Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Medizinisches Personal bietet Arbeitskraft an

Fürchten wegen Impfpflicht um ihre Existenz: 300 Pflegekräfte aus der Region schalten Stellenanzeige

In ganz Deutschland sorgen sich ungeimpfte Mitarbeiter aus Pflegeeinrichtungen um ihre Jobs.
+
In ganz Deutschland sorgen sich ungeimpfte Mitarbeiter aus Pflegeeinrichtungen um ihre Jobs.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
    schließen

Mehr als 300 Mitarbeiter aus dem Gesundheits- und Betreuungsbereich bieten in der Samstags-Ausgabe der OVB-Heimatzeitungen (19. Februar) in einer Sammelanzeige ihre Arbeitskraft an. Denn sie fürchten um ihre Existenz.

Mühldorf – Sie sind Gärtner, Pflegerinnen, Handwerker, Logopädinnen und suchen einen neuen Job. Denn nach dem 15. März droht ihnen der Verlust des Arbeitsplatzes. Der Grund: Sie sind ungeimpft.

Viele sorgen sich um ihre Existenz

Peter Hallmer (Name von der Redaktion auf Wunsch des Betroffenen geändert) hat die Anzeige aufgegeben. Er arbeitet in der Stiftung Ecksberg. Knapp 300 Mitarbeiter aus der Stiftung, den Krankenhäusern und Altenheimen beteiligen sich nach seinen Angaben an den Kosten der Anzeige. Die gesamte Gruppe sei aber noch etwas größer. „Nach zwei Jahren Corona, in denen man angeeckt ist, ist es jetzt der Gipfel, dass man Angst um seinen Job hat“, sagt Hallmer. „Und es geht nicht, dass man in die Arbeitslosigkeit fällt.“

Nur mit allgemeiner Impfpflicht

Für viele sei die Situation existenziell bedrohlich. Sie hätten Kinder, Kredite, das Leben sei teuer. Deshalb sei es wichtig, sich jetzt nach einer neuen Arbeitsstelle umzusehen. Für Kollegen aus der Pflege blieben neben Angeboten zur Krankenversorgung oft nur Hilfsarbeiterjobs. Eine Überbrückungsarbeit, bis die Rückkehr in die gelernte Tätigkeit wieder möglich ist.

30 Ungeimpfte in der Stiftung Ecksberg

In der Stiftung Ecksberg wollen sich aktuell 30 Mitarbeiter auf keinen Fall impfen lassen, 60 sind noch unentschieden. Diese Zahl nennen die beiden Vorstände der Stiftung. Insgesamt 1060 Frauen und Männer sind dort beschäftigt.

Dr. Alexander Skiba und Stefan Reiter zeigen Verständnis für die Sorge und den Unmut ihrer Mitarbeiter. „Die Verknüpfung der Impfentscheidung mit dem Erhalt des Berufs macht sie zu einer existenziellen Frage“, sagt Reiter. „Da fühlen sich viele an die Wand gedrängt.“

Keine Informationen über den Ablauf

An diesem Punkt setzt die Kritik der Ecksberger Chefetage an, denn eine Impfpflicht zum Schutz der Betreuten befürworten sie. „Wir sind für die Impfung, weil sie ein wesentliches Element ist, die Pandemie in den Griff zu bekommen“, sagt Skiba. „Die einrichtungsbezogene Impfpflicht weist aber einige Konstruktionsfehler auf.“ Dazu gehöre die Verknüpfung mit dem Verlust des Arbeitsplatzes. „Eine so scharfe Sanktion darf es nicht geben.“

Arbeit für viele Passion, sagt der Chef

Für die meisten Mitarbeiter sei die Arbeit mit den Behinderten eine Passion, sagt Reiter. Die Auseinandersetzung mit der Impfpflicht könne deshalb zu einer „emotionalen Extrembelastung“ führen. „Das ist ein Zielkonflikt, den die Mitarbeiter nicht lösen können.“

Die Forderung der Vorstände: Die einrichtungsbezogene Impfpflicht müsse schnell mit einer allgemeinen Impfpflicht verknüpft werden. Und mit anderen Strafen als dem Verlust des Arbeitsplatzes versehen werden. Sollte der Vorstoß von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zu einem Umdenken führen, würden ihn die Stiftungsvorstände begrüßen. Kritisch sehen sie aber die Tatsache, dass damit die Unsicherheit für Mitarbeiter und Einrichtungen verlängert würde.

Einrichtungen müssen Versorgung sicher stellen

Denn für Ecksberg steht nicht nur die Sicherheit vor Corona auf dem Spiel, sondern auch die Versorgung der Behinderten. Deshalb treibt auch die Vorstände die Unsicherheit um. Wann und wie es mit den Ungeimpften weiter geht, betonen die Vorstände, wissen sie nämlich auch noch nicht. Fest steht: Als Arbeitgeber muss Ecksberg wie alle Einrichtungen aus dem Pflegebereich bis zum 15. März alle melden, die ungeimpft sind. Den genauen Status der Mitarbeiter zu ermitteln, sei schwierig, sagt Skiba.

Umsetzung der Impfpflicht ist noch völlig offen

Denn auch die Zahl derer, die sich bis dahin infizieren und gesund werden, also die Genesenen, müssten berücksichtigt werden.

Und danach? Da zucken nicht nur die Ecksberger Vorstände mit den Achseln, auch aus dem Krankenhaus kommt keine Information: „Das ‚InnKlinikum‘ ist verpflichtet, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die weder vollständig geimpft, noch genesen sind, dem Gesundheitsamt zu melden“, sagt Vorstandsvorsitzender Thomas Ewald. Das sind knapp 140 von 2730 Mitarbeitern. „Das weitere Vorgehen des Gesundheitsamtes entzieht sich unserer Kenntnis.“

Gesundheitsamt weiß noch nichts

Auch Dr. Benedikt Steingruber, der das Gesundheitsamt Mühldorf leitet, kann noch nichts Genaues sagen. Er rechnet nach dem 15. März mit 800 bis 1000 Meldungen. „Anschließend bitten wir die betreffenden Personen um die Vorlage der Impf- und Genesenen-Nachweise oder möglicher ärztlicher Atteste“, sagt er. „Die weiteren Verfahrensschritte stehen aufgrund der bis dato fehlenden Vollzugsrichtlinien noch nicht fest.“

Kein Protest gegen die Arbeitgeber

Die Anzeige der ungeimpften Mitarbeiter sieht Hallmer nicht als Protest gegen die Arbeitgeber, deren Zwiespalt er kennt. „Das sind keine Vorwürfe, die gehen selbst auf glattem Eis.“ Hallmer gibt aber zu, dass es auch andere Stimmen unter den Mitarbeitern gebe, die der Stiftungsleitung kritischer gegenüberstünden und sich mehr Einsatz für die Mitarbeiter gewünscht hätten. Hallmer sieht dagegen den Druck des Gesetzes, unter dem die Stiftung agiert. Er selbst handelt nach eigenen Worten aus Solidarität mit den anderen Ungeimpften, denn ihn wird der Arbeitsplatzverlust nicht treffen: Er hat ein Attest.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion