange eine Bedingung eingehalten wird.

Neumarkt-St. Veit – Am Ende siegt doch immer das Gute. In diesem speziellen Fall ist es das Bier. Denn im Neumarkter Bierstreit ist man sich jetzt einig geworden. Quasi in Ko-Existenz können die Neumarkter Biere – das St. Veiter Export und Märzen sowie das Export von Bernhard Altmann – weiter bestehen bleiben. Darauf haben sich die Streithanseln jetzt außergerichtlich geeinigt. Bernhard Altmann darf sein Bier aber nicht mehr mit dem ehemaligen Klosterbräu in St. Veit in Verbindung bringen.

Rezepturen aus den Berichtsheften

Ursprünglich hatte Altmann sein Export-Bier mit „Klosterbräu St. Veit“ beschriftet, als er es im April dieses Jahres in den Verkauf gebracht hatte. Unter diesem Namen war das letzte in Neumarkt-St. Veit gebraute Bier großen Teilen der Bevölkerung bekannt. Das Problem: Auch die Wettbewerber Hanjo Hellfeuer und Richard Hirschberger, die etwa eineinhalb Jahre zuvor zusammen mit dem Müllerbräu in Neuötting das „St. Veiter“ Bier kreiert hatten, sehen sich in der Tradition des ehemaligen „Klosterbräu St. Veit“.

Verstoß gegen Wettbewerbsrechtstand vorgeworfen

Auf Grundlage alter Rezepturen, unter anderem aus Berichtsheften ehemaliger Brauereiangestellter, haben sie ihr Bier entwickelt. Das barg Konfliktpotenzial. Und dieses war so groß, dass sich beide Parteien schließlich vor dem Landgericht München trafen. Vor der Kammer für Handelssachen galt es Ende April folgende Fragen zu klären. Liegt bei Altmanns Export eine unzulässige Markenübernahme vor? Und: Verstößt Altmann mit der Vermarktung seines Bieres gegen Wettbewerbsrecht, weil er es „Klosterbräu St. Veit“ deklariert?

Keine Einigung im Gerichtssaal

Während der Gerichtsverhandlung waren darauf keine Antworten zu finden. Die Anwälte der beiden Parteien nahmen aber die Anregung der Vorsitzenden Richterin Monika Rhein auf, die Sache außerhalb der Gerichtsmauern zu regeln. Das ist ihnen nun gelungen. Unter den Vertreibern der beiden lokalen Biere ist es zwischenzeitlich zu einer einvernehmlichen Lösung des anhängigen Rechtsstreit gekommen.

Niemand soll bevorteilt werden

„Damit sich niemand einen unrechtmäßigen Vorteil am Markt verschafft, haben sich Hirschberger und Hellfeuer mit Bernhard Altmann nun verständigt, dass dieser den Begriff „Klosterbräu St. Veit“ nicht mehr verwenden wird, solange das Bier nicht im Kloster St. Veit gebraut wird“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Vertreiber der Neumarkter Biere.

St. Veiter Bier mit Gerste aus Neumarkt

Richard Hirschberger und Hanjo Hellfeuer werden demnach weiterhin ihr „St. Veiter Bier“, konkret das Export und das Festbier, also ein Märzen, anbieten. Die Gerste dafür stammt aus Neumarkter Ackerboden. Gebraut werden die Biere allerdings beim Müllerbräu in Neuötting.

Hertrich Bräu in Remineszens an Otto Hertrich

Bernhard Altmann wird sein Bier, das er in Kooperation mit dem Innbräu Max Vetter in Gut Forsting brauen lässt, künftig unter der Bezeichnung „Hertich Bräu“ seinen Kunden anbieten. Hierbei handelt es sich um eine Reminiszenz an Otto Hertrich, den früheren Brauereibesitzer und Altmanns Urgroßvater, dessen Portrait fortan das Etikett des Exports zieren wird.

Beide denken vor allem regional

Einig sind sich alle drei Biermacher darin, dass die Konkurrenz untereinander nicht das Entscheidende sei. „Allen Dreien ist daran gelegen, den Neumarkter Bürgern wieder lokales Bier als Nischenprodukt anbieten zu können“, erklärt das Trio in ihrer Pressemitteilung. „Konkurrenten sind in erster Linie nichtheimische Brauereien“, sind sich Hellfeuer, Hirschberger und Altmann einig. „Wir stellen regional her, das verbindet uns“, betont Hirschberger und bringt gleichzeitig mit der Regionalität die Nachhaltigkeit ins Spiel, weil lange Verkehrswege vermieden würden.

Jetzt wollen sie sogar gemeinsame Sache machen

Nicht nur, dass sich die beiden Konfliktparteien nun geeinigt haben, sie wollen in naher Zukunft auch gemeinsame Sache machen. Angedacht ist zunächst eine Festveranstaltung, auf der sämtliche Biersorten der beiden Neumarkter Brau-Parteien zum Ausschank kommen sollen. Das Beste daran: Der Erlös dieses Festes soll einem guten Zweck zugeführt werden.

Vertreiber lokaler Biere

„Vertreiber lokaler Biere“ nennen sich Hellfeuer, Hirschberger und Altmann. Und diesen Vertrieb wollen alle Drei weiter ausbauen. „Je nach Nachfrage natürlich“, ergänzt Altmann bescheiden, wenn er von seinem Export spricht. Seit acht Wochen gibt es das Helle, und Altmann ist zufrieden über die Rückmeldungen aus der Bevölkerung. 150 Hektoliter ließ er brauen. „Die Resonanz ist überwältigend“, so Altmann, der sein Export beim Holzkarrer der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Seitdem vertreibt er es in Neumarkt-St. Veit, wo es auch in Gaststätten ausgeschenkt wird. Weitere Vertriebswege hat er noch nicht erschlossen. Er will erst abwarten, wie sich die Nachfrage danach weiter entwickelt.

Nachfrage nach beiden Bieren ist groß

Hellfeuer und Hirschberger schwärmen ebenfalls vom Erfolg ihrer Sommerhoibe und des Märzens, das mittlerweile auch in Getränkemärkten außerhalb Neumarkt-St. Veits erhältlich ist. Mühldorf, Landshut Taufkirchen, Eggenfelden – die Nachfrage sei groß, sagt Hirschberger. Deswegen habe man die Menge in diesem Jahr auch um zehn Prozent erhöht, sagt Hirschberger. Und die Kapazitäten nehmen weiterhin zu. Erst vor wenigen Tagen haben sie in Neumarkt 48 Tonnen Getreide dreschen lassen, um die nächste Charge an St. Veiter Bier zu sichern.

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