Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


HARTE CORONA ZEITEN FÜR JUGENDLICHE

Das lange Warten auf den Führerschein: Fahrschulen im Landkreis Mühldorf werden ausgebremst

Vor 34 Jahren gründete Michael Prenissl in Waldkraiburg sein Unternehmen. Dass er dieses irgendwann einmal schließen muss, war für ihn bis dato nie ein Thema.Meier
+
Vor 34 Jahren gründete Michael Prenissl in Waldkraiburg sein Unternehmen. Dass er dieses irgendwann einmal schließen muss, war für ihn bis dato nie ein Thema.Meier
  • Kirsten Meier
    VonKirsten Meier
    schließen

Junge Menschen fiebern ihrem Führerschein entgegen, denn der bedeutet für sie ein großes Stück Freiheit. Mama und Papa müssen nicht mehr als Chauffeur fungieren, das Auto ersetzt Bus oder Bahn. Die Corona-Einschränkungen bremsen jedoch Fahrschüler und Fahrschulen aus.

Mühldorf/Waldkraiburg/Mühldorf– Leo Mittermeier (16) aus Kraiburg, Auszubildender zum Fachinformatiker mit Fachrichtung Anwendungsentwicklung, hat sich bereits bei der Fahrschule Prenissl angemeldet, wollte im März mit der Führerscheinausbildung anfangen. „Für mich ist der Führerschein sehr wichtig, weil ich meine Ausbildung in Traunreut mache.

Ein Auto für den Job

Mit dem Auto sind das locker 40 Minuten Fahrtzeit, einfache Strecke.“ Mit der Bahn wäre es weit über eine Stunde. Aktuell bringt ihn die Mutter, weil die Verkehrsanbindung sehr schlecht ist. „Das heißt, dass sie mich morgens zur Arbeit fährt und mich nach ihrer Arbeit wieder abholt. Das ist Stress pur.“

Sie zähle aber auch zur Risikogruppe, dürfe auf keinen Fall krank werden, da der 16-Jährige sonst Probleme hätte, zur Arbeit zu kommen. Er hofft, dass er im März mit der Führerscheinausbildung beginnen kann. Dabei versteht Mittermeier nicht, warum man die Fahrschulen schließen musste. „Den Unterricht kann man auch von zu Hause aus machen. Ich habe meinen Berufsschulunterricht auch von zu Hause aus. Genauso würde ich mir das auch bei den Fahrschulen wünschen.“

Stau durch letzte Corona-Welle

Fahrlehrer Michael Prenissl aus Kraiburg wurde, wie etwa 2000 andere Lieter von bayerischen Fahrschulen auch, von den Corona-Bestimmungen überrollt. „Vor dem Lockdown waren wir bereits an der Kapazitätsgrenze angekommen“, sagt er. „Letztes Jahr haben viele noch ihre Prüfungen abgelegt, aber es ist ein Stau von der letzten Coronawelle aufzuarbeiten“, sagt der 61-Jährige Fahrlehrer.

30 Fahrschüler in der Warteschleife

Aktuell müssen noch etwa 30 seiner Fahrschüler ihre Prüfung absolvieren. Ab dem Frühjahr wird die Zahl der Anmeldungen wahrscheinlich wieder steigen. Doch derzeit sind die Schulen geschlossen: „Fahrschulunterricht ist in Präsenzform untersagt.“

Auch der Online-Theorieunterricht war lange Zeit verboten, wäre jetzt zwar erlaubt, allerdings nur unter großen datenschutzrechtlichen Auflagen und verbunden mit viel Bürokratie. Dabei hält der Waldkraiburger Fahrlehrer den Online-Unterricht prinzipiell für gut, um die Kunden zumindest im Bereich der Theorie auszubilden. „Wir könnten die Leute online auf die Prüfungen vorbereiten, so wie es bereits zum Beispiel bei den Abiturprüfungen üblich ist.“

Lesen Sie auch:

Corona: Diese Regeln gelten jetzt für Autofahrer

Sein Mühldorfer Kollege Martin Lämmermeier von der gleichnamigen Fahrschule, ist anderer Meinung: „Der Onlineunterricht kann einen Präsenzunterricht nicht ersetzen.“ Eine Beibehaltung des theoretischen Unterrichts würde die praktische Ausbildung überlasten. „Und das wäre auch gar nicht zu bewältigen“. Der Mühldorfer bezieht sich dabei auf den grundsätzlichen Fahrlehrermangel in ganz Deutschland.

Hygienevorschriften eingehalten

Einig sind sich die beiden Fahrschulenbetreiber, dass sie alles getan haben, um Infektionen in ihrem Umfeld auf ein Minimum zu reduzieren. Mindestabstand, Lüftung, Hygiene, Desinfektionsspender – dies alles sei gewährleistet gewesen. „Im Fahrschulauto werden Flächen die berührt werden desinfiziert,genau wie die Hände vom Fahrschüler und Fahrlehrer und jeder fährt mit Mund-Nase-Schutz. Mir ist nicht bekannt, dass sich jemand in der Fahrschule angesteckt hätte“, sagt Lämmermeier.

Auch interessant:

Mühldorfer Wirte und Einzelhändler schauen mit Sorge auf Corona-Hilfen: Angst vor Rückforderungen

„Trotzdem griff die Politik knallhart durch, ohne dabei zu bedenken, dass 80 Prozent der Arbeitsplätze von der Mobilität abhängig sind“, sagt Fahrschulleiter Prenissl. Wer das Auto benötigt, um zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen zu kommen, hat dann ein echtes Problem. „Dabei ist das eigene Auto sicherer ist als überfüllte Busse, Bahnen oder Züge“, sagt er. „Mir wäre wichtig, dass nach dem Lockdown Voraussetzungen geschaffen werden, um in Zukunft die Schließung von Fahrschulen zu verhindern“, sagt Prenissl, der seinen Frust nicht zurückhalten kann. „Man muss versuchen, sich mit eigenen Mitteln über Wasser zu halten. Es ist auch mit viel Aufwand und Schriftverkehr verbunden, um finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite zu erhalten.“ Er habe inzwischen eine staatliche Aufwandsentschädigung erhalten. „Aber diese deckt lange nicht alle Kosten.“

Kompliziertes Antragsverfahren

Bei Lämmermeier befinden sich die Fahrlehrer in Kurzarbeit, im April habe es noch eine Soforthilfe gegeben, „ob wir das Geld aber behalten können, ist noch nicht sicher!“. Eine November- oder Dezemberhilfe sei für die Fahrschulen nicht vorgesehen. Überbrückungshilfe II oder III habe er beantragt. Lämmermeier bemängelt auch das Antragsverfahren, das nur über den Steuerberater machbar, dabei ziemlich kompliziert sei und „außerdem zusätzliche Kosten verursacht. Und das, obwohl wir bis nicht wissen, ob überhaupt Geld fließt!“

Prenissl schaut trotz allem optimistisch nach vorne. Er möchte auf keinen Fall jammern, denn für ihn bedeuten Veränderungen auch neue Chancen. Der Kraiburger hofft, dass bald wieder Normalität einkehrt, damit die Fahrt weitergehen kann und „jeder die Chance hat, an sein Ziel zu kommen!“

Hilfe für Fahrschulen durch Versicherungen

Nach Angaben von Michael Prenissl sei während der Corona-Pandemie die Fahrlehrerversicherung aktiv geworden. Diese ermöglichen Fahrschulen, ihre Ausbildungsfahrzeuge stillzulegen, solange diese nicht eingesetzt werden dürfen. Dadurch sparen die Fahrschulen die Versicherungskosten für ihre Fahrzeuge.

Hilfe für Fahrschüler: Innerhalb eines Jahres nach Bestehen der Theorieprüfung muss auch die praktische Prüfung absolviert werden. Aufgrund der aktuellen Lage ist dies jedoch nicht möglich. Im Zuge der Corona-Krise soll diese Frist nun um ein halbes Jahr verlängert werden. Somit hätte der Fahrschüler anderthalb Jahre Zeit, um nach der theoretischen auch die praktische Prüfung abzulegen.

Änderungen 2021 in Sachen Führerschein: Seit 1. Januar 2021 gibt es daselektronische Prüfprotokoll. Die optimierte praktische Fahrerlaubnisprüfung“ (OPFEP) gilt dann für alle Führerscheinklassen. OPFEP soll für mehr Objektivität in der Bewertung sorgen. Die jeweilige Fahrschule und der Prüfling sollen dadurch auch eine bessere Rückmeldung erhalten. Die Verkehrssicherheit soll ebenfalls dadurch erhöht werden.

Ab dem 1. April 2021 können Fahrschüler ihre Prüfung in einem Automatikfahrzeug ablegen und trotzdem später Schaltgetriebe fahren. Voraussetzung ist, dass der Fahrschüler in seiner praktischen Grundausbildung mindestens zehn zusätzliche Fahrstunden mit einem Schalter macht. Hinzu kommt, dass er von der Fahrschule die Fahrtauglichkeit mit Schaltgetriebe bescheinigt bekommen muss. Diese muss der Fahrschüler in einer Testfahrt nachweisen.

Wer bereits einen Führerschein hat, jedoch bislang nur Automatik fahren durfte, kann diese Ausbildung in jeder Fahrschule absolvieren. Der Vorteil: Er muss dafür keine Prüfung ablegen und darf danach auch Fahrzeuge mit Schaltgetriebe fahren.

Hat man die Ausbildung mit Schaltgetriebe erfolgreich absolviert, kann man dies im Führerschein ändern lassen.

Kommentare