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60 Patienten gleichzeitig

Mühldorfer Chefarzt zur Pandemie-Lage in der Region: „So etwas noch nie erlebt wie bei Corona“

So gut sah es lange nicht aus: Die meisten Gemeinden sind aktuell coronafrei, vor allem Jettenbach ist durch eine Infektion im Familienkreis wie in der vergangenen Woche am stärksten belastet. Klinger
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So gut sah es lange nicht aus: Die meisten Gemeinden sind aktuell coronafrei, vor allem Jettenbach ist durch eine Infektion im Familienkreis wie in der vergangenen Woche am stärksten belastet.
  • VonPeter Becker
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Der Lungenchefarzt des Inn-Klinikums Altötting-Mühldorf ist sich sicher: Keine Krankheit brachte so viele Menschen gleichzeitig ins Krankenhaus wie Corona. Auch nicht die schwerste Grippewelle.

Mühldorf – 60 Patienten zur gleichen Zeit mit der gleichen Diagnose im Krankenhaus Mühldorf, so etwas hat der Lungen-Chefarzt des Inn-Klinikums Dr. Christian Wiesner in seiner Karriere noch nicht erlebt. Zum Vergleich: Schwere Grippewellen brachten maximal 15 Patienten ins Krankenhaus. Für ihn gibt es aus dieser Erfahrung nur eine Konsequenz: impfen.

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Damit sieht es im Landkreis derzeit im Vergleich zu anderen Gegenden in Deutschland relativ gut aus, wie die neue Statistik aus dem Landratsamt zeigt. Über die Hälfte der Menschen im Landkreis hat eine Impfung erhalten, knapp ein Drittel auch schon die zweite. Beide Werte liegen deutlich über dem Bundesschnitt.

Impfen bietet Schutz gegen Varianten

Impfungen hält das Gesundheitsamt auch für die beste Maßnahme im Kampf gegen die sogenannte Delta-Variante. Vier der im Landkreis infizierten trugen diese Virenart in sich; drei von ihnen seien genesen.

Diejenigen haben sich in England infiziert

Welche Bedeutung Impfungen hätten, zeigten die derzeitigen Ausbrüche in England. Die meisten Betroffenen seien gar nicht oder nur einmal geimpft. „Relativ gut, wenn auch etwas schwächer als beim Wildtyp, wirken die Impfstoffe von Biontech und Moderna“, betont Dr. Benedikt Steingruber vom Gesundheitsamt.

Mit dem Fortgang der Pandemie rückt das Thema der Langzeitfolgen stärker in den Blick. Etwa zehn Prozent der Patienten, die nach einer Corona-Infektion auf der Intensivstation behandelt werden mussten und knapp zwei Prozent aller Corona-Infizierten leiden nach Angaben von Dr. Christian Wiesner unter Langzeitfolgen. Das wird in der Medizin „Post-Covid“ oder „Long-Covid“ genannt.

Long Covid: Müde und dauern Schlapp

Die Studie, auf die sich der Lungen-Chefarzt des Inn-Klinikums Altötting-Mühldorf bei einem Online-Vortragsabend des Kreisbildungswerks bezog, zeigt, dass Müdigkeit, andauerndes Schlappheitsgefühl, schnelle Erschöpfung schon bei einfachen Tätigkeiten oder chronischer Husten auftreten. Viele hätten laut Wiesner auch davon berichtet, dass der Geschmacks- und Geruchssinn nicht wieder gekommen sei.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

„Bisher gibt es noch keine gesicherten Langzeiterkenntnisse“, sagte Wiesner angesichts der kurzen Zeit, in der es Genesene überhaupt gebe. Die Datenlage sei noch dünn. Er berichtet von einer Patientin, die ihm gesagt hätte, erst elf Monate nach der Genesung wieder leistungsfähig gewesen zu sein. Bei den meisten Betroffenen halten die Einschränkungen laut Wiesner aber nur etwa drei bis sechs Monate an.

Untersuchungen zu Long Covid auch in Mühldorf

In Mühldorf seien Genesene seit dem Ende der ersten Welle im Juli 2020 aufgefordert, sich nach drei Monaten erneut untersuchen zu lassen. Dabei hätten vor allem Jüngere zwischen 30 und 50 Jahren über Spätfolgen geklagt, vor allem Frauen. Grund dafür könne laut Wiesner sein, dass die eigentliche Krankheit, also die Zeit, in der die Viren im menschlichen Körper aktiv sind, recht kurz sei. Allerdings löse der Corona-Erreger eine sehr intensive Immunreaktion aus, deren Abheilen das eigentliche Problem sei.

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Der Chef-Pneumologe des Inn-Klinikums bezeichnete Corona als die extremste Krankheit, die er in seiner beruflichen Laufbahn erlebt habe. Er verstehe deshalb nicht, dass sich manche nicht impfen lassen wollten. „Ich habe vorher nicht erlebt, dass gleichzeitig 60 Menschen wegen der gleichen Krankheit bei uns stationär behandelt wurden. Wenn es vielleicht mal 15 Grippepatienten waren, dann war das schon viel. “

Der Beweis sind ältere Menschen

Wiesner untermauerte die Wirksamkeit der Impfstoffe. Durch die bevorzugte Impfung älterer Menschen habe sich das Risiko, krank zu werden, deutlich in Richtung jüngerer Menschen verschoben.

Auf die Frage einer Konferenz-Teilnehmerin, ob denn eine Impfung nach einer Erkrankung auch bei den kolportierten Spätfolgen Abhilfe schaffen könne, obwohl der Antikörperspiegel noch generell hoch sei, verwies Wiesner auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission der Bundesregierung (Stiko), die eine Impfung nicht früher als sechs Monate nach der Genesung empfehle. Betroffenen sollten sich langsam an ihre Leistungsgrenze herantasten. „Wenn ich weiß, dass ich früher drei Kilometer laufen konnte, dann würde ich nach Covid mit zwei wieder anfangen.“

Training gegen die Corona-Spätfolgen

Es gebe auch Berichte von Menschen, die sich in Atemtechniken unterweisen ließen und so Linderung der Spätfolgen erfahren hätten, über die positiven Auswirkungen eines solchen Trainings gebe es aber keine statistisch relevanten Zahlen.

Fest stehe lediglich, dass die Lunge eine zentrale Rolle bei der Krankheit spiele. Welche weiteren Organe in Mitleidenschaft gezogen worden seien, müsse in jedem Einzelfall untersucht werden. Denkbar sei der Herzmuskel oder die Nervenbahnen.

Mehr als die Hälfte aller Landkreisbürger haben eine Erst-Impfung erhalten. Um noch mehr Menschen zu impfen, gibt es in den kommenden Wochen wieder eine Sonderimpfaktion durch das Landratsamt. Erstimpfungen gibt es auch wieder im Impfzentrum.

Wieder Erstimpfungen im Impfzentrum

Dem Impfzentrum stehen ab sofort wieder geringe Impfstoffkontingente für Erstimpfungen zur Verfügung. Das teilte das Landratsamt mit. Grund sind „leicht erhöhte Zuweisungen des Impfstoffs von Moderna sowie einer Sonderzuweisung von Moderna und Astrazeneca in den kommenden Wochen. Anmeldung und Termin gibt es im Internet.

Außerdem plant das Landratsamt eine weitere Sonderaktion in Form von offenen Impftagen mit Astrazeneca. Der Landkreis erhält dafür 800 Dosen für Erstimpfungen. Der Termin steht noch nicht fest.

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