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Kliniken an der Belastungsgrenze

Mühldorfer Arzt appelliert an die Bevölkerung: Jede vermiedene Corona-Infektion hilft den Kliniken!

Die Intensivmedizin stößt wegen Corona regelmäßig an die Kapazitätsgrenzen. Chefarzt Dr. Martin Kahl appelliert deswegen an die Bevölkerung: Zur Impfung gehen, Corona-Vorgaben einhalten und Infektionen vermeiden.
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Die Intensivmedizin stößt wegen Corona regelmäßig an die Kapazitätsgrenzen. Chefarzt Dr. Martin Kahl appelliert deswegen an die Bevölkerung: Zur Impfung gehen, Corona-Vorgaben einhalten und Infektionen vermeiden.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Die Beschäftigten in den Kliniken sind nach einem Jahr der Corona-Pandemiebekämpfung am Ende ihrer Kräfte. Und immer wieder steht die Intensivmedizin an der Kapazitätsgrenze: Chefarzt Dr. Martin Kahl bezieht Stellung zur Belegung der Intensivbetten im Inn-Klinikum

Mühldorf - Mit einem Corona-Inzidenzwert um die 200 ist der Landkreis Mühldorf (Plus-Artikel OVB-Online) noch weit von den nun verkündeten Lockerungen in Gastronomie und Kultur entfernt. Positiv getestete Personen sind nicht zwangsläufig krank, und dennoch stoßen die Intensivstationen regelmäßig an die Kapazitätsgrenzen. Dr. Martin Kahl, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am Inn-Klinikum Mühldorf, erklärt die Ursachen.

40 Corona-Patienten werden stationär versorgt

Der Landkreis Mühldorf leidet immer noch unter einem sehr hohen Corona-Inzidenzwert. Spiegelt sich dieser im Inn-Klinikum wider?

Dr. Martin Kahl: Die Inzidenz im Landkreis Mühldorf, die ja inzwischen gesunken ist, spiegelt sich leider noch immer sehr deutlich im Inn-Klinikum wieder. Wir spüren die Entwicklungen bei der Inzidenz immer mit einer rund zweiwöchigen Verzögerung. Stand Mittwoch, 5. Mai, versorgen wir stationär 40 positiv getestete Covid-Patienten. Davon stammen 29 aus dem Landkreis Mühldorf. Von den elf beatmeten Covid-Erkrankten auf unseren Intensivstationen kommen neun aus dem Landkreis Mühldorf.

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Trotz der hohen Zahlen ist die Belegung der Intensiv- und Beatmungsbetten nicht mehr so hoch wie in vergangenen Monaten. Woran liegt das?

Kahl: Wir verzeichnen in den zurückliegenden Wochen weitaus weniger hochbetagte Patienten mit einem schweren Corona-Verlauf. Das ist ein Beleg dafür, dass die Impfungen wirken, unabhängig vom Impfstoff. Hochbetagte Patienten haben wir glücklicherweise nur noch in Ausnahmefällen und in der Regel sind diese ungeimpft. Die Mehrheit der Patienten der dritten Welle sind im Schnitt jünger und schwerer erkrankt. Sie liegen länger auf der Intensivstation, was die Bettenknappheit erhöht.

Belastung immer noch groß

Ist die Belastung für die Mitarbeiter dadurch gesunken?

Kahl: Im Durchschnitt der vergangenen Wochen mussten zehn bis 15 Covid-Patienten auf den Intensivstationen des Inn-Klinikums versorgt werden, obwohl wir vielfach in andere Klinken abverlegen konnten. Die Belastung ist also immer noch groß.

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Wie sieht Ihre Prognose aus?

Kahl: Wir sind vorsichtig optimistisch, dass sich mit den sinkenden Inzidenzen auch die Lage in unseren Klinken entspannt. Leider sind unsere Beschäftigten nach einem Jahr der Pandemiebekämpfung am Ende ihrer Kräfte. Aus diesem Grund haben mehrere Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen gekündigt. Krankheitsbedingte Ausfälle belasten die verbliebenen Kollegen zusätzlich, da sie diese kompensieren müssen.

Intensivzahlen lassen sich schwer vergleichen

Die Vereinigung für Intensiv- und Notfall-Medizin (Divi) arbeitet häufig mit Belegungszahlen, die deutlich unter denen liegen, die das Inn-Klinikum veröffentlicht. Wer hat Recht?

Kahl: Die DIVI-Intensivzahlen und die von uns an die Medien und Landratsämter gemeldeten Zahlen lassen sich leider nur schwer vergleichen. So rechnen wir in unseren Zahlen nur mit den Intensivbetten, die eine invasive Beatmungsmöglichkeit besitzen. Die DIVI unterscheidet zwischen Behandlungsplätzen mit der Möglichkeit zur invasiven, beziehungsweise nichtinvasiven Beatmung. Innerhalb der Klinik unterscheiden wir zwischen Intensivbetten und IMC-Betten.

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Unklarheiten herrschen auch in puncto Definition bei den beatmeten Patienten. Können Sie dazu bitte aufklären?

Kahl: Auch bei den beatmeten Patienten gibt es Unterschiede. Während das DIVI-Register nur die invasiv beatmeten, also die intubierten, Patienten nennt, zählen wir auch die Patienten hinzu, die nicht invasiv beatmet werden müssen, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung sicherzustellen. Darüber hinaus ergibt sich im Laufe eines Tages eine große Dynamik bezüglich der Belegung bei den Intensivbetten, sodass sich die Anzahl der belegten Intensivbetten zwischen der Meldung an das DIVI-Register und unserer Meldung aus den Kliniken verändert haben könnte.

Freie Intensivbetten sind rar

Welche Möglichkeiten zu reagieren hat das Inn-Klinikum, wenn alle Intensivbetten belegt sind?

Kahl: Wir arbeiten auf den Intensivstationen seit Wochen an der Belegungsobergrenze, was wiederholt Verlegungen nötig macht. Diese sind in der dritten Welle erschwert, da es allen Kliniken so geht wie uns. Freie Intensivbetten sind rar. Aus diesem Grund möchte ich die Landkreisbevölkerung eindringlich bitten, zur Impfung zu gehen und sich an die Corona-Vorgaben zu halten. Jede vermiedene Infektion hilft uns in den Kliniken.

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