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Corona-Lockdown

Mühldorfer Ärzte fordern Lockdown für alle: Beschränkung auf Inzidenz über 1000 reicht nicht

Zum Lachen ist Bastei-Chefin Stephanie Nömeier nicht zu Mute, überraschend kommt der Lockdown für sie aber nicht. Seit drei Wochen nehme die Zahl der Gäste in dem Mühldorfer Lokal ständig ab, die Leute seien vorsichtig. Am 23. November hat sie die Stühle für längere Zeit hochgestellt, mindestens drei Wochen bleiben Gaststätten zu.
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Zum Lachen ist Bastei-Chefin Stephanie Nömeier nicht zu Mute, überraschend kommt der Lockdown für sie aber nicht. Seit drei Wochen nehme die Zahl der Gäste in dem Mühldorfer Lokal ständig ab, die Leute seien vorsichtig. Am 23. November hat sie die Stühle für längere Zeit hochgestellt, mindestens drei Wochen bleiben Gaststätten zu.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Der Landkreis Mühldorf steht vor dem nächsten Lockdown. Ärzte begrüßen die Maßnahme, verlangen aber noch mehr.

Mühldorf – Während der bayerische Landtag noch über den Lockdown auch für den Landkreis Mühldorf ab Mittwoch, 24. November, diskutiert, geht das Ärzten im Landkreis Mühldorf nicht weit genug. Sie sind überzeugt: Das reicht nicht. Sie fordern mehr.

Lage im Landkreis spitzt sich zu

Dr. Benedikt Steingruber, leitet das Gesundheitsamt in Mühldorf. Er sieht in der täglichen Arbeit, wie sich die Pandemie verbreitet. Im Landkreis sind die Zahlen am Dienstag (23. November) erneut leicht gestiegen und die Inzidenz liegt jetzt bei 1134: „Wir brauchen dringend eine Beschränkung von Kontakten“, sagt er und spricht davon, dass sich die Lage erheblich zugespitzt habe.

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„Unsere Fallzahlen zeigen, dass wir nicht mehr von einzelnen Ausbrüchen sprechen können, sondern im Landkreis ein Infektionsgeschehen bei vielen betroffenen Menschen stattfindet.“

Es gibt also nicht einzelne Ansteckungs-Hotspots, die isoliert bekämpft werden könnten, sondern Infektionen über den ganzen Landkreis und alle Menschen verteilt. „Das müssen wir wieder beenden“, fordert Steingruber.

Wirkung zeigt sich erst nach 14 Tagen

Dr. Johann Mattes, Leiter der Hygiene im Innklinikum Altötting-Mühldorf, geht einen Schritt weiter und will die Einschränkungen ausdehnen: „Meiner Meinung nach sollten sie nicht nur für Landkreise mit einer Inzidenz über 1000 gelten, sondern auch in Regionen, die diese Schwelle noch nicht erreicht haben.“

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Kontaktbeschränkungen durch den Lockdown sind nach Ansicht der Mediziner die einzige Möglichkeit, die vierte Welle zu brechen. Mattes nennt drei Stellschrauben, um die Pandemie einzudämmen: Impfungen, Tests, um Infizierte und Kontaktpersonen zu ermitteln, und das Vermeiden von Ansteckungen durch Abstands-, Lüftungs- und Maskenregeln.

Wieder mehr Coronainfizierte

Sein Urteil: „Da die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichend Wirkung zeigten, bleibt jetzt als Akutmaßnahme nur die Einschränkung der möglichen Kontakte.“ Impfungen seien sehr wichtig, würden aber erst mit deutlichem Zeitverzug Wirkung in den Kliniken zeigen.

Lockdown wirkt erst mit Verzögerung

Deren Lage bleibt im Landkreis extrem angespannt. Am Dienstag (23. November) meldete die Klinikleitung 103 Corona-Patienten und damit nur einen weniger als am Tag davor. 21 Kranke liegen auf der Intensivstation und müssen beatmet werden. Die Krankenhausinzidenz liegt damit im Landkreis Mühldorf bei 32,6 und im Landkreis Altötting bei 25, weit über dem oberen Grenzwert von neun.

Drei Wochen, bis sich der Lockdown in der Klinik auswirkt

Aber auch der Lockdown wird nach Einschätzung der Mediziner keine schnelle Abhilfe bringen, sagt Gesundheitsamtschef Steingruber. „Die Erfahrung zeigt, dass es aufgrund der Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen mindestens zwei Wochen dauern wird, bis überhaupt ein Effekt bei den Fallzahlen sichtbar wird.“

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Noch länger dauert es, bis weniger Menschen im Krankenhaus landen: „Bei den Kliniken wird dieser Effekt voraussichtlich erst in mehr als drei Wochen ankommen.“

Drei Wochen reichen nicht

Und sein Kollege Mattes aus dem Innklinikum sagt: „Es muss bedacht werden, dass auch bei einem Absinken der Inzidenz in der Bevölkerung die Belastung der Kliniken noch lange nachhängt. Insofern halte ich drei Wochen möglicherweise für zu kurz.“

Vier Wochen, das sagt auch Steingruber und spricht sich für eine Ausweitung aus. „Aus meiner Sicht wären Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung nicht nur für die Hotspot-Landkreise, sondern für ganz Oberbayern sinnvoll.“

Das hat der Landtag allerdings nicht beschlossen. Ob es deshalb anstelle der Freistaatverordnung eine enge Abstimmung der Nachbarlandkreise über eine Ausweitung der Einschränkungen geben wird, steht noch nicht fest, sagt Landrat Maximilian Heimerl. Grundsätzlich seien die Erfahrungen aus den vergangenen Wochen bei der Abstimmung entsprechender Maßnahmen mit den besonders betroffenen Landkreisen in der Region sehr positiv. „Ob und gegebenenfalls in welcher Form von der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung abweichende Regelungen möglich sein werden, lässt sich allerdings erst sagen, wenn diese vorliegt.“

Denn aktuell bleiben auch Landkreise aus der Region knapp unter dem Wert von 1000. So meldete Altötting am gestrigen Dienstag eine Inzidenz von 927, Erding und Ebersberg liegen mit 578 und 635 drunter. Stadt und Landkreis Rosenheim und die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land sind dagegen Hotspots mit Werten über 1000.

Noch keine gemeinsamen Regeln

Mühldorfs Landrat Heimerl hatte schon vor einige Wochen darauf hingewiesen, dass ein Maßnahmen-Flickenteppich die Maßnahmen schwächen könnte. Er führt nach seiner Ansicht nämlich dazu, dass Menschen die geringeren Einschränkungen in der Nachbarschaft nutzen und dort ins Wirtshaus oder zum Friseur gehen.

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