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Polizei teilweise im Einsatz

Nach Urteil zu Schuhverkauf machen Sporthändler auf - und unerlaubterweise auch Textil-Discounter

Tim Hergenhan kam mit seinem Papa aus Zangberg, um neue Bergschuhe zu kaufen und im Geschäft anprobieren zu können. 
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Tim Hergenhan kam mit seinem Papa aus Zangberg, um neue Bergschuhe zu kaufen und im Geschäft anprobieren zu können. 
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Die Kunden freut‘s, dass sie im stationären Handel Schuhe kaufen und anprobieren können. Doch das Verwaltungsgerichtsurteil, wonach seit Donnerstag der Schuhhandel auch in Regionen mit einer 7-Tages-Inzidenz über 100 aufmachen darf, hat für große Verunsicherung gesorgt. Während Sportartikler sich auf den Schuhverkauf beschränkten, gab es auch im Landkreis Mühldorf Filialen von Textil-Discountern, die vorübergehend uneingeschränkt aufgesperrt hatten – bis die Polizei kam.

Waldkraiburg/Ampfing/Mühldorf – In Mühldorf hat eine Polizeistreife am Karsamstag die Schließung der kik-Filiale veranlasst. In ganz Bayern gab es Polizeieinsätze, bei denen Geschäfte wieder geschlossen wurden.

Die Entscheidung, die Filialen zu öffnen, sei „auf der Basis unserer rechtlichen Einschätzung und entlang der bisherigen Öffnungsstrategie der bayerischen Politik“ erfolgt, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Die Entscheidung beziehe sich nicht auf das Thema Schuhe und sei „auch keine Protestaktion“. Das Unternehmen geht vielmehr davon aus, dass „unsere Filialen zu den Ladengeschäften gehören, die für die tägliche Versorgung unverzichtbar sind. Und hier sehen wir uns im Rahmen der derzeit gültigen rechtlichen und gerichtlichen Vorgaben“.

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Das sagt die Polizei zu den Einsätzen

Eine Sprecherin der Polizei in Rosenheim bestätigte auf Anfrage, dass im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Oberbayern-Süd etwa 30 Filialen von Takko und kik Besuch von der Polizei bekamen. „Sie wurden darüber belehrt, dass sie nur Schuhe verkaufen dürfen und die restliche Fläche absperren müssen.“ Einige hatten nach ihren Worten bereits vor dem Eintreffen der Polizei wieder dicht gemacht. Eine komplette Öffnung von Geschäften sei nach geltenden Regeln nur dann zulässig, wenn der überwiegende Teil des Sortiments aus Waren besteht, die verkauft werden dürfen. Das trifft aber bei den genannten Discountern nicht zu.

Kik zieht in seiner Stellungnahme in Zweifel, dass „die Größe von 51 Prozent Schuhen am Gesamtverkauf von Einzelhandelsgeschäften ein seriöser Maßstab im Rahmen einer nachvollziehbaren Anti-Corona-Politik sein kann“. Das Unternehmen appelliert an die Politik, bundesweit einheitliche Standards vorzugeben. Zu einzelnen Filialen will es sich auf Nachfrage nicht äußern. Die Mehrheit der Filialen in Bayern habe man auch am Dienstag offen gehalten, so ein Unternehmenssprecher. Die Fälle, bei denen es zur Schließung einiger Standorte durch lokale Behörden gekommen ist, werden wir prüfen und behalten uns gegebenenfalls rechtliche Schritte vor.“

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Die Polizei meldete die Fälle den zuständigen Behörden. Ob und wie die Öffnung der Geschäfte sanktioniert wird, ist jetzt deren Sache. Das Landratsamt Mühldorf bestätigt den Polizei-Einsatz am Mühldorfer kik-Standort, legt sich aber nicht fest, ob ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit eingeleitet wird. Dies könne erst „nach detaillierter Mitteilung der Polizei geprüft werden“.

Sporthändler aus Ampfing und Waldkraiburg gut besucht

Gerhard Kohlschmid, Inhaber der Intersport-Geschäfte in Mühldorf und Ampfing, hatte schon am Gründonnerstag auf. Laufschuhe, Leichtwanderschuhe und Inlineskater waren nach seinen Worten gefragt in den beiden Läden. „Die Kunden haben vor allem nachgeschaut, ob es wirklich stimmt, dass wir für den Schuhverkauf aufmachen dürfen. Die waren totfroh, wieder in einen Laden gehen zu dürfen und Schuhe anprobieren zu können.“

„Schuhe probieren übers Internet ist schwierig“, sagt Matthias Hergenhan, der am Dienstag (6. April) mit seinem Sohn Tim aus Zangberg nach Waldkraiburg gekommen ist, um den Buben für eine Bergtour in dieser Woche auszurüsten. Tim freut sich schon riesig drauf. „Es gibt einfach einen enormen Nachholbedarf“, weiß Intersporthändler Adi Schäftlmaier.

Gleich am Karsamstag in der Früh seien einige Familien gekommen, um den Nachwuchs mit Schuhwerk einzudecken. Das Geschäft ist nach seinen Worten „sehr gut gelaufen“. Allein mit Schuhen habe er an diesem Tag „deutlich mehr Umsatz gemacht also sonst mit dem ganzen Sortiment“. Um den Kunden ein sicheres Einkaufen zu garantieren, haben sich laut Schäftlmaier bis Dienstag Mittag alle Firmenangehörigen einem Schnelltest unterzogen.

Ärger bei Textil-Discountern

Wie der Sportartikelhändler weiter berichtet, hätten schon am Karsamstag „einige Kunden versucht, auch Bekleidung zu kaufen“. Das sei aber nicht möglich. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich in Händlerkreisen wohl auch schon herumgesprochen, dass Filialen von Textil-Discountern Ärger mit der Polizei hatten, weil ihre Läden ohne Einschränkung aufgemacht hatten.

Im Hinblick auf die konkrete Umsetzung des Urteils in den Sportartikelläden wollte sich das Landratsamt am Dienstag noch nicht festlegen. Nach der Ministerratssitzung am Mittwoch werden dazu neue Informationen erwartet, hieß es auf Anfrage. Die Behörde verweist allerdings darauf, dass die Regierung von Oberbayern in Abstimmung mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium erklärt habe, „dass der Gerichtsbeschluss nur typischen Schuhgeschäften mit Schwerpunkt Verkauf von Schuhen eine Öffnung ermöglicht“.

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