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DEMO GEGEN CORONA-EINSCHRÄNKUNGEN

Nur vier von 40 Schultagen: 400 Menschen fordern in Mühldorf Ende der Corona-Einschränkungen

Die größte Demonstration gegen die Corona-Einschränkung versammelte am Samstag nach Angaben der Polizei 400 Menschen auf dem Mühldorfer Stadtplatz.
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Die größte Demonstration gegen die Corona-Einschränkung versammelte am Samstag nach Angaben der Polizei 400 Menschen auf dem Mühldorfer Stadtplatz.
  • Robert Wagner
    vonRobert Wagner
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Es war die größte Demo gegen Corona-Einschränkungen, die es in Mühldorf bisher gab. 400 Menschen forderten Lockerungen - und trugen vorschriftsmäßig Masken. Auf Schildern waren Forderungen zu lesen wie: „Testen + Maske = Schule“.

Mühldorf – Etwa 400 Menschen versammelten sich nach Schätzung der Polizei am Samstag auf dem Mühldorfer Stadtplatz, um gegen Corona-Einschränkungen zu protestieren. Es war die bislang größte Demonstration seit Beginn der Pandemie, getragen weder von rechtem Gruppen oder Querdenkern, sondern auf Initiative der Mühldorferin Martina Maier-Krapf mit Unterstützung von Verbänden und Vereinen aus der Stadt.

Regeln ja, wegsperren nein

Es war ein flammendes Plädoyer für eine Rückkehr in die Normalität unter strengen Hygieneregeln und mit dem Bewusstsein, dass die Pandemie das Land im Griff hat. Doch stellten sie die Forderung, Schulen Geschäfte und Wirtshäuser wieder zu öffnen.

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Initiatorin Martina Maier-Krapf brachte die Verzweiflung von Eltern und Kindern zum Ausdruck, die keine Perspektive auf einen geregelten Präsenzunterricht hätten: „Unsere Kinder brauchen wieder einen regelmäßigen Ablauf, den persönlichen Kontakt zu den Lehrern, das soziale Miteinander in den Klassen. Auf Distanz und im Wechsel zu lernen, ist in der Grundschule ein Ding der Unmöglichkeit!“, sagte die zweifache Mutter.

Eltern können Last nicht mehr tragen

Zudem könnten berufstätige Eltern auf Dauer nicht zu Hause den Lehrer ersetzen. Maier-Krapf kritisierte das starre Festhalten am Inzidenzwert. „Bis wir hier unter 50 kommen, werden noch Monate vergehen – und wir können es nicht beeinflussen.“ So werde keine stabile Öffnung möglich sein. „Lasst uns jetzt öffnen, sofort und gleichzeitig – wir sind nicht der Sündenbock der Pandemie“, forderte Maier-Krapf.

Schule im Würgegriff der Corona-Einschränkungen

Wie sehr die Situation an den Nerven der Eltern zehrt, brachte der Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule, Georg Grundner, zum Ausdruck: „Es kann nicht sein, dass unsere Kinder durch das ewige Hin und Her keine gerechte Bildungschance haben. Die Schule ist doch kein Lichtschalter, den man je nach Situation aus und einschalten kann. Von 40 Schultagen in 2021 haben nur vier stattgefunden“.

Familien fordern Regelunterricht: Marie Hase und Maximilian Hilber mit ihren Kindern Paula und Maximilian.

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Christian Kühl, Sprecher der Geschäftsleute, und Holger Nagl vom Hotel- und Gaststättenverband wiesen auf Zahlen hin, die die Infektionsgefahr Hotel- und Gaststättengewerbe betraf: „Laut einer Erhebung des Robert Koch Institutes vom Oktober

Kaum Infektionen in Gaststätten

2020 sind nur 0,5 Prozent des Infektionsgeschehens auf unser Gewerbe zurückzuführen“, sagte Nagl. „Und dafür müssen wir nun schon seit sechs Monaten schließen.“

Für Christian Kühl ist die Ausrichtung der Corona-Maßnahmen Inzidenzausrichtung der Stein des Anstoßes: „Es können doch nicht alle wegen einem einzigen lokalen Infektionsgeschehen dafür büßen, es müssen andere Fakten zugrunde gelegt werden“. Im Handel sei es durch die Hygienekonzepte sogar sicherer als in einem Krankenhaus.

Unverständnis für die Vorschriften äußerten auch die Stadträte Andreas Seifinger UM) als Kulturveranstalter und Stefan Schörghuber (CSU) für die Sportvereine. Schörghuber sprach von der „Sinnlosigkeit, Sport im Freien zu verbieten“. Dabei bewegten sich nur wenige Menschen auf vergleichsweise großen Flächen von mehreren tausend Quadratmetern. „Einfach unverständlich, wie man hier agiert“, sagte der Vorsitzende des TSV Mühldorf.

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Bürgermeister Michael Hetzl (UM) sagte, es gehe um Menschen, die ihren Job machen, die wieder selbst für ihr Einkommen und damit für ihr Auskommen sorgen wollten. „Sie wollen die Chance, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen – und dafür braucht es Regeln mit Perspektive.“

Friedliche Demo, fast alle trugen Masken

Den Verlauf der Kundgebung bezeichnete Mühldorfs Polizeichef Dieter Hausberger als ruhig und diszipliniert, die Maskenpflicht sei nahezu vollständig befolgt worden. 20 Polizisten begleiteten laut Hausberger die Veranstaltung und sperrten den Stadtplatz zeitweilig ab, um genügend Platz für die Demonstranten zu schaffen.

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