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Aktionsgemeinschaft diskutiert Zukunftspläne

„Da schwillt uns der Kamm“: Streit um Sümö-Gelände bestimmt Versammlung der Mühldorfer Händler

Kollegial wird das neue Vorstandsmitglied in die Mitte genommen: Stefan Girschele-Pauli (Mitte) ist neuer Kassenwart der Aktionsgemeinschaft. Schriftführer Michael Hell (links), Bürgermeister und ehemaliger Vorsitzender Michael Hetzl (rechts), Julia Gartner von der Stadtentwicklung (hinten), Vorsitzender Christian Kühl (hinten).
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Kollegial wird das neue Vorstandsmitglied in die Mitte genommen: Stefan Girschele-Pauli (Mitte) ist neuer Kassenwart der Aktionsgemeinschaft. Schriftführer Michael Hell (links), Bürgermeister und ehemaliger Vorsitzender Michael Hetzl (rechts), Julia Gartner von der Stadtentwicklung (hinten), Vorsitzender Christian Kühl (hinten).
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
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Nicht nur die magere Zahl der Mitglieder war Thema der Zusammenkunft der Aktionsgemeinschaft Mühldorf im Lodronhaus. Vorsitzender Christian Kühl legte den Finger gleich in mehrere offene Wunden.

Mühldorf – Parkplätze und kein Ende: Für einen emotionalen Höhepunkt der jüngsten Jahreshauptversammlung der Aktionsgemeinschaft Mühldorf im Lodronhaus sorgten die Diskussionen um das aus einem Ideenwettbewerb hervorgegangene Baukonzept für das ehemalige Sümö-Gelände.

Vor rund 15 Mitgliedern führte der Vorsitzende Christian Kühl aus, warum es seiner Meinung nach wichtig sei, dass auf der Fläche rund um Hallenbad und Inn-Stadt-Park unter anderem ein Parkhaus entsteht. Seit Beginn seines Vorstands-Engagements für die Händler 2006 gehe es um das Parkhaus. „Wir vernehmen zu diesem Projekt eine Grundmelodie der Stadt Mühldorf. Jetzt müssen wir einen handfesten Song daraus machen“, formuliert es Kühl.

Enormer Parkplatzbedarf

Einen „Riesen-Parkplatzbedarf“ konstatiert er aufgrund der Kundenströme, die auf Umfrage-Basis zu 66 Prozent von außerhalb Mühldorfs kommen, sowie des großen Personalbedarfs der Händler. Und auch von Letzteren komme ein guter Teil nicht aus Mühldorf-Stadt, sondern fahre mit dem Auto zur Arbeit.

Derzeit gebe es nach Aussage des Jobcenters 229 offene Stellen für das Stadtgebiet Mühldorf, wobei Kühl von einer großen Dunkelziffer ausgeht. „80 Prozent der Unternehmer suchen derzeit“, konstatiert der Vorsitzende. Heutzutage gehe der Arbeitnehmer ganz selbstverständlich von einem Parkplatz in der Nähe seiner Arbeitsstelle aus. Auch das mache die Attraktivität eines Standorts aus, gibt Kühl zu bedenken.

Dieser Analyse stimmte Bürgermeister Michael Hetzl (UM) zu. „Im Gegensatz zu Altötting und Burghausen wächst Mühldorf drei Prozent jährlich, das ist einzigartig“, betont Hetzl, dem die Aufregung über die Widerstände gegen das Baukonzept deutlich anzumerken war. „Das Ganze ist eigentlich ein grünes Thema“, schüttelt der Bürgermeister den Kopf. Im Zuge des Parkhaus-Baus auf dem Sümö-Gelände könne doch die Hälfte des Stadtplatzes autofrei und grüner gestaltet werden.

Auch den Widerstand gegen das Wohnraumkonzept auf dem Gelände könne er nicht nachvollziehen, schließlich machten die geplanten Wohnungen Autos und sogar Busverkehr überflüssig. „Das macht doch die moderne urbane Mobilität der Zukunft aus“, betont Hetzl.

Kritik ging besonders in Richtung von SPD-Kreisrat Patrick Mayer, der im Sommer eine Unterschriften-Aktion gegen das Baukonzept initiiert hatte. Diese „Selbstdarstellung einzelner Personen mithilfe einer Unterschriftenaktion, die über die Hintertür“ Stadtpolitik betreiben möchten, kritisierte Hetzl.

Kritik an Profilierung Einzelner

Patrick Mayer wies die Kritik auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen von sich und verteidigte das Bürgerbegehren, da man „den Siegerentwurf in dieser Form überdimensional und nicht passend“ finde. Gegen diesen „Wahnsinn“ sollen seiner Überzeugung nach die Mühldorfer Bürgerinnen und Bürger die Stimme erheben dürfen.

Christian Kühls Vorwurf, dass man sich nicht in einer konstruktiven Streitkultur miteinander austausche, widersprach Mayer ebenfalls harsch, habe man doch zahlreiche Gespräche sowohl mit Anwohnern als auch Händlern geführt: „In den Gesprächen konnten wir ihre Sorgen und Nöte anhören und entsprechend berücksichtigen. Jedoch war auch hier die Meinung, dass man keine drei Parkhäuser benötigt, sondern ihnen zum Beispiel schon ein oder maximal zwei Stockwerke über dem jetzigen Parkplatz genügen würden.“

Hier scheiden sich nicht nur die Geister. Wie Christian Kühl bemerkte, seien auch manche Unternehmer nervlich angeschlagen. Nach zwei Jahren Corona mit „Berg- und Talfahrten im Umsatz“ und folgenden „existenziellen Gesprächen“ könne er die Widerstände gegen das Baukonzept und die seiner Überzeugung nach damit verbundene schlechte Kommunikation überhaupt nicht nachvollziehen: „Da schwillt uns im Handel der Kamm.“

Daher wolle sich die Aktionsgemeinschaft mehr an das Rathaus halten; man erhoffe sich ein weiteres Einbeziehen in die Prozessschritte. „Die Stadt holt uns ab“, sagte Kühl, auch mit Blick auf das neue Gesicht bei der Wirtschaftsförderung der Stadt, Julia Gartner, die sich im Rahmen der Versammlung vorstellte. Ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Händler wolle sie anbieten, betont Gartner. Und diese würden in Zukunft sicher nicht abreißen.

Redebereitschaft signalisiert

In Richtung Gegner signalisierte Kühl Redebereitschaft. Ziel sei eine schnelle Einigung und das Verhindern von „Alleingängen“, die für weitere „Imageschäden“ sorgen.

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„Kompromissbereitschaft“ betonte auf der anderen Seite auch Patrick Mayer. „Für sinnvolle Vorschläge seitens der Umgestaltung des Sümö-Geländes verwehren wir uns nicht, sondern würden das auch stark begrüßen“, sagte der SPD-Kreisrat. Michael Hetzl fühlt sich seinerseits überzeugt, dass man „Kompromisslinien“ finde. „Wir sind weiter als jemals“, betonte Hetzl, der notfalls eine „Entscheidung erzwingen“ will.

Die Jahreshauptversammlung der Aktionsgemeinschaft auf einen Blick

Es möge sich herumsprechen, dass die Mitgliedschaft bei der Aktionsgemeinschaft Mühldorf „keine ansteckende Krankheit“ sei. Vorsitzender Christian Kühl zeigt sich ratlos angesichts der aktuellen Mitgliederzahl von 39. Vor Jahren habe man die 100er-Marke angepeilt. Mitgliederanwerbung sei aufgrund der mauen Kassenlage eine der Herausforderungen, so Kühl und gab damit das Wort an Vorstandskollege Jürgen Wallner.

„Wir haben rund 10.000 Euro mehr Aufwendungen als Ausgaben“, resümiert der Kassenwart. Das könne man nicht schönreden. Jegliche Werbemaßnahmen seien daher einfach nicht machbar mit Blick auf die aktuelle Kassenlage von rund 18.900 Euro Stand Ende 2021. Das forcierte Gutscheinsystem sei dabei „Fluch und Segen“: 35830 Gutscheine seien aktuell im Umlauf und können bis Ende 2023 eingelöst werden. „Wenn es 50 Prozent Einlösungen sind, reicht unser Konto“, so das Fazit Wallners.

Neben dem Sümö-Gelände galt daher auch dem neuen Gutscheinkartensystem über den bundesweiten Anbieter „Keep Local“ ein guter der Teil des Abends. Ab Mitte Oktober soll darauf umgestellt werden. Vorteil: Sämtliche Buchungskosten, die derzeit auf den Käufer umgelegt werden, entfallen. „Der Kunde kauft nun online über unsere Homepage oder direkt über den Anbieter. Das Geld erhält der Händler sofort. Null Aufwand“, lobt Vorsitzender Christian Kühl. Jetzt gehe es darum, Kunden an das neue System heranzuführen.

Weitere Tagesordnungspunkte der Jahreshauptversammlung waren neben der Präsentation einer möglichen Kooperation mit den OVB-Heimatzeitungen, wo man sich eine regelmäßige „Präsenz“ vorstellen kann die Vorstellung der Plogging-Gruppe Mühldorf von Gründer Roland Scherer. Man plane eine Kooperation mit den Händlern, die unter dem Motto „Mühldorf kippenfrei“ sowohl Plakate aufhängen als auch Taschenaschenbecher an die Kunden ausgeben sollen. Präsentiert wurde das Plakat von Ploggerin und Grafikerin Rebekka Fechner. Eine „Imagesache“, die dem Stadtplatz guttue, konstatiert Kühl.

Ein wichtiger „formeller“ Punkt der Jahresversammlung war neben der einstimmigen Entlastung der Vorstandschaft die Neuwahl eines Kassenwarts. In der Nachfolge von Jürgen Wallner übernahm der VR-Bank-Mitarbeiter Stefan Girschele-Pauli diese Funktion, nachdem er erst vor Kurzem in den Vorstand der Aktionsgemeinschaft Mühldorf eingetreten war.

cl

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